Bericht der „New York Times“

Hat Trump nur 750 Dollar Einkommensteuer gezahlt?

Aktualisiert am 28.09.2020
 - 03:23
Trump gibt vergangenen Sonntag eine Pressekonferenz im Weißen Haus.
Die Steuererklärungen, die Donald Trump lange verheimlicht hat, liegen nun offenbar der „New York Times“ vor. Demnach hat er auch als Präsident kaum Bundes-Einkommensteuer gezahlt – und weiter Geld im Ausland verdient.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat einem Bericht der „New York Times“ zufolge in zehn der vergangenen 15 Jahre keine Einkommensteuer auf Bundesebene gezahlt. Das berichtete die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf Steuererklärungen aus zwei Jahrzehnten, auf die sie Zugriff erlangt haben will. Trump nannte den Bericht bei einer Pressekonferenz „fake news“. Trump ist der einzige Präsident der modernen Zeit, der seine Steuererklärungen nicht offengelegt hat. Dem Bericht nach zahlte er 2016 nur 750 Dollar Bundessteuern – in dem Jahr, in dem er gewählt wurde. In seinem ersten Jahr im Amt zahlte er laut dem Bericht abermals nur 750 Dollar.

Ein Anwalt der Trump Organization, Alan Garten, sagte der „New York Times“, „die meisten, wenn nicht alle Fakten, scheinen ungenau zu sein“. Der Präsident „hat Millionen Dollar an persönlichen Steuern an die Bundesregierung gezahlt, darunter Millionen persönlicher Steuern, seitdem er 2015 seine Kandidatur angekündigt hat“.

Der Bericht kommt zu einer kritischen Zeit: Am Dienstag findet die erste Debatte zwischen dem Republikaner Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden statt, am 3. November ist die Präsidentschaftswahl.

Trump reagiert auf Bericht

In einer Pressekonferenz am Sonntag sagte Trump: „Ich habe eine Menge bezahlt, ich habe auch eine Menge an Steuern an den Bundesstaat bezahlt, der Bundesstaat New York verlangt viel.“ Er versprach außerdem, dass die Informationen über seine Steuern veröffentlicht würden, wenn eine seit Jahren laufende Buchprüfung der Steuerbehörde IRS abgeschlossen sei. Während des Wahlkampfs 2016 hatte er ähnliche Versprechen gemacht und sie nicht eingehalten.

Tatsächlich ging Trump sogar gerichtlich gegen die Veröffentlichung vor. Unter anderem das Repräsentantenhaus hatte im Rahmen der Aufsicht des Kongresses auf Herausgabe der Unterlagen geklagt.

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Die Details seiner Steuereinreichungen stimmen nicht mit Trumps Beschreibung von sich selbst als scharfsinnigem und patriotischem Geschäftsmann überein. Stattdessen zeigen sie eine Reihe finanzieller Verluste und Einkommen aus dem Ausland, die mit seinem Amt als Präsident in Konflikt stehen könnten. Die Offenlegung seiner Finanzen zeigte an, dass Trump 2018 mindestens 434,9 Millionen Dollar verdient hat, die Steuerunterlagen zeigen jedoch einen Verlust von 47,4 Millionen Dollar an.

Geschäfte im Ausland als Präsident

Während seiner ersten zwei Jahre als Präsident erhielt Trump aus Geschäften im Ausland 73 Millionen Dollar. Dazu gehören Golfplätze in Schottland und Irland sowie Geschäfte auf den Philippinen, in Indien und der Türkei. 2017 zahlte Trump 145.400 Dollar Steuern in Indien und 156.824 Dollar auf den Philippinen. Investitionskredite für Unternehmen erlaubten es der „New York Times“ zufolge, Trumps Einkommen für 2016 und 2017 zu reduzieren, nachdem er für die Abgabe seiner Steuererklärung eine Fristverlängerung bekommen hatte.

Er fand demnach zahlreiche Wege, seine Steuerschuld zu mindern. Persönliche Ausgaben für Unterkunft und Flugzeuge wurden von der Steuer abgesetzt, darunter auch 70.000 Dollar für Haarpflege. Verluste bei Immobilien, die ihm alleine gehören, scheinen seine Gewinne aus der TV-Show „The Apprentice“ und von anderen Immobilien mit mehreren Besitzern ausgeglichen zu haben.

Quelle: AP/dpa
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