FAZ plus ArtikelTrumps Ende

Schock und Schande

EIN KOMMENTAR Von Berthold Kohler
07.01.2021
, 19:10
Trump hinterlässt im In- und Ausland verbrannte Erde. Auf seinen Nachfolger Biden warten Herkulesaufgaben. Und auch die Europäer müssen sich wappnen.

„Shock and awe“, Schock und Furcht, wollte Amerika einst in den Reihen seiner Feinde verbreiten. Donald Trump ist es in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft gelungen, derartige Gefühle auch bei den Freunden seines Landes auszulösen, noch über das schon existierende Maß hinaus. Von einem Mob gestürmt wurde nicht, wie man angesichts der Bilder hätte annehmen können, das Scheinparlament einer Bananenrepublik, sondern das „Herz“ der amerikanischen Demokratie – jener Demokratie, die vielen anderen Staaten, auch Nachkriegsdeutschland, ein Vorbild war. Sie versteht sich als Leuchtturm der Freiheit. Am Mittwoch aber loderte auf dem Capitol Hill das Feuer der Verblendung, der Verführbarkeit und des Führerkults.

Das Unvermögen der sonst so resoluten Sicherheitsbehörden, den Kongress vor einem Mob zu beschützen, den Trump schon vier Jahre lang aufhetzte, unterstreicht zum Ende von dessen Amtszeit noch einmal, wie schwer sich das politische System Amerikas damit tat und tut, einen skrupellosen, narzisstischen Populisten in die Schranken zu weisen. Die einst stolze Republikanische Partei unterwarf sich aus machtpolitischen Gründen bis zuletzt einem für das Präsidentenamt charakterlich wie fachlich ungeeigneten Egomanen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
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