Vor Italiens Küste

Die grausame Taktik der Geisterschiff-Kapitäne

02.01.2015
, 11:18
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Marode Frachter ohne Besatzung, und überladen mit hunderten Flüchtlingen, treiben seit Tagen auf die italienische Adriaküste zu. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex sieht durch die „Geisterschiffe“ eine weitere Eskalationsstufe in dem Geschäft der skrupellosen Schleuserbanden.
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Mit „Geisterschiffen“ im Mittelmeer, die ohne Besatzung und vollgepfercht mit Flüchtlingen ihrem Schicksal überlassen werden, zeigen Schleuserbanden nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex „einen neuen Grad der Grausamkeit“. „Das ist eine neue Erscheinung dieses Winters“, sagte Frontex-Pressesprecherin Ewa Moncure am Freitag in Warschau.

Schon immer seien die internationalen Schleuserbanden rücksichtslos und menschenverachtend gewesen und hätten den Tod von Flüchtlingen auf Booten von Afrika nach Europa auf sich genommen. „Wenn ein nicht seetüchtiges Schiff, das völlig überladen ist, in Seenot gerät, haben die im Lagerraum eingeschlossenen Menschen keine Chance.“

„Das ist ein Multimillionengeschäft“, sagte Moncure über den Schmuggel von Flüchtlingen, die auf eine bessere Zukunft in Europa hoffen. „Aus jedem dieser Flüchtlinge werden mehrere tausend Euro oder Dollar für den Transport auf See gepresst. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie viel bei einem Schiff mit mehreren hundert Menschen zusammenkommt.“ Für die Schmuggler lohne sich daher die Rechnung, wenn ein ohnehin bereits ausgemustertes Schiff ohne Crew und Treibstoff auf dem Meer zurückgelassen werde.

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Italienische Küstenwache rettet Frachter mit Flüchtlingen

Die italienische Küstenwache hat unterdessen einen Frachter mit Hunderten Flüchtlingen vor der Mittelmeerküste unter Kontrolle gebracht. Ein Helikopter brachte mehrere Rettungskräfte an Bord, die das von der Besatzung verlassene Schiff übernahmen, wie die Küstenwache am Freitagmorgen mitteilte. Die unter der Flagge Sierra Leones fahrende „Ezadeen“ sollte danach in den Hafen der kalabrischen Küstenstadt Crotone geschleppt werden.

Flüchtlinge aus Syrien verlassen am 9. Dezember 2014 im Hafen der süditalienischen Stadt Crotone den von der Küstenwacht aufgebrachten kongolesischen Frachter „Sandy“.
Flüchtlinge aus Syrien verlassen am 9. Dezember 2014 im Hafen der süditalienischen Stadt Crotone den von der Küstenwacht aufgebrachten kongolesischen Frachter „Sandy“. Bild: AFP

Laut Nachrichtenagentur Ansa sollte ein isländisches Schiff der EU-Grenzschutzmission „Triton“ das Schiff abschleppen. Auch mehrere Ärzte wurden an Bord des 1966 gebauten Frachters gebracht, um den Migranten zu helfen. Eigentlich sollte der normalerweise für Viehtransporte vorgesehenen Frachter den französischen Mittelmeerhafen Sète ansteuern.

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Der Frachter mit 450 Flüchtlingen an Bord war nach Angaben der Küstenwache ohne Besatzung auf die italienische Küste zugetrieben. Daraufhin war am Donnerstagabend der Rettungseinsatz gestartet worden, Italiens Luftwaffe schickte einen Helikopter. Die Ansa berichtete, dem Schiff sei der Sprit ausgegangen. Den Flüchtlingen sei es daraufhin gelungen, einen Notruf abzusetzen.

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Erst in der Nacht zum Mittwoch waren fast 800 Bootsflüchtlinge auf einem führerlosem Frachter vor Süditalien nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das Schiff „Blue Sky M“ mit 768 Migranten an Bord war in auf die Küste der Region Apulien zugesteuert, konnte jedoch von der Küstenwache unter Kontrolle gebracht werden.

Quelle: dpa
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