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Hotellerie in Coronazeiten

Flucht aus dem Homeoffice

Von Karin Finkenzeller
Aktualisiert am 05.04.2020
 - 21:46
Der Blick vom Hotel-Homeoffice in Bad Gögging.
Leerstehende Hotels suchen verzweifelt nach neuen Betätigungsfeldern. Dorint dient sich nun als komfortable Alternative zum Heimbüro an.

Das Frühstück steht schon bereit. Kaffee. Ein gefüllter Brotkorb. Butter, Marmelade, Honig, Schokocreme. Müsli. Eine Platte mit Käse und Aufschnitt. Obst. Und herrliche Ruhe! Zu Hause balgt sich vermutlich gerade der Nachwuchs um die Cornflakes-Packung und startet mäßig gelaunt in einen weiteren Tag ohne Fußballtraining und ohne Treffen mit den besten elf Freunden. Mag ja sein, dass Corona zusammenschweißt, aber nach zwei Wochen Homeschooling und Homeoffice ist es mit der Dauernähe in vielen Familien auch mal gut. Die wenigsten können sich locker über den West- und Ostflügel ihrer Herrenhäuser verteilen.

Als die Tür des Hotelzimmers mit einem sanften Klacken ins Schloss fällt und der Blick auf den gedeckten Tisch, tritt deshalb schon fast so etwas wie ein Erholungseffekt ein. Endlich allein. Hier stört nicht einmal das für hoteleigene Verzehrräume übliche Gedudel aus der Musikanlage. Der Blick auf die Uhr zeigt: Bis zur Videokonferenz mit den Kollegen ist noch Zeit. Also, Laptop aufklappen, online gehen, Handy laden und dann erst einmal ran ans private Büfett.

Die Idee, Hotelzimmer vorübergehend als private Büroräume anzubieten, hatte Dirk Iserlohe schon bald nach den ersten Ausgangsbeschränkungen. Wie andere Manager der Tourismusbranche stand auch der Chef der Honestis-Finanzholding mit ihren mehr als 60 Dorint-Hotels vor der Frage, wie er die Beschäftigten über die mit Viren beladene Zeit bringen sollte. So entstand „MyOffice@Dorint“. Vorläufig bis zum 30. April stehen die Zimmer all jenen Büroangestellten zur Verfügung, die bei ihren Arbeitgebern ausquartiert wurden, aber zu Hause nicht oder nicht ständig arbeiten können.

„Wo Vater, Mutter und Kinder nun gemeinsam arbeiten und lernen und die Katze oder der Hund vereint mit dem Kanarienvogel singt, stelle ich mir Homeoffice nicht besonders produktiv vor“, bringt Iserlohe die Problematik auf den Punkt, als er sich telefonisch aus Köln meldet. Die Alternative im Hotel könne dagegen gleichzeitig dazu beitragen, die Arbeitsplätze der dortigen Mitarbeiter zu sichern.

22 Millionen pro Monat

Zum Beispiel im bayerischen Bad Gögging auf halbem Weg zwischen Regensburg und Ingolstadt. Unweit der Limes-Wallanlagen, die einst die Grenze ihres Reiches markierten, nutzten schon die Römer die warmen Quellen zur Erholung und Genesung. Normalerweise würden heute in dem nach Kaiser Marc Aurel benannten Hotel Kurgäste in flauschigen Bademänteln auf den Gängen zu den Thermalbädern lustwandeln. Das 2800 Quadratmeter große Spa ist aber selbstverständlich geschlossen, ebenso wie der Außenpool mit der 50-Meter-Bahn, die 19 Tagungsräume oder die Restaurants „Forum“ und „Domus“. An der Rezeption trennt eine hohe Plexiglasscheibe die Dame am Empfang von den wenigen verbliebenen Gästen. Ein gutes Dutzend sind es insgesamt an diesem Tag. Bei 165 Zimmern. Sie gehen sich aus dem Weg, sprechen nur das Nötigste. Sie haben unterschrieben, dass ihr Aufenthalt keinen touristischen Zwecken dient, denn die sind verboten. Geschäftsreisende dürfen auch übernachten, müssen aber nachweisen, dass sie im näheren Umkreis etwas zu tun haben. Homeoffice-Gäste dürfen nur von 7 bis 19 Uhr bleiben. Die Kollegen kommen via Zoom-Videokonferenz ins Hotelbüro und am frühen Nachmittag eine Chili-Tomatencremesuppe und ein Flammkuchen wie bestellt an die Zimmertür.

Die Sonne scheint unbeeindruckt von Covid-19, also, raus auf den Balkon. So viel Bewegungsfreiheit ist ja auf jeden Fall erlaubt. Der Blick über die Greens der 9-Loch-Golfanlage gestattet immerhin ein Spiel in Gedanken. Hotelmanager Iserlohe denkt bereits an die Zeit nach Corona, an Gäste mit viel Bewegungsdrang nach dem langen Stillhalten. Eine Woche mit einem Förster durch die Wälder streifen, Lauftraining unter Anleitung eines Profis, so etwas schwebt ihm vor. Er hofft, in der Zwischenzeit keine Häuser aufgeben zu müssen. Die finanzielle Belastung ist enorm. Allein für seine Gruppe seien es monatlich 22 Millionen Euro – bei einer Belegung von derzeit 4,6 Prozent. Sie ist auch deshalb so niedrig, weil anders als in Bayern der Hotelbetrieb in Nordrhein-Westfalen und auf den Ferieninseln Sylt, Usedom und Rügen komplett eingestellt wurde. In Köln mussten deshalb kurzfristig zehn Buchungen für MyOffice@Dorint wieder storniert werden. Und ein großer Firmenkunde dort wartet nun darauf, ob Iserlohe den Einspruch bei den Behörden gegen das erzwungene Nichtstun durchbringt.

„Die Politiker müssen wissen, dass sie einen Eingriff vornehmen, der einer Enteignung gleichkommt“, sagt er. Anders als das produzierende Gewerbe könne sich die Hotelbranche nicht im Anschluss durch mögliche Nachholeffekte erholen. „Der Umsatz ist auf Dauer verloren.“ Die versprochenen Hilfsgelder des Staates könnten ihr Ziel nicht erreichen, fürchtet er. Auch wenn die staatseigene KfW-Bank Kreditrisiken zu 80 oder sogar 90 Prozent übernehme, dürften die Geldinstitute aufgrund der geltenden Regeln Darlehen nämlich nicht ohne Zusatzsicherheiten oder Bargeldhinterlegung für die verbliebenen 10 bis 20 Prozent vergeben. Die Bestätigung, dass ihre Betriebe bis Jahresende 2020 durchfinanziert seien, könnten viele Touristiker schlicht nicht liefern.

Am Spätnachmittag ist das Tagespensum erledigt. Früher als gedacht. Ein Office im Hotel hätte auch in coronafreien Zeiten seinen Charme. Im Gegensatz zum Großraum.

Weg ins Hoteloffice

Buchung unter myoffice@dorint.com oder über die Buchungshotline 0221/48567-444 zum Tagespreis ab 59 Euro. Eine komplette Woche Hotelbüro von 7 bis 19 Uhr kostet ab 289 Euro, Frühstück und Mittagessen auf dem Zimmer sowie Drucker-Service inklusive.

Quelle: F.A.S.
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