FAZ.NET-Spezial

Die Geflügelpest breitet sich aus

24.02.2004
, 14:25
Millionenfach müssen Hühner getötet werden
Die Situation ist ernst. In immer mehr asiatischen Ländern grassiert die Vogelgrippe und Millionen von Hühnern müssen getötet werden, um der Seuche Einhalt zu bieten. Bislang starben achtzehn Menschen an der Krankheit.
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Die Situation ist ernst. In mehreren asiatischen Ländern werden derzeit Millionen von Hühnern getötet, um der Geflügelpest, einer besonders schweren Form der Vogelgrippe, Einhalt zu gebieten. Der Erreger ist ein vor sieben Jahren erstmals auf den Menschen übergegangenes Hühnergrippevirus, das bis dahin nur unter Vögeln grassierte. Bisher hat das Virus mehrere Menschenleben gefordert, die meisten von ihnen Kinder.

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Alle bisher erkrankten Personen haben sich beim Umgang mit infiziertem Geflügel angesteckt. Eier und Hühnerfleisch gelten als nicht infektiös. Trotzdem hat die Weltgesundheitsorganisation empfohlen, Eier und Fleisch auf absehbare Zeit nur noch sorgfältig gekocht zu verzehren. Das H5N1-Virus wird durch Hitze inaktiviert. Menschen können sich bislang nicht untereinander anstecken.

Hinweise für Asienreisende

Asien-Reisenden rät der Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, Bernhard Fleischer, auf den Besuch von Hühnerfarmen oder -märkten zu verzichten und Eier nur gut abgekocht zu verzehren. Aus seiner Sicht ist der Kontakt zu Menschen ungefährlich.

In Vietnam hat die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken mehrere Lokale schließen müssen. In Indonesien sind die Kunden noch nicht ausgeblieben
In Vietnam hat die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken mehrere Lokale schließen müssen. In Indonesien sind die Kunden noch nicht ausgeblieben Bild: REUTERS

Die Gefahr einer Vogelgrippe-Infektion in Deutschland durch das sich in Ostasien ausbreitende Virus ist nach Ansicht von Experten bislang „außerordentlich gering“. Das Virus sei „nicht sehr stabil“ und könne Deutschland über den Transport von Produkten aus den betroffenen Ländern kaum erreichen, sagte Fleischer.

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Anpassung des Virus möglich

Was die Behörden weiterhin beunruhigt: Das H5N1-Virus ist nahezu gleichzeitig in mehreren asiatischen Ländern aufgetaucht, was für eine rasante Ausbreitung spricht. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch auf andere Länder übergegangen ist.

Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet nun, daß sich das als H5N1 bezeichnete Vogelvirus bald mit einem an den Menschen angepaßten Grippevirus zu einem neuen hochansteckenden Erreger verbinden könnte. Dieser Erreger wäre dann von Mensch zu Mensch übertragbar. In Verbindung mit einem an den Menschen angepaßten Grippevirus wäre dann ein verheerender Seuchenzug unter der Bevölkerung kaum noch aufzuhalten.

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Kein Impfstoff vorhanden

Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das in Asien grassierende Vogelvirus. Die Entwicklung eines Impfstoffs gestaltet sich zudem schwierig, weil sie nicht, wie bisher üblich, in Hühnerembryonen erfolgen kann, da das H5N1-Virus die Hühnerembryonen tötet. Die Impfstoffentwicklung muß deshalb auf andere, noch wenig erprobte und noch nicht allseits akzeptierte Verfahren zurückgreifen. Mit einem Impfstoff wäre frühestens in einem halben Jahr zu rechnen.

Derzeit grassiert das Vogelvirus in Thailand, Vietnam, Laos, Kambodscha, Japan, Taiwan, Indonesien, Pakistan, Südkorea und in Südchina. Dort werden die infizierten Tiere millionenfach getötet und gesunde Vögel isoliert. Im Jahr 1997, als das H5N1-Virus erstmals in Hongkong auf den Menschen übergegangen war, konnte die Infektion noch durch die umgehende Schließung und Säuberung des größten Geflügelmarktes der Stadt im Keim erstickt werden. Heute ist die Situation undurchsichtiger, weil sich die Geflügelpest im ganzen südostasiatischen Raum ausgebreitet hat. Dort hat jeder Bauer ein paar Hühner, mit denen die Kinder spielen. In den Hühnerbeständen des Hinterlands dürfte das Virus deshalb nicht so schnell auszurotten sein. Die derzeitige Seuchengefahr in Südostasien macht aufs neue deutlich, wie gefährlich die Infektionskrankheiten nach wie vor sind und daß auch in Zukunft mit neuen Erregern gerechnet werden muß.

Quelle: @mg
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