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Abschied für immer

Von Andrea Diener
17.12.2020
, 11:13
Auf sozialer Distanz zur Hauptinsel: Spinalonga, ein Inselchen vor Kreta, hat eine bewegte Geschichte. Aus der militärischen Festung der Venezianer wurde eine der letzten Lepra-Kolonien Europas.

Es ist früh, als wir nach Spinalonga übersetzen, Himmel und Wasser sind noch rosafarben getönt, die Sonne steht tief, und die Insel liegt wie eine dunkelgraue Schildkröte im Meer. Wir kommen näher, Rena und ich, die Felsen und Gebäude wirken abweisend im kalten Morgenlicht. Aber besser, man ist früh dran und macht sich auf den Weg, wenn die Sonne noch Anlauf nimmt. Später wird spätherbstliche Mittagshitze auf die kleine, karge Insel brennen, sie strahlt sandfarben, überwuchert von dürrem Gras, Meer und Himmel glänzen hellblau, und man will nichts lieber, als stundenlang selbstvergessen in diesem Meer zu dümpeln. Und am allerliebsten in einem Jahr, in dem man vor lauter Ansteckungsgefahr keine große Gelegenheit hatte, irgendwo zu dümpeln, geschweige denn in einem halbwegs warmen Ozean.

Am Nachmittag werden die Farben immer wärmer, bis zum Abend, wenn sich alles in Violett auflöst. Vom Hotelbalkon aus sehe ich Spinalonga zu allen Tageszeiten, und der Anblick wird einem nie langweilig. Auch wenn es seltsam anmutet, beim Frühstückskaffee oder beim Abenddrink ausgerechnet auf eine ehemalige Lepra-Kolonie zu schauen.

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Auf die Insel

Spinalonga kann tagsüber von Anfang April bis Ende Oktober touristisch besichtigt werden. Ausflugsboote fahren ab Elounda oder Agios Nikolaos, am schnellsten und einfachsten ist die Überfahrt ab Plaka. Ein sehr empfehlenswertes Hotel ist das Marriott Blue Palace gleich gegenüber der Insel, Telefon: 0030/2841/065500 (ab ca. 220 Euro pro Nacht im DZ mit Frühstück). Direktflüge nach Iraklio/Heraklion bietet Aegean Air (de.aegeanair.com) an.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Diener, Andrea
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
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