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Treffen zwischen Kim und Trump

Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig

Von Till Fähnders, Singapur
 - 10:35

Das Ereignis ist „epochal“, aber das Ergebnis lässt zu wünschen übrig. Die Vereinbarung, die Donald Trump und Kim Jong-un am frühen Nachmittag unterschreiben, kommt zumindest an die höchsten Erwartungen nicht heran. In dem Dokument bekennt sich Nordkorea zwar zur „vollständigen Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel. Aber weder wird ein Zeitplan festgelegt, noch ein Prozess spezifiziert, unter dem der Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms vor sich gehen könnte. Von den Forderungen Amerikas, wonach diese Schritte auch „überprüfbar und unumkehrbar“ sein sollten, kommt nichts vor. Dafür verspricht Donald Trump Nordkorea „Sicherheitsgarantien“.

Die Vereinbarung enttäuscht auch, weil bei ihrer Unterzeichnung tatsächlich so etwas wie ein historischer Moment gekommen scheint. Zwei Männer, deren Länder offiziell verfeindet sind, sitzen gemeinsam an einem Tisch und finden wohlwollende Worte. „Die Welt wird einen großen Wandel erleben“, sagt der nordkoreanische Machthaber. Die Vergangenheit solle hinter sich gelassen werden. Der amerikanische Präsident sagt, man habe eine „sehr spezielle Verbindung“ aufgebaut. Auf die Frage der Journalisten nach dem Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms sagt Trump: „Wir werden den Prozess sehr, sehr bald starten.“ Einen Fahrplan nennt er aber nicht.

Am Ende bleibt das persönliche Kennenlernen der beiden Männer das auffälligste Ergebnis des Gipfels; so wie zum Schluss eigentlich auch schon angekündigt. Das Bemühen der beiden, eine persönliche Beziehung zwischen sich aufzubauen, ist deutlich. Trump sagt, er wolle Kim Jong-un „absolut“ ins Weiße Haus einladen. Als die beiden den Saal des Hotels Capella verlassen, fassen sie sich abwechselnd mit der Hand fast freundschaftlich an den Rücken.

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Nach Treffen mit Kim
Die Höhepunkte von Trumps Pressekonferenz

Doch Kim hat fast ohne Gegenleistung etwas bekommen, was schon sein Vater und Großvater gewollt hatten: von den Amerikanern als gleichberechtigt anerkannt zu werden. Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Anti-Atomgruppe Ican kritisiert da sogleich die „substanzlose“ Vereinbarung. Der Reality-TV-Star Trump habe die „photo opportunity“ seines Lebens bekommen.

Die gemeinsame Zeit, während der sich die beiden in der Öffentlichkeit zeigten, hatte dabei ebenso kühle wie leichte Momente. Nordkoreas Machthaber hüllte sich bis auf ein paar Sätze weitgehend in Schweigen – damit hielt er die Aura des rätselhaften Mannes zumindest teilweise aufrecht. Trump versuchte, seinen Gesprächspartner mit einem forschen Händedruck zu beeindrucken. Klotzen gehört bei Trump zum Geschäft. So erlaubt er Kim während eines Gangs durch die Hotelanlage einen Blick in sein als „The Beast“ bezeichnetes, gepanzertes Präsidentenfahrzeug.

Trump bezeichnet seinen Gesprächspartner außerdem als „großartige Persönlichkeit und sehr smart – eine gute Kombination“. „Wir hatten einen hervorragenden Tag und wir haben eine Menge über uns und unsere Länder gelernt“, sagt Trump.

Aber es ist ja nicht alles schlecht. Immerhin wird in der Vereinbarung festgelegt, dass die Verhandlungen um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm weitergeführt werden sollen, auf der amerikanischen Seite unter der Leitung von Außenminister Mike Pompeo. Der Minister hatte noch am Tag vorher in Singapur die Überprüfbarkeit des nordkoreanischen Atomabbaus als eine Voraussetzung für die Aufhebung der Sanktionen gegen Nordkorea bezeichnet.

Doch für den Gipfel in Singapur haben die Amerikaner ihre Strategie des „maximalen Drucks“ aufgegeben. Der Weg bis zu diesem Punkt sei schwer gewesen, sagt Kim Jong-un über den Gipfel. Das, was nun kommen soll, dürfte mindestens noch einmal so schwer werden.

Quelle: FAZ.NET
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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