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Unterwerfung und Größenwahn

Von Andreas Lesti
Aktualisiert am 13.09.2020
 - 12:54
Am schönsten ist es, wenn die Fremden endlich weg sind: Die Familie Sattmann im zweiten Teil der Piefke-Saga, 1990. zur Bildergalerie
Felix Mitterer ist spätestens seit der Fernsehserie „Die Piefke-Saga“ ein Spezialist für die komplexe Beziehung zwischen den Tirolern und ihren Gästen. Wir haben den Schriftsteller im Zillertal getroffen und sprachen über Ischgl, Corona und die Folgen.

Der Wahnsinn des Tiroler Wintertourismus macht auch vor dem Sommer nicht halt. In Hochfügen im Zillertal stehen an einem warmen Julitag die Kunstschneelanzen verloren auf der grasgrünen Piste, neben der Kapelle heizt sich die plexigläserne Zauberteppich-Röhre auf, und die verwaiste Après-Ski-Bar überschattet das Lifthäuschen wie ein trauriges Überbleibsel einer versunkenen Welt. „Skischuhverleih“ steht auf einem Schild, ein Holz-Steinbock setzt zum Sprung an, und vom Almhof weht Fritteusenfett herüber zur Terrasse des Sporthotels Lamark.

Vor dem wuchtigen Bau mit dem verblassten Charme der sechziger Jahre steht Felix Mitterer, 72 Jahre alt, weiße Haare und ein listiges Lächeln. Er zieht an der Zigarette und sagt: „Ja, man könnte die Fortsetzung der Piefke-Saga schon auch hier drehen.“ Pause. Blick in die Landschaft. Rauch kommt aus seinem Mund: „Aber es war halt in Ischgl.“ Mitterer wirkt dabei wie ein Mann, dem das alles zu viel ist und der doch die dringende Verpflichtung verspürt, diese Geschichte aufzuschreiben. „Es geht nicht anders“, sagt er und erzählt, dass sich der Tourismusobmann von Mayrhofen im Juni bei ihm bedankt habe, als er gehört hat, dass die Fortsetzung der Saga diesmal nicht im Zillertal gedreht wird.

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Der Weg ins Zillertal

Anreise Am besten mit der Bahn über München und mit dem EuroCity bis Jenbach/Tirol, dann mit der Zillertalbahn ins Tal.

Unterkunft Das Hotel Tipotsch in Stumm ist ein familiengeführtes Haus mit moderaten Preisen (DZ ab ca. 100 Euro), Restaurant und einer Bühne und einem Kino im Keller: hotel-tipotsch.at

Theater Die „Steudltenn“ in Uderns inszeniert seit Jahren auch Stücke von Felix Mitterer. Eine Außenstelle ist das „Hotel Lamark“ in Hochfügen, wo im Sommer auf der Terrasse gespielt wird und die Zuschauer von den Hotelbalkonen aus zusehen: steudltenn.com. Das Kulturfestival „stummer schrei“ findet jedes Jahr in Stumm statt: stummerschrei.at.

Allgemeine Informationen zu Reisen nach Tirol und ins Zillertal unter tirol.at und zillertal.at

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Lesti, Andreas
Andreas Lesti
Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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