FAZ plus ArtikelGletschersterben in den Alpen

Vom Ende der Ewigkeit

Von Christoph Schrahe
24.06.2022
, 06:43
Mit Erhabenheit hat das nichts mehr zu tun: Die Schneedepots am Rettenbachferner im Ötztal.
Nur zwei Jahrzehnte brauchte das gewandelte Klima, um den Mythos vom ewigen Eis dahinschmelzen zu lassen. In diesem Sommer droht den Alpen ein nie dagewesener glazialer Kollaps. Ein Nachruf auf ein sterbendes Naturwunder.
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Der Rettenbachferner oberhalb von Sölden war 1980 das Ziel der ersten eigenen Gletschertour. Fünf Jahre zu­vor war der Ferner, wie die Gletscher in Tirol heißen, mittels einer dreizehn Kilometer langen Straße als erster in den Ötztaler Alpen für den Tourismus er­schlossen worden. Genauer gesagt: für den Sommerskilauf. Der boomte damals als Folge der sogenannten kleinen Eiszeit. Die sorgte auch dafür, dass der Vater fast einen Nervenzusammenbruch bekam, als er mit Sommerreifen und Heckantrieb die letzten schneebedeckten Kehren zum 2800 Meter hoch gelegenen Parkplatz unter dem Pitztaler Jöchl hinauffahren sollte – im Juli.

Das Wasser nagt an der Zunge

Damals bedeckte der Gletscher noch mehr als zweihundert Hektar Fläche und reichte vom Gipfel der 3370 Meter hohen Inneren Schwarzen Schneid bis unmittelbar an die Ötztaler Gletscherstraße. Man konnte die meterhohe Stirn des Eises am tatzengleich aufgewölbten Zungenende des vorstoßenden Gletschers fast mit der aus dem Autofenster ausgestreckten Hand berühren. Auch der darüberliegende, im­posante Eisbruch schien zum Greifen nah. Wegen der so erfolgreich verlaufenden ersten Betriebsjahre des Sommerskigebietes war schon die Erschließung des auf der Rückseite der Schwarzen Schneide gele­genen Tiefenbachferners im Gange. Dafür wurde gerade der höchstgelegene Straßentunnel Europas durch den Berg getrieben.

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Informationen: Die Ötztaler Gletscherstraße, einer der Drehorte des James Bond-Films „Spectre“, ist ganzjährig geöffnet. Bis Anfang Oktober kostet die Maut 21 Euro für Autos und 11,50 Euro für Motorräder. Die Kombikarte für Maut und Berg- und Talfahrt mit der Tiefenbachbahn oder der Bahn zur Schwarzen Schneid kostet pro Person 24,50 Euro (Kinder 13,50 Euro). Eine schöne Wanderung mit guten Chancen, Steinböcke zu sehen, führt über das Pitztaler Jöchl zur Braunschweiger Hütte, deren Terrasse einen großartigen Blick über den Mittelbergferner bietet. Wei­tere Information: www.soelden.com.

Quelle: F.A.Z.
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