FAZ plus ArtikelAnalyse zur Wahl in Bayern

Flucht vor der SPD

Von Heike Göbel
16.10.2018
, 07:08
Ein Wahl-Wunder in Hessen scheint unwahrscheinlich: SPD-Spitzenmann Thorsten Schäfer-Gümbel.
Trotz hoher Wahlbeteiligung ist es der SPD in Bayern nicht gelungen, ehemalige Nichtwähler wieder anzusprechen. Die Sozialdemokraten halten ein Klientel für entbehrlich, das ihr zu alter Stärke verhelfen könnte.
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Bayerns Wähler haben die CSU abgestraft, die SPD aber haben sie fast vernichtet. Schlechter haben die Sozialdemokraten noch nie irgendwo abgeschnitten. Mit 9,7 Prozent haben sie das schon magere Ergebnis vor fünf Jahren nochmal mehr als halbiert; fünfter Platz, hinter der AfD. Hauptsache raus aus der SPD schien das Motto ihrer Wähler, die quer durchs Land in alle politischen Richtungen geflüchtet sind, bevorzugt zu den Grünen, aber auch nach rechts zur CSU und AfD. Anders als der Konkurrenz und trotz hoher Wahlbeteiligung ist es der SPD auch nicht gelungen, ehemalige Nichtwähler anzuziehen.

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Vorerst klammern sich die Sozialdemokraten an die Hoffnung, ein überzeugendes Ergebnis bei der Wahl im einst roten Stammland Hessen werde das Bayern-Debakel in vierzehn Tagen abmildern. Das zwingt zur Geschlossenheit. Schuldzuweisungen richtet man fast ausschließlich an den zerstrittenen Koalitionspartner in Berlin. Die Selbstbeschäftigung und der mangelnde „Stil“ der Union hätten die gute Arbeit und die Themen der SPD überlagert, lautet die bequeme Ausrede. Sie trägt nicht weit. Schon das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl hatte die SPD in die Sinnkrise gestürzt. Die Parteilinke fühlt sich nun in ihrer Warnung bestätigt, noch einmal das eigene Profil in einer große Koalition im Bund zu riskieren.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Göbel, Heike
Heike Göbel
Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.
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