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FAZ plus ArtikelBritische Parlamentswahl

Auf Boris!

Von Jochen Buchsteiner
 - 11:34
Anders als bei der Brexit-Kampagne kann Boris Johnson beim Bierzapfen niemandem ein X für ein U vormachen. zur Bildergalerie

Die Städte und Siedlungen westlich von Birmingham fügen sich zu einem losen, suburbanen Flickenteppich, den jemand freudlos zusammengenäht haben muss. Viel zu breite Schnellstraßen führen an geduckten Reihenhäuschen vorbei, und stände da nicht gelegentlich ein Schild, würde der Besucher gar nicht bemerken, dass er einen Ort verlassen und den nächsten erreicht hat. Die Menschen nennen ihre Heimat „Black Country“, Schwarzes Land, denn früher haben hier die Industrien den Himmel verrußt, und nicht nur den. Spätestens seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lebten die Menschen in diesem Teil der West Midlands überwiegend von Erinnerungen und auch ein bisschen vom Hass. Margaret Thatcher und die De-Industrialisierungspolitik der Tories hätten ihr Leben zerstört, hieß es allerorten. Jetzt greifen Thatchers Erben wieder an. Es ist vor allem das Schwarze Land, in dem die Konservativen an diesem Donnerstag die Wahl gewinnen wollen.

Der moderne Konservative ist hier kein Außerirdischer mehr; er passt in die Landschaft. Nehmen wir Eddie Hughes. Fast zwanzig Jahre lang saß er im Stadtrat von Walsall. Nur ein paar Orte entfernt wuchs er auf; der Vater war Busfahrer, die Mutter Putzfrau. Erst an der Universität sagte ihm einer, dass er mit seinem Denken womöglich besser bei den Konservativen aufgehoben sei als bei der Labour Party. Der Professor hatte recht, und mehr als das: Hughes kam an. „Die Leute mögen es, wenn man so aussieht wie sie, und auch so spricht“, sagt er im ortsüblichen Dialekt. Vor zweieinhalb Jahren gelang ihm der Durchbruch. Hughes gewann gegen den Labour-Abgeordneten und zog als erster Konservativer seit 1976 für Walsall North ins Unterhaus. Kein Tory vertrete einen ärmeren Wahlkreis, sagt er stolz.

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Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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