Französisch-Guyana

Dschungel mit historischem Ortskern

Von Ulf von Rauchhaupt
26.01.2022
, 22:52
Plage de Zephir: Der Sand ist schon mal nicht schlecht, fehlt nur noch das Meer.
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In Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guyana, sind das Meer und der Regenwald nur einen Spaziergang entfernt.
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Mittags war das Meer weg. Nach unserer Ankunft am Abend zuvor hatte das Internet es uns noch versprochen: Auf unserer Karten-App jedenfalls krümmte sich gleich hinter dem Hotelgarten mit dem großen Pool die Atlantikküste entlang der Anse de Montabo, einer Bucht östlich von Cayenne, dem Hauptort – die Vokabel „Stadt“ passt auf diese Siedlungsfläche nicht so recht – von Französisch-Guyana, einem zum Euroraum gehörenden Territorium in Südamerika von der Größe Österreichs und der Einwohnerzahl Augsburgs. Und das Internet wusste auch: An der Bucht von Montabo erwarten einen weder Klippen aus Granit oder Quarzit noch das landestypische Mangrovendickicht – sondern ein von Kokospalmen gesäumter Sandstrand mit dem klangvollen Namen „Plage de Zephir“.

Am Vormittag war noch Arbeit zu erledigen, doch der Rest des Tages war frei, und so hielt uns nach der letzten Teams-Sitzung nichts mehr im Hotel, auch nicht jener Pool. Denn wozu Plastikliegen und gechlortes Wasser, wenn man auch am Meer sitzen kann? Aber das Meer war, wie gesagt, gerade nicht da. Stattdessen dehnte sich hinter den Palmen grau-beiger Schlick bis zum Horizont. Gänzlich verunstaltet hatte die Ebbe diese Küste aber nicht, zumal fast kein Müll herumlag. Richtung Westen verlief der Strand bis zu einer felsigen, von dichter Vegetation überwucherten Anhöhe namens Colline de Montabo, die diesen von Cayenne trennt. Ob sie sich umwandern lässt?

Von einer Nachtwanderung auf dem Sentier de Montabo ist im Allgemeinen abzuraten.
Von einer Nachtwanderung auf dem Sentier de Montabo ist im Allgemeinen abzuraten. Bild: Ulf von Rauchhaupt

Fast. Irgendwann ging der goldgelbe Sand dann doch in immer größere ­Brocken aus Quarzit und malerisch gebändertem metamorphen Gestein über. Die Küste wurde immer steiler und der Raum zwischen dem Schlick und den Zäunen der Anwesen immer enger. Am Ende blieb nur ein kleiner Weg landeinwärts, der sich aber bald zu einer Straße weitete und an der vom Meer abgewandten Seite um die Colline de Montabo herumführt – durch ein Wohngebiet. Ein Stück noch führte er an Urwald vorbei, doch an einer Stelle kam ein Pfad geradewegs aus dem Dickicht. Die Vegetation verschluckte uns, und erst nach weiteren hundert Metern verriet ein Schild den Beginn eines offiziellen Küstenwanderwegs. Zwei spektakuläre Kilometer wandert man hier durch die Farben und Geräusche des Dschungels über die dem Atlantik zugewandte Flanke der Col­line und hat immer wieder Ausblicke auf das Meer, sofern es gerade da ist, und Gelegenheit, die hiesige Vogelwelt zu bewundern: Sandstrandläufer, Schmuck-, Blau- oder Dreifarbenreiher und Brachvögel.

Bild: F.A.Z.

Cayenne hat durchaus auch zivilisierte Grünflächen, wie wir später am Nachmittag feststellten, etwa den Place des Palmistes, dessen Palmen offenbar sämtliche Gebäude des Ortes einschließlich der Kathedrale überragen, oder die Reste des ersten Forts, auf einem Felsen, den die Franzosen 1643 den lokalen Ureinwohnern abkauften. Auch einen botanischen Garten kann man besuchen. Doch einen veritablen Küstendschungel in Laufweite des ­historischen Ortskerns – das gibt es wohl nur hier.

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Das Hotel an der Plage de Zephir ist das https://grand-hotel-montabo.fr. Für Flüge in die französischen Überseegebiete ist momentan ein negativer PCR-Test verpflichtend. Mehr unter https://de.france.fr/de/franzosisch-guyana

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Rauchhaupt, Ulf von (UvR)
Ulf von Rauchhaupt
Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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