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Tod von George Floyd

Proteste in Minneapolis gehen trotz Ausgangssperre weiter

Aktualisiert am 30.05.2020
 - 09:50
„Ich kann nicht atmen“: Jugendliche protestieren in Minneapolis gegen Polizeigewalt.
Der Tod George Floyds in Minneapolis hat für einen Aufschrei gesorgt. Nun wird der mutmaßlich verantwortliche Polizist wegen Mordes angeklagt. Die Proteste gingen dennoch in mehreren Städten weiter. Derweil rudert Trump nach einem Tweet zurück.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis haben die Proteste in der amerikanischen Großstadt trotz Ausgangssperre angedauert. Reporter des Senders CNN berichteten in der Nacht zu Samstag, weder Soldaten der Nationalgarde noch Polizisten seien zu sehen. An den Protesten beteiligten sich demnach Schwarze ebenso wie Weiße.

Fernsehbilder zeigten, wie Demonstranten in der Stadt auf einer Schnellstraße marschierten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „Bin ich der nächste?“ und „Ohne Gerechtigkeit kein Frieden“. CNN zeigte Bilder von friedlichen Protesten in Minneapolis, aber auch von in Brand gesteckten Autos.

Floyd war am Montag bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Einer der vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten wurde am Freitag des Mordes angeklagt. Bei ihm handelt es sich um den weißen Polizisten, der sein Knie minutenlang an den Hals Floyds gedrückt hatte. Floyd hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor, wie ein Video festgehalten hatte. Der 46-jährige Schwarze wurde bei seiner Ankunft im Krankenhaus für tot erklärt.

Infolge von Floyds Tod war es in den vergangenen Nächten zu schweren Ausschreitungen in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gekommen. Geschäfte gingen in Flammen auf, es kam zu Plünderungen. Demonstranten stürmten auch eine Polizeiwache und legten Feuer. Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstranten ein. Auch nach Beginn der Ausgangssperre, die Bürgermeister Jacob Frey am Freitagabend erlassen hatte, haben die Proteste noch angedauert. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie am Freitagabend Demonstranten durch die Straßen zogen.

Unterdessen haben in Atlanta Demonstranten das Hauptquartier des Senders CNN angegriffen. Der Sender zeigte am Freitagabend Live-Bilder aus der eigenen Zentrale, auf denen zu sehen war, wie Demonstranten von außerhalb Objekte auf Polizisten im Eingangsbereich des Senders warfen. Ein Demonstrant versuchte während der Übertragung, bereits beschädigte Scheiben im Eingangsbereich mit seinem Skateboard einzuschlagen. Die Polizei im Eingangsbereich wurde verstärkt. Auch aus New York, Los Angeles, Dallas, Louisville und anderen Orten wurden Proteste gemeldet. Vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich ebenfalls Demonstranten. Einige von ihnen stießen Barrikaden um.

Tweet relativiert Tweet zum Schusswaffengebrauch

Unterdessen ruderte Präsident Donald Trump nach einem Tweet über den Einsatz von Schusswaffen gegen Plünderer zurück, der von vielen als gewaltverherrlichend kritisiert worden war. Am Freitag führte er – ebenfalls auf Twitter – aus, plündern führe dazu, dass geschossen werde. „Ich will nicht, dass das passiert“. Und das habe er mit seinem Tweet gemeint. Trump bezog sich dabei auf die Ausschreitungen in Minneapolis.

Trump hatte zunächst als Reaktion auf die Ausschreitungen nach der Tötung des Schwarzen George Floyd erklärt, er habe dem Gouverneur von Minnesota die Unterstützung des Militärs zugesichert. „Irgendwelche Schwierigkeiten, und wir werden die Kontrolle übernehmen, aber wenn mit dem Plündern begonnen wird, beginnt das Schießen.“ Er werde nicht zulassen, dass „Schläger“ die Erinnerung an Floyd entehrten.

Twitter stufte den Tweet als gewaltverherrlichend ein und verbarg ihn hinter einem Link, so dass der Inhalt erst für Leser sichtbar wird, wenn sie auf den Warnhinweis des Kurznachrichtendienstes klicken. Schwarze Abgeordnete warfen Trump vor, zu Gewalt gegen Afroamerikaner anzustacheln. Politiker der Demokratischen Partei verurteilten scharf das Vorgehen Trumps. Der Präsident lenkte ein und erklärte, er verstehe, warum der Tod Floyds landesweite Proteste ausgelöst habe.

Stars wenden sich gegen Trump

Inzwischen haben auch zahlreiche Stars reagiert. Sängerin Taylor Swift wandte sich per Kurznachrichtendienst Twitter direkt an Präsident Donald Trump, der den Demonstranten bei Plünderungen mit einem gewaltbereiten Militäreinsatz drohte. „Nachdem du während deiner gesamten Präsidentschaft die Feuer der weißen Vorherrschaft und des Rassismus angefacht hast, hast du jetzt die Nerven dazu, moralische Überlegenheit vorzutäuschen und dann mit Gewalt zu drohen?“, schrieb Swift. „Wir werden dich im November aus dem Amt wählen.“

Cardi B verteidigte die Demonstranten in einem Video. „So sehr ich diese Art von Gewalt nicht mag ­– es ist, was es ist“, sagte die Sängerin. „Zu viele friedliche Demonstrationen, zu viele Hashtags, die zu Trends werden, und keine Lösungen. Die Menschen haben keine andere Wahl.“ Sänger Justin Bieber schrieb bei Instagram: „Keine Leben sind von Bedeutung bis schwarze Leben von Bedeutung sind.“ Sängerin Beyoncé veröffentlichte ein Foto von Floyd auf ihrer Webseite und schrieb dazu „Rest in Power“ (etwa: Ruhe in Macht, in Anlehnung an „Rest in Peace“, Ruhe in Frieden).

Zuvor hatte sich auch der frühere amerikanische Präsident Barack Obama gegen anhaltenden Rassismus und die Benachteiligung Schwarzer geäußert. Für Millionen Amerikaner sei es auch im Jahr 2020 noch „schmerzhaft und zum Verrücktwerden „normal“, wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt zu werden“, erklärte Obama am Freitag über Twitter. Das sei der Fall im Umgang mit dem Gesundheitssystem, mit der Justiz oder auch nur beim Joggen oder beim Beobachten von Vögeln, erklärte Obama unter Anspielung auf Fälle, die jüngst für Aufsehen gesorgt hatten. „Das darf in Amerika im Jahr 2020 nicht ,normal‘ sein“, sagte Obama, der sich nur noch selten zu aktuellen politischen Themen äußert. Es sei nun die Aufgabe aller Amerikaner, aber insbesondere auch der Sicherheitskräfte, gemeinsam einen neuen Normalzustand zu schaffen, in dem „das Erbe von Fanatismus und Ungleichbehandlung nicht mehr unsere Institutionen oder unsere Herzen vergiftet“.

Das Wort „Rassismus“ benutzte der Afroamerikaner Obama in seiner Stellungnahme nicht. Er verwandte aber den englischen Begriff „race“ (Rasse) sowie den Ausdruck „bigotry“ (Fanatismus), der in den Vereinigten Staaten häufig genutzt wird, um auf das Erbe des Rassismus hinzuweisen.

Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, hat unterdessen die jüngsten Tweets des amtierenden Präsidenten Donald Trump als „nicht hilfreich“ bezeichnet. Die Stadt Minneapolis tue alles in ihrer Macht stehende, die teils gewaltsamen Proteste unter Kontrolle zu bringen, sagte Walz am Freitag bei einer Pressekonferenz. „Im gegenwärtigen Moment, in so einer unberechenbaren Lage, ist alles, was wir tun, um weiteres Öl ins Feuer zu gießen, wirklich, wirklich eine große Herausforderung“, sagte Walz. Die Lage könne unter Kontrolle gebracht werden, ohne das Feuer weiter anzuheizen.

Die Staatsanwaltschaft kündigte am Freitag an, in Floyds Fall werde einer der an dem brutalen Einsatz beteiligten Polizisten wegen Mordes angeklagt. Der inzwischen aus dem Polizeidienst entlassene Verdächtige sei unter Mordverdacht festgenommen worden, sagte der Bezirksstaatsanwalt Mike Freeman am Freitag. Die Untersuchung der anderen drei an dem Einsatz beteiligten Polizisten dauere an.

Bei dem Angeklagten handelt es sich um den Polizisten, der sein Knie minutenlang an den Hals Floyds gedrückt hatte. Floyd hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor, wie ein Video festgehalten hatte. Der 46-Jährige wurde bei seiner Ankunft im Krankenhaus für tot erklärt. Die vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten wurden entlassen. Sie waren zunächst aber weder festgenommen noch angeklagt worden, was zu Protesten geführt hatte.

Quelle: okü./dpa/AFP
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