NRW-Grüne Mona Neubaur

„Offen, transparent und auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizieren“

Von Reiner Burger und Oliver Georgi
16.05.2022
, 10:06
Mona Neubaur bei der Wahlparty am Sonntagabend in Düsseldorf
Nach der Wahl in NRW liegt es an den Grünen, wer die nächste Regierung führt. Die Landespartei tickt eher links, doch Spitzenkandidatin Mona Neubaur wird eine Neigung zu Schwarz-Grün nachgesagt. Was tut sie nun? Ein Interview.
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Frau Neubaur, mit wem können Sie besser, mit Hendrik Wüst oder Thomas Kutschaty?

Ums besser miteinander können geht's gerade nicht, aber beide sind ganz sympathische Typen.

Viele sagen Ihnen persönlich eine Präferenz für ein schwarz-grünes Bündnis mit der CDU nach. Zu Recht?

Ich habe als Spitzenkandidatin einen Wahlkampf geführt, der davon geprägt war zu sagen: Wer grün will, muss grün wählen. Einen Wahlkampf, der anerkennt, dass wir hier in NRW eine relevante politische Kraft sind. Dafür wurden wir mit einem riesigen Vertrauensvorschuss gewählt. Jetzt wird es darum gehen, aus dem, was wir im Wahlkampf eigenständig vertreten haben, das Maximale herauszuholen. Es muss deutlich eine grüne Handschrift erkennbar werden.

Es liegt aber zumindest nahe, dass die beiden Wahlgewinner CDU und Grünen zuerst miteinander Gespräche aufnehmen und auf eine Koalition zusteuern.

Der Ball liegt jetzt bei Hendrik Wüst. Er hat ja schon angekündigt, dass er zu Gesprächen einladen wird. Wenn er uns einlädt, nehmen wir die Einladung gern an.

Sehen Sie noch eine Chance für eine Ampel-Koalition?

In einer Ampel-Koalition sind demokratische Parteien vertreten. Deshalb wäre sie natürlich eine Möglichkeit.

Für Ihre Partei wäre sie vor allem durchaus komfortabel: Zwei gerupfte Partner würden sich den starken Grünen gegenüber sehen.

Auch da liegt die Entscheidung darüber, ob sie Gespräche führen wollen, erst einmal bei den anderen Parteien. Es steht mir keine Bewertung zu, was SPD und FDP jetzt machen. Wir sind klar: Wenn wir zu Gesprächen eingeladen werden, werden wir die Einladung annehmen. Wir haben im Wahlkampf gesagt, dass wir als eigenständige und selbstbewusste Grüne mit allen demokratischen Parteien sprechen. Dieses Versprechen halten wir auch nach der Wahl.

Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2022

Ihrer eher linken Parteibasis in NRW wäre eine Ampel nicht doch lieber als Schwarz-Grün?

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Wir haben im Vorfeld keine Urabstimmung durchgeführt. Ich kann einfach sagen: Wir sind in Nordrhein-Westfalen mit 16 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern auf dem Land und mit drei Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern in unterschiedlichen Farbkonstellationen in Verantwortung. Und immer ist eine klare grüne Handschrift zu sehen. Das macht doch deutlich: Wir sind ein pragmatischer Landesverband mit klaren Zielen, wenn es darum geht, NRW in eine gute Zukunft zu führen.

Könnte Schwarz-Grün nicht auch eine große Chance sein: Die CDU spricht eher die Älteren an, die Grünen eher die Jüngeren? Schwarz-Grün als Brücken-Projekt?

Ich glaube, dass wir die Frage, wer was in einer nächsten Landesregierung abdeckt, klug beantworten müssen, weil wir vor so großen Herausforderungen stehen. Ich meine die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft, die durch den Ukrainekrieg noch so viel drängender geworden ist als ohnehin schon. Das schafft keine Partei, keine Regierung alleine, das braucht alle Menschen in NRW. Was jahrelang nicht getan wurde beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, muss jetzt umso schneller geschehen. Es muss, egal in welcher Konstellation, das Ziel sein, dass alle Menschen bei der Transformation mitgehen können.

Welche Rolle haben beim Wahlerfolg der nordrhein-westfälischen Grünen Außenministerin Baerbock und Bundeswirtschaftsminister Habeck gespielt?

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Wir haben ganz klar Zuspruch dafür bekommen, was Annalena Baerbock und Robert Habeck jeden Tag leisten. Offensichtlich ist es uns gelungen, den guten grünen Bundestrend auf NRW zu übersetzen. Die Menschen können darauf vertrauen, dass auch wir NRW-Grüne in einer Landesregierung so offen, transparent und auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizieren wie Baerbock und Habeck im Bund. Dass wir auch Zumutungen ansprechen.

Und Sie würden gerne in Düsseldorf Wirtschafts- und Klimaministerin werden, wären gerne die Roberta Habeck von NRW?

Ich würde wahnsinnig gerne Mona Neubaur bleiben dürfen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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Autorenporträt / Georgi, Oliver
Oliver Georgi
Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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