FAZ plus ArtikelHessen-Wahlen

Wer lebt schon von Trotz allein?

Von Peter Carstens und Alexander Haneke, Berlin und München
15.10.2018
, 20:38
Wiederholte Niederlage für die SPD: Parteivorsitzende Andrea Nahles bei den bayerischen Landtagswahlen im Willy-Brandt-Haus.
Die SPD hatte bei den Landtagswahlen in Bayern mit einem schlechten Ergebnis gerechnet – haben die Sozialdemokraten nun einen Plan, wie es in Hessen besser werden kann?
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Die Sozialdemokraten reagierten am Montag auf die neuerliche und demütigende Niederlage, indem sie äußerlich kaum reagierten. Kurz nach elf Uhr traten Andrea Nahles und Natascha Kohnen auf eine kleine Bühne im Innenhof des Willy-Brandt-Hauses. Früher stand diese Bühne immer rechts von einer Bronzefigur, die den besorgt blickenden, aber doch behutsam nach vorne weisenden ersten SPD-Kanzler Brandt zeigt. Das Bildnis des Hausheiligen hatte den Journalisten zuletzt aber immer öfter dazu gedient, die besorgniserregende Situation der Partei zu symbolisieren. Und außerdem wirkte Brandt so überlebensgroß und seine Nachfolgenden so klein. Nahles kommt auch nicht mehr mit dem gläsernen Vorstandsaufzug abwärts gefahren, denn auch diese Fahrt passte den Kameraleuten zu oft zu gut ins Bild-Konzept. Also Auftritt aus irgendeinem unbestimmten Hintergrund.

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Vor den Mikrofonen spulten Nahles und Kohnen kurze Erklärungen ab. Die wandten sich mit taktischen Erwägungen fast ausschließlich an das Parteiinnere. So dankte Nahles der Wahlverliererin für deren unermüdlichen Einsatz, die bayerische Politikerin hob hervor, ihr Landesverband habe „geschlossen wie nie“ gekämpft. Die Parteivorsitzende stäubte ein wenig Asche aufs eigene Haupt, das „schlechte Bild“ der Bundesregierung sei „Teil des Problems“ für die Bayern-SPD gewesen. Allerdings meinte sie eigentlich gar nicht sich selbst, sondern die streitende Union, von der sich die SPD nicht habe genug absetzen können. Im Grunde, so der Hintersinn dieser Äußerungen, war Horst Seehofer am Wahlergebnis der Bayern-SPD schuld. Konsequenterweise forderte Kohnen denn auch Seehofers Abtritt oder Rücktritt.

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Quelle: F.A.Z.
Peter Carstens - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Carstens
Politischer Korrespondent in Berlin
Autorenporträt / Haneke, Alexander
Alexander Haneke
Redakteur in der Politik.
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