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Das abenteuerliche Leben der unerschrockenen Gudridur

Von Matthias Alexander
07.01.2021
, 10:59
Wer reist, muss davon erzählen – und so erfanden die Wikinger ganz nebenbei Weltliteratur. Unterwegs im Westen Islands, in dem die besten Geschichten spielen und die mutigsten Frauen zu Hause sind.

Das Gras, das in Island wächst, ist so grün, dass es im Vorbeifahren in den Augen schmerzt. Alarmgrün träfe es ganz gut. Es ist kaum vorstellbar, Gras könnte irgendwo anders auf der Welt grüner sein. Es ist allerdings ziemlich wenig davon da, dafür sehr viel Lava und nicht ganz so viel Gletschereis. Erik der Rote wusste daher, was zu tun war, als er vor mehr als tausend Jahren seine Landsleute davon zu überzeugen suchte, ihm in jenes unbekannte Land im Westen zu folgen, das er erkundet hatte, weil er wegen eines Mordes in die Verbannung gehen musste. Er nannte es verheißungsvoll Grünland. Der Werbeslogan verfehlte seine Wirkung nicht, im Jahr 985 brachen etliche Schiffe auf unter Führung von Erik, der seinen Beinamen wegen seiner Haarfarbe trug und wegen des Blutes, das er vergossen hatte. Nicht alle kamen mit ihm in Grönland an, aber es waren Zeiten, da mussten Reisende ohnehin damit rechnen, am Rand des Ozeans in den großen Abgrund zu stürzen.

Die Geschichte von Erik wird im Vinlandzentrum erzählt. Das Museum steht in Búdardalur, einer unscheinbaren Ortschaft an der isländischen Westküste, etwa hundertfünfzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Reykjavík. Von hier aus könnten Erik und seine Gefolgschaft damals nach Grönland aufgebrochen sein, ganz genau weiß man das nicht. Ein paar hundert Einwohner zählt der Flecken heute, die schlichten Häuser mit den enggeschnittenen Satteldächern stehen etwas verloren in der kargen Landschaft, als wüssten ihre Bewohner nicht recht, ob sie nun Nähe zueinander suchen oder Abstand wahren sollen. Als das Vinlandzentrum im Frühjahr 2020 eröffnet wurde, kamen alle ins Gemeindehaus zum Feiern, darauf verstehen sie sich in Island, selbst die Ministerpräsidentin gab sich die Ehre.

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Island und die Sagas

Anreise: Direktflüge nach Reykjavík (Kevlavík) von Frankfurt, Berlin, München und Hamburg bieten Icelandair (www.icelandair.com) und Lufthansa (www.lufthansa.com) an. Derzeit ist das Angebot stark eingeschränkt.

Corona: Einreisende aus dem Ausland müssen einen Corona-Test absolvieren und sich in eine fünf- bis sechstägige Quarantäne begeben. Anschließend wird ein zweiter Test gemacht. Fällt dieser positiv aus, wird eine Isolation angeordnet. Die Tests sind bis zum 31. Januar unentgeltlich. Reisende, die nachweislich von einer Infektion genesen sind, dürfen frei einreisen. In Deutschland wird Island aktuell nicht auf der Liste der Risikogebiete geführt.

Unterkunft: Das Vier-Sterne-Hotel Húsafell (www.husafell.com) bietet 48 Zimmer und Suiten, angeschlossen ist ein gutes Restaurant. Vom Hotel werden auch eine Ferienhaussiedlung und zwei Campingplätze betrieben. Ein Golfplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe, vom Hotel aus führen viele Wanderwege in die Umgebung.

Sehenswürdigkeiten: Das Vinlandzentrum, das sich auf Englisch Leif Eiriksson Center nennt, befindet sich am Hafen von Búdardalur. Informationen zu den Öffnungszeiten unter www.vinlandssetur.is. Das Landnahmezentrum in Borgarnes (www.landnam.is) ist ganzjährig von 10 bis 21 Uhr geöffnet, dazu gehört ein Restaurant, das auch ein Mittagsbuffet bietet.

Gletschertour: Vom Húsafell-Center unterhalb des Hotels fahren Spezialfahrzeuge bis zum Eingang des Tunnels auf dem Langjökull. Die Tour dauert drei bis vier Stunden (www.intotheglacier.is).

Informationen und Literatur: Über den Westen Islands informiert die englischsprachige Internetseite www.west.is. Die wichtigsten Sagas finden sich zum Beispiel in der vierbändigen Ausgabe „Die Isländersagas“ (S. Fischer Verlag). Arthúr Bollason hat einen Führer zu den Schauplätzen der Sagas und anderer Werke der isländischen Literatur verfasst („Island. Ein Reisebegleiter“, Insel Verlag).

Quelle: F.A.Z.
Matthias Alexander - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Matthias Alexander
Redakteur im Feuilleton.
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