Coronavirus in Amerika

Gerät die Impfkampagne schon ins Stocken?

Von Frauke Steffens, New York
24.04.2021
, 09:47
Coronavirus-Impfung in Amerika
In den Vereinigten Staaten stehen einzelne Bundesstaaten inzwischen gut da im Kampf gegen Covid-19. Doch die nationalen Infektionszahlen stiegen zuletzt wieder – und die Nachfrage nach der Impfung scheint bereits zu sinken.
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Webseiten, die man immer wieder neu laden muss, Termine, die verschwinden, wenn man sie gerade buchen will – online nach einem Impftermin gegen das Coronavirus zu suchen, kann zeitaufwändig und frustrierend sein. New York will das jetzt ändern und erlaubt von nun an Laufkundschaft in allen Impfzentren, die die Stadt betreibt. Das ist eine gute Nachricht – doch dahinter steht auch, dass die Nachfrage nach den Impfungen offenbar sinkt. Bislang hat etwa die Hälfte der New Yorker mindestens eine Dosis bekommen. Ähnlich sieht es bei allen Erwachsenen landesweit aus. Nun geht es darum, die andere Hälfte zu immunisieren. Ein Hindernis ist die schlechte Versorgung, etwa auf dem Land, doch auch die Weigerung vieler Menschen, sich impfen zu lassen, macht den Behörden zunehmend Sorgen. Dabei geht es vor allem um Jüngere – mehr als achtzig Prozent der Einwohner über 65 sind inzwischen geimpft.

Präsident Joe Biden hatte sich zunächst zum Ziel gesetzt, einhundert Millionen Impfdosen in seinen ersten hundert Tagen im Amt verteilen zu lassen – inzwischen wurden schon mehr als zweihundert Millionen Dosen verabreicht. Biden warnte am vergangenen Mittwoch davor, dass diese bislang erreichten Erfolge durch die Impf-Verweigerung vieler Menschen gefährdet werden könne. Arbeitgeber müssten ihre Angestellten bezahlt freistellen, damit die sich die immunisierende Spritze abholen könnten, forderte der Präsident. Inzwischen wurde auch die Pause für den Impfstoff von Johnson&Johnson wieder aufgehoben – weil sie nur eine Dosis benötigt, gilt diese Impfung als besonders günstig für Patienten in unsicheren Lebenslagen.

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Impfverweigerung als Haupthindernis für Herdenimmunität

Menschen, die in armen Nachbarschaften leben oder die den ganzen Tag arbeiten, wollen die Behörden mit mobilen Impfteams oder Impfungen ohne Termin gewinnen. Als Haupthindernis für das Erreichen der Herden-Immunität gilt aber inzwischen die bewusste Impfverweigerung. Ein Fünftel der Menschen in den Vereinigten Staaten gibt in Umfragen an, sich die Spritzen nicht geben lassen zu wollen. Hinzu kommen solche, die noch zögern.

Die Kaiser Family Foundation schätzt, dass es noch zwei bis vier Wochen dauern wird, bis alle, die die Impfung wollen, diese auch erhalten haben. Danach werde es darum gehen, die Impf-Verweigerer zu überzeugen. Man befinde sich bald an dem Punkt, wenn nicht mehr das Angebot das Problem sein werde, sondern die Nachfrage nach der Immunisierung, so die Wissenschaftler. Zwischen den Bundesstaaten gibt es zudem große Unterschiede: New Hampshire etwa hat schon 59 Prozent der Einwohner geimpft, Mississippi und Alabama aber nur um die 30 Prozent.

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Die größten Gruppen der Impfskeptiker sind Erhebungen zufolge weiße Konservative, sowie Afroamerikaner, die dem Gesundheitssystem aufgrund schlechter Erfahrungen häufig misstrauisch gegenüber stehen. Für deren Zurückhaltung wird immer wieder die Geschichte und Gegenwart des systemischen Rassismus im Gesundheitswesen angeführt. Fachleute weisen allerdings auch darauf hin, dass es vielerorts vor allem ein Problem mit der Versorgung gebe, das durch bessere Ansprache der Betroffenen gelöst werden könne. In Miami etwa, wo siebzehn Prozent der Einwohner schwarz sind, hatten sie bis Anfang des Jahres nur acht Prozent der Impfdosen erhalten. Der Jackson-Krankenhausverbund sprach deswegen afroamerikanische Studentenvereinigungen an und arbeitet mit siebzig Kirchengemeinden zusammen. So habe man den Anteil der schwarzen Impfpatienten in den Krankenhäusern seit Januar schon um fünf Prozent steigern können, berichtete die Zeitung „Miami Herald“ im Februar.

Laut der „Washington Post“ wird besonders der Widerstand weißer konservativer Impfgegner indessen eher größer. Die Zeitung zitierte Frank Luntz, einen Kommunikationsberater der republikanischen Partei, mit den Worten: „Je weiter wir mit dem Impfprozess kommen, desto leidenschaftlicher wird auch der Widerstand dagegen.“ Es sei besonders schwer, Menschen zu überzeugen, die sich nun schon so lange gegen die Immunisierung gewehrt hätten.

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Ansteckungszahlen steigen vielerorts

Die Zurückhaltung unterschiedlicher Gruppen beim Impfen bereitet den Behörden auch Sorgen, weil die Ansteckungszahlen vielerorts steigen. Seit dem Beginn der Impfkampagne gibt es zwar einen Rückgang der Todeszahlen. Doch die Zahl der Krankenhauseinweisungen stieg mit über 47.000 zuletzt wieder an und die durchschnittliche Menge der täglichen Neuansteckungen lag mit 71.000 Mitte April wieder so hoch wie zuletzt im Februar. Fachleute sprachen schon von einer Frühjahrs-Welle. Der Trend sieht in manchen Bundesstaaten inzwischen gut aus, es gibt aber nach wie vor Hotspots, die sich in einer um so schwereren Krise befinden.

So liegt die durchschnittliche Rate der positiven Testergebnisse im Bundesstaat New York inzwischen bei 2,57. Doch 33 Staaten meldeten in den vergangenen zwei Wochen steigende Infektionszahlen. Das regionale Zentrum der Pandemie ist inzwischen der Mittlere Westen. Aus Bundesstaaten wie Michigan kommen schlechte Nachrichten: dort stieg die Zahl der Kinder, die mit Covid im Krankenhaus landen, um über 300 Prozent, auch die Todeszahlen stiegen zuletzt wieder an. Zwei Dutzend Kliniken meldeten in dem Bundesstaat, dass sie zu neunzig Prozent ausgelastet seien.

Quelle: FAZ.NET
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