FAZ plus ArtikelBayern-Wahl

Wie gewonnen, so zerredet

Von Jürgen Kaube
16.10.2018
, 09:57
Von Bayern kann man sich seit Sonntag ein neues Bild machen, die Unterlagen sind beisammen.
Die Verlierer machen es auch nicht besser: Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl offenbart einen messbaren Wähler-Überdruss an Schicksalsfragen.
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Wie lässt sich feststellen, wer eine Wahl gewonnen hat? Kinderfrage, mag entgegnet werden, man schaut einfach auf die Zahlen, die Prozente. Aber ein wenig ist es hier wie beim Videobeweis im Profifußball: Das Hinzuziehen von Tatsachen führt nicht unbedingt zu geringeren Deutungsspielräumen.

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Denn beispielsweise könnte man ja sagen, die Partei mit den größten absoluten Zuwächsen hat gewonnen. Dann wäre in Bayern die dort erstmals bei Landtagswahlen angetretene AfD die Siegerin. Doch wenn der Eindruck nicht täuscht, so hatten sich Gaulands Leute dort mehr als zehn Prozent erhofft. Zehn Prozent sind ja tatsächlich nur viel für eine Partei, die Rechtsextreme, Verschwörungstheoretiker und erklärte Antisemiten in ihren Reihen duldet. Aber es sind nicht sehr viel für eine Partei, die beansprucht, das globalisierungsentfremdete Volk (bürgerliche Mittelschicht plus einfache Menschen minus lokal ungebundenem Establishment) zu vertreten. Dieses heimatverbundene Volk stellt man sich gerade in Bayern größer als zehn Prozent vor. Nicht einmal die dort erreichten 12,4 Prozent der letzten Bundestagswahl, die man ausdrücklich überbieten wollte, wurden es. Ein „grandioser Erfolg“ (Jörg Meuthen), der hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt? Ist das eine Selbstbeschreibung von Siegern?

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