FAZ plus ArtikelUnruhen in Minneapolis

Am „Ground Zero“ der Proteste

Von Majid Sattar, Minneapolis
30.05.2020
, 17:50
Ein triumphierender Demonstrant vor einem brennenden Haus in Minneapolis in der Nacht auf Samstag
Der Tod eines Afroamerikaners entfacht schwere Ausschreitungen in ganz Amerika. Auch viele Weiße klagen über den Rassismus der Polizei. In Minneapolis rücken im Morgengrauen Soldaten ein.

Nach dem Krawall kommt das Psychospiel: Wer zuckt zuerst? Unter einer Brücke an der Lake Street in Minneapolis haben sich Soldaten der Nationalgarde postiert. Hinter ihnen versperren Fahrzeuge den Weg: Militärtransporter, Laster und gepanzerte Humvees. Auch knapp 100 Demonstranten stehen unter der Brücke, sehr dicht an der geschlossenen Reihe der Nationalgardisten. Die neue Grenze markiert die Geländegewinne der Soldaten. Am Freitagmorgen haben sie die Gegend um das dritte Polizeirevier zurückerobert. Einige Stunden war das Gebiet in den Händen der Demonstranten gewesen. Jetzt soll wieder Ordnung einkehren.

Am Freitagnachmittag ist nur noch der harte Kern der Demonstranten übrig. So sieht es jedenfalls im Süden der Stadt aus. Provokation ist Teil des Spiels. Immer wieder tritt einer aus der Gruppe hervor und beginnt zu deklamieren. Es sind keine großen Reden, die hier gehalten werden. Eher Tiraden. Der Afroamerikaner, der die Rolle des Wortführers übernommen hat, spricht in Satzfetzen, wobei kaum einer ohne das F-Wort auskommt: „America, what the fuck is wrong with you?“, Amerika, was zur Hölle stimmt mit dir nicht? Die Soldaten hören die Ansprache mit einem Pokerface. Sie sind hier, um die Gegend zu sichern. Auf Debatten lassen sie sich nicht ein. Nach 20 Minuten gibt der Mann frustriert auf und zieht weiter.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Sattar, Majid (sat.)
Majid Sattar
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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