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Anklage von Ermittler Mueller

Roger Stone schwört Loyalität

Von Frauke Steffens, New York
Aktualisiert am 26.01.2019
 - 10:33
Roger Stone verlässt siegessicher das Justizgebäude in Fort Lauderdale.
Die Anklage von Roger Stone zeigt, dass die Wahlkampagne von Donald Trump Kontakt zu WikiLeaks suchte. Doch gab es mit der Enthüllungsplattform auch eine direkte Zusammenarbeit?

Am frühen Freitagmorgen standen bewaffnete FBI-Agenten vor Roger Stones Tür in Fort Lauderdale in Florida – wenig später betrat der 66 Jahre alte Stone den Gerichtssaal in Handschellen. Von seinem sonst so flamboyanten Auftreten war nichts zu sehen – Stone trug statt eines teuren Anzugs Jeans und T-Shirt, wirkte mitgenommen und müde. Doch abends gab er schon wieder ein Fox-Fernsehinterview in Nadelstreifen und kündigte den „Kampf seines Lebens“ an. Entlassen gegen eine Kaution von 250.000 Dollar, die er nicht zahlen, sondern nur zusichern musste, hatte Stone beim Verlassen des Gerichts die Arme zum Victory-Zeichen gereckt. Den wartenden Reportern sagte er: „Das Einzige, was schlimmer ist als wenn über einen geredet wird, ist wenn nicht über einen geredet wird.“ Er werde auf „nicht schuldig“ plädieren – die Bundespolizisten hätten ohne guten Grund seine Familie terrorisiert.

Die Anklage gegen Stone umfasst 24 Seiten. Sie geht auf die Ermittlungen von Sonderstaatsanwalt Robert Mueller zurück und wirft dem Politikberater falsche Aussagen vor dem Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses sowie die versuchte Beeinflussung von Zeugen vor. Stone ist ein für seine weit verzweigten Verbindungen und provokativen Aussagen berüchtigter Lobbyist. Einst bezeichnete sich der Mann mit dem Nixon-Tattoo auf dem Rücken selbst als „dirty trickster“, als Mann der schmutzigen Tricks also. Stone war in den Wahlkämpfen von Richard Nixon und Ronald Reagan aktiv. Schon seit den 1980er Jahren war er ein enger Vertrauter von Donald Trump. Kurzzeitig war Stone auch offizieller Mitarbeiter von Trumps Wahlkampagne. Im Sommer 2015 schied er aus, hielt aber weiter Kontakt zum späteren Präsidenten. Mit der republikanischen Partei brach er und ging zur Partei der Libertären. Doch er blieb ein loyaler Streiter für Trump, der die Mueller-Untersuchung auf Twitter wieder einmal als „Hexenjagd“ bezeichnete. Sein neuestes Buch heißt „Der Mythos der Russland-Verschwörung“.

Im Mittelpunkt der Anklage gegen Stone stehen nun seine Verbindungen zu WikiLeaks, mit denen er wiederholt geprahlt, die er aber im Kongressausschuss auch heruntergespielt hatte. Am 22. Juli 2016 veröffentlichte die Enthüllungsplattform erstmals gehackte E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees. In der Anklage heißt es: „Nach der Veröffentlichung von gestohlenen E-Mails des Demokratischen Nationalkomitees DNC am 22. Juli 2016 durch die Organisation 1 wurde ein führender Trump-Wahlkampfmitarbeiter angewiesen, Stone wegen weiterer Veröffentlichungen zu kontaktieren und zu fragen, welche weiteren belastenden Informationen Organisation 1 über die Clinton-Kampagne hatte. Stone unterrichtete die Trump-Kampagne dann über mögliche zukünftige Veröffentlichungen von belastendem Material durch Organisation 1.“ Die Formulierung macht klar, dass Sonderermittler Robert Mueller davon ausgeht, dass Stone sich bei seinen WikiLeaks-Kontakten mit dem Trump-Wahlkampfteam absprach.

Die Frage ist nun nicht nur, welcher Trump-Mitarbeiter Stone in Sachen „Organisation 1“ kontaktieren sollte, sondern wer diesen Mitarbeiter dazu anwies. Viele Kommentatoren waren sich einig, dass am ehesten der Präsident selbst oder sein damaliger Wahlkampfchef Paul Manafort Stone eine so wichtige Anweisung gegeben hätten – und dass sie auch die einzigen waren, die derart viel Vertrauen in ihn hatten. Stone war nicht nur Trumps Freund, er war jahrelang auch Manaforts Partner in der gemeinsamen Lobby-Agentur Black, Manafort und Stone. Deren Methoden und manche ihrer Klienten galten als moralisch fragwürdig.

Stones Kontaktmänner zu WikiLeaks waren Jerome Corsi und Randy Credico, die in den Gerichtsdokumenten Person 1 und 2 heißen. Während des Wahlkampfes war er über die beiden Mittelsmänner in Kontakt mit Assanges Leuten. Die Anklage gegen Stone stützt sich unter anderem auf E-Mails, die er mit dem konservativen Radiomoderator Credico wechselte – er soll auch versucht haben, diesen zu Falschaussagen zu überreden. Im Wahlkampf kündigte Stone bei Twitter mehrfach weitere WikiLeaks-Enthüllungen an. So schrieb er am 3. Oktober 2016: „Ich vertraue voll uns ganz darauf, dass @wikileaks und mein Held Julian Assange das amerikanische Volk bald aufklären werden. #lockherup“ Es gab zu diesem Zeitpunkt auch Erkenntnisse darüber, dass Computer der Demokraten von Russen gehackt worden waren.

Die amerikanischen Geheimdienste sehen keine direkte Verbindung zwischen dem russischen Geheimdienst und WikiLeaks, obwohl die Plattform auch von Russen gestohlene Mails publizierte. Und viele Beobachter werfen Julian Assange vor, dass seine Enthüllungen des öfteren russischen Interessen entgegen kommen. Assange beschimpfte Hillary Clinton und die Demokraten zudem im Sommer 2016 als „Neo-McCarthyisten“, die eine ungerechtfertigte Panik gegenüber Russland schürten.

WikiLeaks begann am 7. Oktober 2016, weitere gestohlene E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta zu veröffentlichen – Stunden, nachdem die Tonaufnahme öffentlich geworden war, auf der Donald Trump mit der mutmaßlichen sexuellen Nötigung von Frauen prahlte. Danach schrieb ein Mitarbeiter eines hohen Wahlkampfmanagers an Stone: „Gut gemacht.“ Und Trump sagte in einer Rede: „Ich liebe WikiLeaks“, bevor er Hillary Clintons Aussagen über Terrorismus aus den gestohlenen E-Mails zitierte. Laut dem Sender CNN nannte Trump im Wahlkampf rund 140 mal WikiLeaks in Reden oder Interviews.

Nun steht die Frage im Raum, was der Präsidentschaftskandidat von Stones Kommunikation mit der Enthüllungsplattform wusste und ob die Veröffentlichungen der DNC-Mails gar direkt mit Trumps Team koordiniert wurden. Wenn Mueller eine solche Koordination belegen könnte, dann würde das mindestens Wahlkampfregeln verletzten. Das Weiße Haus leugnete jede Verbindung zu Stones Aktivitäten. Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte, die Anklage gegen den Lobbyisten habe nichts mit dem Präsidenten zu tun. Fest steht, dass beide lange Zeit ihre Ansichten und Schritte eng absprachen. In der Dokumentation „Get Me Roger Stone“ von Morgan Pehme sagte ausgerechnet Paul Manafort: „Es ist schwer zu unterscheiden, was von Roger kommt und was von Donald. Die beiden sehen die Welt auf sehr ähnliche Art.“ Noch gibt Stone diese Beziehung nicht auf, auch wenn er bald unter größeren Druck geraten könnte. Am Freitag sagte er, er werde nichts Belastendes gegen Trump aussagen: „Ich bin einer seiner ältesten Freunde. Ich bin ein enthusiastischer Unterstützer des Präsidenten.“

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Langjähriger Trump-Berater
Roger Stone festgenommen

Quelle: FAZ.NET
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