Gedenkfeier für George Floyd

Houston im Ausnahmezustand

Von Majid Sattar, Washington
08.06.2020
, 13:39
Appelliert an Friedfertigkeit: Houstons Bürgermeister Sylvester Turner
Sylvester Turner, der Bürgermeister von Houston, organisiert die Gedenkfeier für George Floyd an diesem Montag in Houston. Beide wuchsen in der Stadt auf. Auch hier gab es strittige Polizeieinsätze, die derzeit untersucht werden.

Die Bürgermeister Amerikas sind dieser Tage gefordert wie selten. Die Unruhen in vielen Städten stellen insbesondere für die afroamerikanischen Stadtoberhäupter eine Herausforderung dar. In Washington, Chicago, Atlanta und in Houston bringen sie ihre innere Zerrissenheit zum Ausdruck. Sylvester Turner, der Bürgermeister der größten Stadt von Texas und viertgrößten Stadt Amerikas, appellierte dieser Tage eindringlich an seine Bürger, ihre Frustration und ihren Ärger über die Polizeigewalt gegen Schwarze zum Ausdruck zu bringen, aber friedlich zu bleiben.

Nun befindet sich Houston im Ausnahmezustand: An diesem Montag wird es dort in der „Fountain of Praise“-Kirche eine Gedenkfeier für George Floyd geben, den Afroamerikaner, der vor zwei Wochen bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet wurde. Floyd wuchs in Houston auf. Das Gedenken wird als Public Viewing übertragen – Turner hat sowohl für die Sicherheit der Großveranstaltung zu sorgen als auch dafür, dass die Social-Distancing-Richtlinien (einigermaßen) eingehalten werden. Die Beisetzung wird dann am Dienstag im kleinen Kreise am selben Ort stattfinden. Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, will noch am Montag in Houston mit Hinterbliebenen von Floyd zusammentreffen.

Vorschläge für eine Polizeireform

Turner ist ein Kind Houstons. Er wurde 1954 in der Stadt am Golf von Mexiko als sechstes von neun Kindern geboren. Sein Vater arbeitete in einem Malereibetrieb, seine Mutter war Reinigungskraft in einem Hotel. Turner schaffte den Aufstieg: Er war Schulsprecher und studierte nach dem Abitur zunächst Politikwissenschaft in seiner Heimatstadt. In Harvard folgte ein Studium der Rechtswissenschaft. Während er als Anwalt arbeitete, begann er, sich kommunalpolitisch für die Demokraten zu engagieren. 25 Jahre vertrat er einen Bezirk der Stadt im Repräsentantenhaus von Texas. 2015 gewann er die Bürgermeisterwahl.

Turner hat dieser Tage eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge für eine Polizeireform unterbreiten soll. Ziel sei es, Transparenz zu gewährleisten und neue Einsatzregeln zu erarbeiten. In Minneapolis waren infolge der Tötung Floyds bereits Würgegriffe verboten worden. Auch in Houston gab es zuletzt strittige Polizeieinsätze, die derzeit untersucht werden. Sechs Personen sind kürzlich bei Schusswaffeneinsätzen getötet worden. Polizei und Justiz warnen vor Vorverurteilungen. Der Landkreis Harris County, zu dem Houston zählt, sei ethnisch der vielfältigste im ganzen Land – und die Polizei von Houston spiegele diese Diversität wider. Das gelte auch für die Geschworenengerichte. „Die Bürger unserer Städte verlangen, dass wir Bürgermeister zuhören.“ Genau deshalb habe er die Reformkommission eingesetzt, sagte Turner.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sattar, Majid (sat.)
Majid Sattar
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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