FAZ plus ArtikelNach Trump

Wer Biden zuhört

EIN KOMMENTAR Von Andreas Ross
21.01.2021
, 14:08
Wer befreit die moderate Rechte in Amerika aus dem Griff der Extremisten? Dem demokratischen Präsidenten allein kann das nicht gelingen. Aber eine bessere Gelegenheit als jetzt wird es so bald nicht geben.

Joe Biden hat Amerikas Einheit beschworen. Der Präsident hat nach seiner Vereidigung gefordert, Meinungsverschiedenheiten nicht in „totalen Krieg“ münden zu lassen. Er hat die zersetzende Wirkung von Lügen beklagt und eine „hässliche Wirklichkeit“ benannt: dass „Rassismus, Nativismus, Angst und Dämonisierung“ die Amerikaner schon sehr lange entzweien – länger, als das vielen Weißen bewusst ist. Biden hat auf den Irrsinn hingewiesen, dass sich die Weltmacht in der Corona-Krise durch Zank lähmt. Vor dem Kapitol, wo sich Donald Trumps Dauerangriff auf die Demokratie in Gewalt entladen hatte, kam der Nachfolger nicht um eine noch finsterere Feststellung herum: Politischer Extremismus, der Glaube an eine Überlegenheit der Weißen, ja der einheimische Terrorismus sind im Aufwind.

Niemand, der die vergangenen Jahre bei Sinnen erlebt hat, könnte Biden widersprechen. Auch die allermeisten der gut 74 Millionen Trump-Wähler lehnen Lügen, Rassismus und Terrorismus ab. Trotzdem darf Biden nicht hoffen, dass sie nickend vor ihren Fernsehern gesessen hätten. Denn wenn ein Politiker der Demokraten „politischen Extremismus“ oder „fabrizierte Fakten“ beklagt, dann klingt das in den Ohren von Abermillionen Konservativen wie der x-te Versuch des urbanen „Mainstreams“, sie mundtot zu machen, ihre Lebensart herabzuwürdigen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ross, Andreas
Andreas Ross
Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.
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