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Anwalt des Präsidenten

Wie gefährlich wird Cohen für Trump?

Von Frauke Steffens, New York
 - 07:37

Dino Sajudin war Doorman im Trump Tower – so viel ist sicher. Im Jahr 2015 soll er vom „National Enquirer“ 30.000 Dollar erhalten haben, damit er nicht über das sprach, was er angeblich wusste: dass Donald Trump vor dreißig Jahren Vater eines unehelichen Kindes geworden sei. Das ist nicht sicher – es ist eine Recherche, die das Magazin „New Yorker“ und andere für fortgeschritten genug hielten, um sie zu veröffentlichen. Die Information kam dabei nicht von Sajudin, sondern von Dritten – von Mitarbeitern des Verlages A.M.I., die mit Journalisten sprachen. Der „National Enquirer“ und der Verlag waren immerhin auch diejenigen, die das frühere Playboy-Model Karen McDougal fürs Nicht-Veröffentlichen ihrer Geschichte über eine Affäre mit Donald Trump bezahlt haben sollen. Bei den Durchsuchungen bei Trumps Anwalt Michael Cohen in der vergangenen Woche soll es wiederum auch um die Kommunikation zwischen Cohen, dem Verlag und dessen Chef David Pecker gegangen sein.

Michael Cohen ist einer von Donald Trumps engsten Vertrauten, und das seit über zehn Jahren. Wenn Trump etwas zu verbergen hätte, dann wüsste es wohl sein Anwalt. Und nun durchsuchte das FBI dessen Räume, nahm Datenträger und Papiere mit – und wohl auch Tonbandmitschnitte. Einige sehen den Präsidenten nun in akuter Gefahr. Im Magazin „New Yorker“ nannte Adam Davidson die Cohen-Ermittlungen gar das „Endstadium“ der Präsidentschaft: „Dies ist die Woche, in der wir mit wachsender Sicherheit wissen, dass wir in die letzte Phase der Trump-Präsidentschaft eintreten.“ Die Russland-Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller könnten Trump nicht so gefährlich werden wie nun die Ermittlungen gegen seinen Anwalt, schreibt Davidson. Schließlich sei es schwer zu beweisen, was Trump von möglichen Russland-Kontakten seines Teams im Wahlkampf gewusst habe. Doch bei Cohen könnten die Ermittler alles mögliche finden. Auch das konservative Magazin „National Review“ sieht Trump in „ernsten juristischen Schwierigkeiten“. Die Ermittler versuchten möglicherweise, eine konzertierte Aktion nachzuweisen, bei der mehrere Personen zum Schweigen gebracht werden sollten, und zwar durch erheblichen Druck – Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels, Karen McDougal und eventuell eben auch Doorman Dino Sajudin. Dass sie alle Geld annahmen, ändere nichts daran, dass sie vielleicht eingeschüchtert worden seien, schreibt der Autor.

Aber auch Trumps Geschäfte könnten nach der Durchsuchung bei Cohen weiter in den Fokus der Ermittler geraten. Manche Beobachter glauben, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft längst gezielt nach kriminellen Machenschaften der Trump Organisation sucht. Mehrere Trump-Biographen haben herausgearbeitet, dass Trump nicht nur mehrere Bankrotte zu verantworten hatte, sondern dass er im Laufe der Jahre immer wieder Geschäfte mit Leuten machte, die im eigenen Land Verfahren am Hals hatten. In Aserbaidschan etwa soll einer seiner Partner beim Bau eines Hotels Geldwäsche in großem Stil betrieben haben, in Georgien wird Trump mit einer Gruppe in Verbindung gebracht, gegen die in einem Riesen-Bankbetrugsfall ermittelt wurde und in Brasilien gibt es Ermittlungen wegen Projekten, an denen Trump beteiligt war. Trumps Taj Mahal Casino in Atlantic City schließlich wurde einst mit der damals höchsten Strafzahlung wegen Geldwäschevergehen belangt – ohne dass dessen direkte Beteiligung zweifelsfrei erwiesen wäre. Damals ging es vor allem darum, dass das Kasino verdächtige Geldbewegungen nicht meldete und so die Standards zur Geldwäsche-Bekämpfung verletzte.

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Affäre um Stormy Daniels
FBI durchsucht Büro von Trumps Anwalt

Das Geschäftsgebaren wird durchleuchtet

Trump soll aber auch direkte Verbindungen zum organisierten Verbrechen in New York gehabt haben – wie weit die gingen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Michael Cohen war stets zu Diensten, wenn es darum ging, Geschäfte mit zwielichtigen Figuren zu machen, meint Trump-Kritiker Adam Davidson im „New Yorker“. Trumps Gegner erinnern auch daran, dass der sich bis heute weigert, seine Steuererklärungen öffentlich zu machen. Seine Anhänger stören sich indessen nicht an seiner Vergangenheit, über die vieles vor der Wahl tatsächlich schon bekannt war.

Ob die Ermittlungen gegen Cohen wirklich so gefährlich werden, wie manche amerikanische Journalisten glauben, hängt davon ab, ob Trump direkt kriminelle Aktivitäten nachgewiesen werden und ob er dafür überhaupt belangt werden kann. Viele Juristen sind der Meinung, dass ein Präsident für bestimmte Vergehen gar nicht während seiner Amtszeit zur Verantwortung gezogen werden kann. Allerdings könnten das Justizministerium und der Kongress theoretisch ein Amtsenthebungsverfahren anstrengen, wenn Trump tatsächlich Straftaten zur Last gelegt werden. Fest steht, dass die Ermittlungen in New York von Washington aus nicht mehr zu stoppen sind – selbst, wenn Trump Robert Mueller loswerden und die gesamte Spitze des Justizministeriums austauschen könnte, gegen die dortige Staatsanwaltschaft kann er nichts unternehmen.

Auch wenn ihm möglicherweise nichts Kriminelles zur Last gelegt werden kann, so wird nun doch ein großer Teil von Trumps Geschäftsleben der vergangenen Jahre durchleuchtet. Seinem Ärger darüber hatte der Präsident in der vergangenen Woche Luft gemacht, als er die Durchsuchungen als „Einbruch“ bezeichnete. Am Montag nun wollten Trump und Cohen verhindern, dass die Staatsanwaltschaft in Manhattan sofort Zugriff auf den gesamten Dokumentenbestand bekommt, den das FBI in der vergangenen Woche sicherstellte. Die New Yorker Bundesrichterin Kimba M. Wood lehnte den entsprechenden Antrag ab. Sie erwäge allerdings, einen externen Sachverständigen zu berufen, der den Ermittlern bei der Bewertung der Dokumente helfen solle, verkündete sie. Damit wollte sie wohl dem Eindruck entgegen wirken, dass die Ermittlungen politisch voreingenommen seien.

Ein Problem für Hannity

In Woods Gerichtssaal stellte sich am Montag auch heraus, dass Trumps Anwalt einen weiteren prominenten Mandanten hat: Sean Hannity, der mit seiner eigenen Show bei Fox News nicht selten Lob vom Präsidenten einheimst. Erst vergangene Woche gab es Gratis-Werbung von Trump via Twitter: „Große Show bei Sean Hannity! 21 Uhr auf Fox News“, schrieb er. In der Sendung verglich Hannity dann die Clintons mit der Mafia – eine Retourkutsche für entsprechende Vergleiche von Trumps Gegnern nach der Razzia bei Anwalt Michael Cohen. Hannity ist seit Langem ein wichtiger Unterstützer des Präsidenten – er verteidigte ihn öffentlich, als der Kandidat im Wahlkampf wegen frauenfeindlicher Äußerungen kritisiert wurde und war auch schon zum Dinner im Weißen Haus eingeladen.

Hannity greift den Sonderermittler Robert Mueller und die Kritiker des Präsidenten regelmäßig wegen vermeintlicher Interessenkonflikte an. Dass er selbst Klient von Michael Cohen ist und gleichzeitig über ihn berichtete, verschwieg er. Die Anwälte von Cohen wollten Hannitys Identität zunächst geheim halten, aber Bundesrichterin Wood verlangte deren Offenlegung. Als mehrere Medien über die Enthüllung berichteten, sah man sich auch bei Fox News zu einer Reaktion gezwungen. Moderator Shepard Smith sagte: „Hannitys Producer arbeiten daran, ihn zu kontaktieren. Da es jetzt Teil der Story ist, werden wir darüber berichten, wenn wir den Rest wissen. Eine ganze Menge Leute hier haben seine Telefonnummer, also werden wir in einer Sekunde dazu kommen.“ Hannity twitterte, er sei nie offiziell Michael Cohens Klient gewesen und habe diesen auch niemals bezahlt. Später gab er dann zu, es sei „vor allem um Immobilien“ gegangen.

Anregung zu Spekulationen

Am Abend war Hannity schließlich live beim eigenen Sender zu sehen – und musste sich vom pensionierten Harvard-Professor Alan Dershowitz zurechtweisen lassen: „Sie hätten das melden müssen“, sagte Dershowitz, der ebenfalls Gehör beim Präsidenten findet und vor Kurzem mit diesem zusammengetroffen war, um ihn zu beraten. Bereits in der vergangenen Woche war öffentlich geworden, dass Michael Cohen auch Elliott Broidy vertreten hatte, einen stellvertretenden Schatzmeister der republikanischen Partei – ähnlich wie für Donald Trump soll Cohen auch für ihn wegen einer außerehelichen Affäre eine Schweigegeldzahlung an ein früheres Playboy-Model verhandelt haben.

Der Montag im Gerichtssaal zeigte, wie nervös Donald Trump und sein Anwalt sind. Dass der Präsident versuchte, im Eilverfahren den Zugriff auf zuvor vom FBI beschlagnahmte Dokumente zu blockieren, regt zu Spekulationen darüber an, was die Ermittler noch finden könnten. Schließlich nahm Cohen Medienberichten zufolge sogar Gespräche mit Klienten auf Band auf. Und er war über ein Jahrzehnt lang an Trumps Seite. Das Vertraulichkeitsverhältnis zwischen Anwalt und Klient, das Trump nun stets ins Felde führt, könnte ihn zwar zum Teil schützen. Nicht dort jedoch, wo es mutmaßlich am hilfreichsten wäre: wenn Anwalt und Klient kriminell werden oder der dringende Verdacht darauf besteht, dann bewahrt es nicht vor Strafverfolgung.

Quelle: FAZ.NET
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