FAZ plus ArtikelDas Ende von @realDonaldTrump

Zu spät verstoßen – dann zu früh

EIN KOMMENTAR Von Constantin van Lijnden
10.01.2021
, 10:16
Der Dienst hat zu oft beide Augen zugedrückt, als der Präsident Lügen und Hass verbreitete. Nun aber hatte er es zu eilig, das Versäumte nachzuholen. Das dürfte sich rächen.

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Twitter ist beides gelungen, als es den abgewählten amerikanischen Präsidenten nun ausschloss. Der Kurznachrichtendienst hatte Donald Trump jahrelang Hass, Hetze und kaum verhohlene Aufrufe zur Gewalt in die Welt hinausblasen lassen – und stieß ihn ausgerechnet dann von seinem Podest, als er ausnahmsweise eine geordnete Amtsübergabe zusagte und einen harmloseren Ton anschlug.

Trump hat Twitter genutzt, um das Coronavirus zu verharmlosen, den Klimawandel zu leugnen, die Inhaftierung politischer Rivalen zu fordern, seine Kritiker als dumm, hässlich und erfolglos zu beleidigen, die freie Presse als Volksfeinde zu titulieren, das Militär und die Justiz zu verunglimpfen, Polizeigewalt anzufeuern, Verschwörungstheorien zu verbreiten, Autokraten zu beglückwünschen, „vielleicht unverhältnismäßge“ Militärschläge anzudrohen und immer wieder tausendfach widerlegte Lügen über einen angeblichen Wahlbetrug der Demokraten zu verbreiten. Nach den Maßstäben, die Twitter an normale Nutzer anlegt, wäre jeder zweite seiner Tweets geeignet gewesen, eine Sperre zu begründen.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Baron van Lijnden, Constantin
Constantin van Lijnden
Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.
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