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Oprah Winfrey

Die Wunderwaffe gegen Donald Trump?

Von Oliver Georgi
 - 14:10

Seit langem hat Amerika nichts mehr so elektrisiert wie diese Frage: Könnte Oprah Winfrey, die bekannteste Fernsehmoderatorin des Landes, 2020 tatsächlich als Präsidentschaftskandidatin gegen Donald Trump antreten? Seit ihrem Auftritt bei der Golden-Globe-Gala am Sonntagabend, bei dem sie jene deutlichen Worte gegen den alltäglichen Sexismus in Hollywood und den Missbrauch von Frauen fand, die viele Amerikaner in der „Me too“-Debatte noch immer so schmerzlich vermissen, ist die 63-Jährige für viele zur strahlenden Hoffnungsfigur für ein Zeitalter nach Trump geworden. Von einer Zukunft ohne sexuelle Übergriffe, Gegrapsche und anzügliche Kommentare sprach Winfrey in ihrer Rede, von einem „neuen Tag am Horizont“, von einer Zeit, „in der niemand jemals wieder ,ich auch' sagen muss“.

Es war ein so flammendes Plädoyer gegen Diskriminierung und für Frauen- und Bürgerrechte, dass sich danach nicht nur die versammelte Hollywood-Elite vor Begeisterung überschlug, sondern sogar Trump-Tochter Ivanka, die von einer „starken und inspirierenden“ Rede sprach. Und schnell wurden erste Forderungen laut, die populäre Moderatorin müsse als Präsidentin kandidieren. „Gott, wir brauchen Leidenschaft und Spannung“, sagte die Demokratin Gilda Cobb-Hunter, eine bekannte Abgeordnete im Abgeordnetenhaus von South Carolina, wie die „Washington Post“ zitierte. „Ich weiß, es ist derzeit nur eine Mutmaßung, aber ich würde sie fragen, es ernsthaft zu erwägen. Wenn uns irgendjemand zusammenbringen kann, dann sie.“ Noch mehr ins Schwärmen geriet die Schauspielerin Meryl Streep, ihrerseits ebenfalls eine Frau mit viel Einfluss: Winfrey habe mit ihrer Rede „eine Rakete gezündet“, jubelte Streep. Und: „Ich will, dass sie antritt. Sie hat keine andere Wahl mehr.“

Tochter aus einem armen, unprivilegierten Elternhaus

Auch wenn der Gedanke auf den ersten Blick absurd anmuten mag, eine Fernsehmoderatorin wie Winfrey könne ohne jegliche politische Vorerfahrung ernsthaft für das wichtigste Amt der Welt kandidieren – und dann womöglich gewinnen: Für die Demokraten hätte eine Kandidatur von Oprah Winfrey, die vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ 2010 unter die einflussreichsten Menschen der Welt gewählt wurde, in der Tat Charme. Winfrey hat genügend Geld für eine Kandidatur, mit einem geschätzten Vermögen von 2,8 Milliarden Dollar ist sie sogar noch reicher als Donald Trump – mit dem Unterschied, dass sie sich ihren Reichtum als Tochter aus einem armen, unprivilegierten Elternhaus selbst erarbeitet hat.

Mit ihrer „Oprah Winfrey Show“ wurde sie im ganzen Land bekannt; mit einem eigenen Pay-Kanal, einem Magazin, einer Produktionsfirma und anderen Einnahmequellen stieg sie über die Jahre zudem zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten Amerikas auf. Aus ihrer Sympathie für die Demokraten hat Winfrey dabei nie einen Hehl gemacht, selbst wenn sie selbst keiner Partei angehört. 2007 unterstützte sie den damals unbekannten Senator Barack Obama bei seiner Kandidatur und warb in einem Football-Stadion in South Carolina für ihn. Dass Obama bei den Vorwahlen der Demokraten in South Carolina gegen die damalige haushohe Favoritin Hillary Clinton gewann, wird auch Winfreys Unterstützung zugeschrieben – nach einer Studie verdankte er ihrem Engagement mehr als eine Million Stimmen. Auch sonst engagiert sich Winfrey seit langem politisch, etwa für die Rechte von Kindern, für Bildungsprogramme in Südafrika oder für die Opfer des Hurrikans „Katrina“.

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Historisches Interview
Trump wollte Oprah Winfrey als Vizepräsidentin

Vor allem aber ist Winfrey im Land weitaus populärer als Donald Trump – und das nicht nur bei den liberalen Eliten an den Küsten, sondern auch in Texas, Ohio oder Nebraska. Gerade diese hohe Identifikationskraft dürfte viele Demokraten nachhaltig ins Schwärmen bringen, deren große Not bei der Suche nach einem geeigneten Herausforderer von Trump immer offenkundiger wird. Nach Barack Obama, der mit seinem Charisma über Hautfarben und soziale Grenzen hinweg Unterstützung bei vielen Amerikanern fand, ist bei den Demokraten weit und breit keine Identifikationsfigur sichtbar, hinter der sich nicht nur die aufgeklärten liberalen Gutverdiener der Küstenstaaten versammeln können, sondern auch die Latinos und vor allem die weiße Mittelschicht, bei der Trump bei seiner Wahl so erfolgreich punkten konnte.

Hillary Clinton ist auch daran gescheitert, dass sie den enttäuschten weißen Männern immer als Vertreterin einer fernen Washingtoner Elite galt, die von der Lebenswirklichkeit in Texas oder Ohio ähnlich weit entfernt war wie der Präsident von China. Auch Oprah Winfrey ist davon weit entfernt, aber die schwarze Frauenrechtlerin, die sich ihren immensen Reichtum selbst erarbeitet hat , ist bei liberalen schwarzen Demokraten in New York wie bei weißen Republikanern im Mittleren Westen gleichermaßen beliebt. Weil jeder Amerikaner sie zu kennen glaubt, könnte sie womöglich jene Identifikationsfigur sein, hinter der sich das demokratische Amerika nach Obama wieder versammeln kann. Auch Donald Trump hält die Moderatorin schon lange für eine fähige Kandidatin. In einem CNN-Interview sagte er 1999, sollte er jemals Präsident werden, wäre sie seine erste Wahl – als Vizepräsidentin.

Doch bislang ist all das nur Spekulation – wenn auch eine, die viele Demokraten in Amerika ins Schwärmen bringt. Denn ob Winfrey wirklich kandidieren würde, ist alles andere als klar. „Ich werde nie für ein öffentliches Amt kandidieren. Das ist eine ziemlich ausgemachte Sache“, sagte sie dem „Hollywood Reporter“ im Juni. Und auch nach ihrer Rede bei den „Golden Globes“ wies Winfrey gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag zurück, dass sie Ambitionen auf das Präsidentenamt hege. Als Gastgeber Seth Meyers zum Auftakt der Gala über eine Kandidatur Winfreys witzelte, platzte ihr sogar ein Lachen heraus. Doch am selben Abend erklärte ihr Partner Stedman Graham, „sie würde es absolut machen“. Auch bei anderen Gelegenheiten ließ Winfrey mehrfach offen, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könnte.

Was stimmt nun? Fühlt sich die populäre Moderatorin lediglich geschmeichelt und will ihren Bekanntheitsgrad (und ihre Geschäfte) mit mehrdeutigen Äußerungen nur weiter steigern (was kaum noch möglich scheint)? Oder ziert sie sich nur noch ein wenig und erwägt längst eine Kandidatur, bei der sie womöglich eine echte Chance auf den Einzug ins Oval Office hätte? Und ist es wirklich denkbar, dass der Polit-Neuling Winfrey sich in den demokratischen Vorwahlen gegen politische Schwergewichte wie Joe Biden, Elizabeth Warren oder Bernie Sanders durchsetzen könnte? Gegen drei landesweit bekannte Politiker, die allerdings schon im weit fortgeschrittenen Alter sind?

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Peinlicher Auftritt
Donald Trump vermasselt die Hymne

Alles scheint möglich in diesen Zeiten in den Vereinigten Staaten – sogar, dass der unwahrscheinlichste Kandidat aller Zeiten für das Präsidentenamt, ein frauenfeindlicher, milliardenschwerer Reality-Star, nach vier Jahren von einer nicht minder unwahrscheinlichen Kandidatin, einer afroamerikanischen Fernsehmoderatorin und milliardenschweren Frauenrechtlerin, abgelöst wird. Die Wahl von Trump und der Hype um Winfrey zeigen so vor allem, wie entkernt die politischen Parteien in Amerika derzeit sind – Republikaner wie Demokraten.

Trump selbst scheint die ins Kraut schießenden Spekulationen über Winfrey übrigens durchaus ernst zu nehmen. „Wir freuen uns auf jede Herausforderung, sei es Oprah Winfrey oder irgendjemand sonst“, sagte ein Trump-Sprecher am Montag an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One.

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Quelle: FAZ.NET
Oliver Georgi
Redakteur in der Politik.
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