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Christian Lindner

Der Rückkehrer

Von Reiner Burger
 - 14:52

Schnell ging es im Leben des designierten FDP-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bisher immer zu. Mit 18 machte sich der am 7. Januar 1979 in Wuppertal geborene Lindner als Unternehmensberater selbständig. Auch einen ersten größeren Misserfolg musste Lindner in einem Alter verkraften, in dem andere erst mit dem Studium beginnen: 2001 meldete sein früheres Internet-Unternehmen Insolvenz an. Lindner ist freilich nicht der Typ, der sich von so etwas beeindrucken lässt. Er hängt der urliberalen, in Deutschland allerdings nicht sonderlich verbreiteten Überzeugung an, dass jeder gerade nach einer Pleite eine zweite Chance verdient.

Lindner suchte sein Glück fortan in der Politik. Möglich war ihm das, weil der FDP im Mai 2000 unter dem damaligen Landesvorsitzenden Jürgen W. Möllemann die Rückkehr in den nordrhein-westfälischen Landtag gelungen war. Lindner, gerade 21 Jahre alt, zog als jüngster Abgeordneter in der Landesgeschichte ins Parlament ein. Nun will der 33 Jahre alte Lindner mit aller Kraft dafür kämpfen, dass die FDP bei der Landtagswahl im Mai nicht wie schon zweimal in der Geschichte Nordrhein-Westfalens zur außerparlamentarischen Opposition herabsinkt. Die Ausgangslage ist denkbar schlecht - zwischen zwei bis drei Prozent sehen Demoskopen die Freien Demokraten derzeit. Gerade deshalb aber glauben nicht wenige, nur noch Lindner könne der Partei noch helfen.

Scharfzüngiges „Bambi“

Große (Heils-)Erwartungen sind mit Lindner, der schnelle Autos und große Armbanduhren mag, stets verbunden worden. Im Düsseldorfer Landtag galt er bald als eines der größten politischen Talente. „Bambi“, wie der unvergleichliche Möllemann ihn getauft hatte, fiel mit scharfzüngigen Reden auf. 2004, also mit 25 Jahren wurde Lindner Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP. Im Sog des FDP-Erfolgs bei der Bundestagswahl 2009 wurde der eben erst in den Bundestag gewählte immer noch sehr junge Mann schließlich zum Generalsekretär des damaligen Bundesvorsitzenden Westerwelle. Spätestens damals verdichtete sich der Eindruck, der eigene Erfolg beginne Lindner zu überholen.

Als er im vergangenen Dezember unter noch immer nicht ganz geklärten Umständen von diesem Amt zurücktrat, schien sich für ihn eine bisher nie gekannte Perspektive zu eröffnen: Lindner, der von 1999 bis 2006 in Bonn Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie studiert hat, schien die Chance zu bekommen, seine persönliche Schlagzahl zu verringern, wieder mehr Zeit zum Lesen und zum Schreiben (auch einer Dissertation) zu haben.

Politisch wollte Lindner, der mittlerweile mit einer Journalistin verheiratet ist, sich zunächst auf das Abgeordnetendasein und das Beackern der Parteibasis konzentrieren um dann zum freilich längst angekündigten Comeback anzutreten. In Bälde wollte Lindner den Vorsitz des größten deutschen FDP-Bezirks (Köln) übernehmen. Nun soll es stattdessen der wichtigste Landesverband seiner um ihre Existenz ringende Partei sein.

Quelle: F.A.Z.
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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