FAZ plus ArtikelSPD streitet über Identitäten

Wie kann man sich für Wolfgang Thierse schämen?

Von Peter Carstens, Berlin
04.03.2021
, 18:58
Der frühere Bundestagspräsident musste echte Risiken eingehen, bis er Mitglied einer sozialdemokratischen Partei werden konnte. Da lässt er sich von der SPD-Führung nicht in die Schämecke stellen.

Wenn Wolfgang Thierse spricht, verbreitet sich Nachdenklichkeit wie ein feiner Duft. Er ist kein Mann brüllender Reden, aber man darf seine stimmliche Zurückhaltung nicht mit Weichheit verwechseln. Saskia Esken und Kevin Kühnert haben sich über Thierse und Gesine Schwan hergemacht und sich öffentlich für Ansichten geschämt, die ungefähr so radikal waren wie ein Kochbuch. Man konnte anderer Meinung sein. Aber sich für Thierse schämen?

Der 77 Jahre alte Thierse war tief getroffen. Esken, um Profilierung als Parteilinke bemüht, hatte sich auf Kosten der beiden Traditions-Sozialdemokraten als „tief verstörte“ Mitfühlende der diversen Geschlechtergemeinschaft hervortun wollen. Thierse wehrte sich, indem er im Ton bewegter Sorge eine Attacke zu Papier brachte: Esken sollte ihm doch bitte öffentlich sagen, „ob mein Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich ist“. Ihm jedenfalls kämen „Zweifel, wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren“.

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Quelle: F.A.Z.
Peter Carstens - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Carstens
Politischer Korrespondent in Berlin
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