Wangari Maathai

Gebildet, stark und unbeirrbar

Von Thomas Scheen
08.10.2004
, 18:38
Mehr als eine Umweltaktivistin: Maathai
Wangari Maathai läßt sich nicht einschüchtern: Sie war 1966 die erste Afrikanerin, die promovierte. Nun ist sie auch die erste Afrikanerin, die einen Friedensnobelpreis gewinnt.
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Sie war die erste Afrikanerin, die promovierte (1966), und die erste Frau, die ein wissenschaftliches Institut einer afrikanischen Universität leitete (Nairobi). Und im Alter von 64 Jahren ist Wangari Maathai auch die erste Afrikanerin, die einen Friedensnobelpreis gewinnt.

Das Nobelkomitee begründet die Auszeichnung für Frau Maathai mit ihrem Engagement für Nachhaltigkeit, Frieden und Demokratie. Damit ist in erster Linie die von ihr gegründete Umwelt- und Sozialbewegung „Green Belt Movement“ gemeint, die auf dem Umweg über das Pflanzen von Bäumen nicht nur Umwelt-, sondern auch Sozialpolitik betreibt. Begonnen hatte die Geschichte am Weltumwelttag 1997, als Maathai zusammen mit einer Handvoll Frauen anfing, überall in Kenia Bäume zu pflanzen.

Für Maathai sind Umwelt und Frieden nicht zu trennen

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Es ging ihr damals darum, Wüstenbildung und Landflucht zu verhindern. Es ging ihr aber auch darum, Brenn- und Bauholz zu produzieren, und folglich um eine wirtschaftliche Perspektive für eine Landbevölkerung, die häufig morgens nicht weiß, ob sie abends etwas zu essen hat. Für Maathai sind Umwelt und Frieden nicht zu trennen: „Je knapper die Ressourcen werden, um so verbitterter wird um den Rest gekämpft“, sagte sie. In Kenia sind heute nur 1,7 Prozent des Landes bewaldet, für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens aber wären mindestens zehn Prozent nötig.

Im Laufe der Jahre wurde aus dem „Green Belt Movement“ eine panafrikanische Bewegung, die mittlerweile in 13 Ländern aktiv ist, etwa 30 Millionen Bäume pflanzte und 600 Baumschulen gründete, in denen mehrere zehntausend Frauen ein bescheidenes Auskommen finden. Für ihre Arbeit im „Green Belt Movement“ war Maathai 1984 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden.

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Das politische Establishment stören

Doch die in den Vereinigten Staaten ausgebildete Biologin und heutige stellvertretende kenianische Ministerin für Umwelt, natürliche Ressourcen und Biosphäre ist weit mehr als nur eine einfallsreiche und willensstarke Umweltaktivistin. Für die Regierung des früheren kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi war die Frau beinahe zwei Jahrzehnte lang ein rotes Tuch.

Als die Vorzeigeakademikerin in den späten siebziger Jahren ihr politisches Engagement begann, zuerst mit dem „Green Belt Movement“, von 1979 an auch als Vorsitzende des „National Council for Women“, des Dachverbandes aller kenianischen Frauenbewegungen, fing sie an, das politische Establishment zu stören. „Ich habe es bis auf den heutigen Tag nicht geschafft, den Mund zu halten, wenn ich Ungerechtigkeit sehe“, erklärt sie ihren Antrieb.

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„Zu gebildet, zu stark und zu schwer zu kontrollieren“

Die Folge war, daß ihr Mann, der einen der lukrativen Posten im Parlament bekleidete, die Scheidung einreichte. Die Begründung sagt alles: Seine Frau sei ihm „zu gebildet, zu stark und zu schwer zu kontrollieren“. Die Regierung Moi aber machte aus der Scheidung einen öffentlichen Prozeß, bei dem Einzelheiten im Parlament debattiert wurden, Maathai öffentlich der Untreue bezichtigt wurde und ihre drei Kinder so manipuliert wurden, daß sie sich für Jahre von der Mutter abwandten.

Gerade deswegen aber wurde Maathai zum Star der kenianischen Opposition. Moi entfernte das „Green Belt Movement“ aus seinen Büros - Maathai machte in ihrem Privathaus weiter. Moi ließ Maathai verhaften - sie ging vorübergehend in den Untergrund. Moi wollte sich für 200 Millionen Dollar ein Parteizentrale im Uhuru-Park bauen lassen - Maathai machte dagegen Front, so daß die ausländischen Finanziers, darunter der britische Presseunternehmer Robert Maxwell, sich von dem Vorhaben zurückzogen.

Der Preis kommt der Regierung Kibaki gerade recht

1997 kandidierte sie unerschrocken bei den Präsidentenwahlen gegen den Despoten Moi. Ihre Kandidatur wurde von der Wahlkommission ohne Angaben von Gründen abgewiesen. Zum Schluß nannte Moi die Biologin nur noch „die Verrückte“. Als Mois Regierung schließlich im Dezember 2002 von einem Oppositionsbündnis abgelöst wurde, war Maathai mit ihrer kleinen Partei „Mazingira Green Party“ wieder vorne mit dabei. Der neue Präsident Kwai Kibaki machte sie zur stellvertretenden Ministerin, wobei viele fragten, warum Maathai angesichts ihrer Erfahrung und ihrer internationalen Reputation nicht einen wichtigeren Posten erhielt.

Dabei kommt der Friedensnobelpreis für Maathai der zuletzt arg gescholtenen Regierung Kibaki gerade recht. Das vor den Wahlen verkündete Ziel, die Korruption zu beenden, hat die Regierung verfehlt. Sie ist längst genauso korrupt wie Mois Kabinett. Die Europäische Union stellte unlängst ihre Hilfszahlungen ein, und der Wutausbruch des britischen Botschafters, der Kibakis Regierung eine „Bande von Vielfraßen“ nannte, ist legendär. Es wird eine spannende Frage, wie sich Frau Maathai der unwillkommenen Umarmung durch ihre Kabinettskollegen entziehen wird.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2004, Nr. 236 / Seite 7
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