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Hotel in der Elbphilharmonie

Minimalismus mit Hafenblick

Von Sven Weniger
 - 20:10
Gleich geht es los in die große, weite Welt: Manchmal könnte man fast glauben, im Hotel auf einem Kreuzfahrtschiff zu sein.zur Bildergalerie

Vorhang auf! Mit leichtem Surren fahren sechs Meter hohe Stores zur Seite. Dahinter liegt die Stadt im letzten Tageslicht. St. Nikolai, St. Katharinen, St. Petri und St. Jacobi – die Türme von vier der fünf Hamburger Hauptkirchen liegen im Blick, dazu der Glanz des Wasserspiegels der Binnenalster. Davor die Fleete der Speicherstadt, Kontorhäuser, die Lichter des Feierabendverkehrs. Die kantigen Gebäude der Hafencity, Bootsanleger, das Kreuzfahrtterminal. Rechts schiebt sich eine Schute stromaufwärts, südlich des Elbufers rauchen die Fabrikschlote der Industrieanlagen. Es ist die Essenz der Hansestadt – Handel, Wohlstand, Protestantismus – die sich hier in noch nie erlebter Perspektive hinter den deckenhohen Fenstern entfaltet, gut achtzig Meter über dem Hafengebiet, in einem Doppelzimmer im 19. Stock des Westin Hotels.

Westin Hotel? – die wenigsten Nicht-Hamburger können mit dem Namen etwas anfangen. Die Elbphilharmonie kennt dagegen jeder. Ein Leuchtturmprojekt des Senats, mit ihrer Segelform und den geschwungenen Scheiben ein Meisterwerk der Architekten Herzog & de Meuron. Die gesamte Ostseite des berühmtesten und höchsten Gebäudes der Stadt nimmt das Westin ein.

Viel Häme und Kritik brachen über die Elbphilharmonie herein. Es ging um Bauzeit und Kostenexplosion, um schwachen Klang, schlechten Zugang, um Kleinkram und Grundsätzliches; vieles gerechtfertigt, typisch hanseatisch anderes, wenn zuerst die Zahlen stimmen müssen, bevor das Ideelle ins Blickfeld rückt. Und die Breitseiten erwischten auch das Hotel – mitgefangen, mitgehangen.

„Wer zu uns kam, erwartete ein Fünf-Sterne-plus-Hotel mit Mobiliar in hanseatischem Barock“

„Die Leute überrannten uns. So ging das gleich los, das war der erste Eindruck“, sagt Oliver Sick. „Da kommen auf einmal dreißig Menschen von der öffentlichen Plaza der Elbphilharmonie in die Lobby und wollen mal kucken, wie es hier aussieht oder weil es draußen kalt ist und zieht. Wollen einen Kaffee oder ein Glas Wein an der Bar nehmen. Alle auf einmal, darauf waren wir nicht vorbereitet, wir waren unterbesetzt und kamen nicht hinterher.“ Der Chef-Concierge im Westin ist ein Mann des Beginns vor fast genau zwei Jahren. Es war eine Art Stunde null. Denn, darauf verweisen sie alle im Hotel immer wieder: Es gab einfach keine Erfahrung, wie sich ein weltweiter Hype um das Konzerthaus auf das im selben Gebäude liegende Hotel auswirken würde. Fünfzehn- bis zwanzigtausend Besucher an Toptagen hat die Plaza der Elbphilharmonie, die acht Stockwerke hoch gelegene, zum Fluss und der Stadt hin offene zentrale Plattform. Viereinhalb Millionen waren es 2018. Dort oben, nur eine Drehtür entfernt, liegt auch die weite Hotellobby. „Wir hatten dann Sicherheitsleute am Eingang, um das zu kanalisieren“, sagt Sick und lächelt rückblickend, „denn wir sind ja zuerst für die Logiergäste da. Wenn die Security dann sagte: Stopp, tut uns leid, jetzt ist der Hotelbereich voll – dann kam das natürlich schlecht an.“

Die Lobby mit dem Hafencity-Panorama hinter den Fensterflächen erreichen Hotelgäste über einen eigenen Aufgang. Das Mobiliar ist schlicht und erstaunlich altbacken angesichts des avantgardistischen Prachtbaus. Hinter dem Empfangstresen ist das riesige beleuchtete Wandbild der Monte Rosa die einzige Dekoration. Es zeigt den Passagierdampfer 1932 vor dem Kaispeicher A, dem gewaltigen Lagerhaus, auf dem achtzig Jahre später die Elbphilharmonie errichtet wurde. Es gibt die schöne Anekdote, dass anfangs auf der Monitorwand virtueller Rauch aus dem Schlot des in Hamburg gebauten Oceanliners stieg, pechschwarz, der Zeit und Technologie entsprechend. Ein hübscher Einfall, immerhin befindet man sich hier im Zentrum der deutschen Kreuzschifffahrt. Doch Besucher waren entsetzt. Ruß, das bedeutet Umweltfrevel, das bedeutet mieses Image, das ging gar nicht und drückte aufs Gemüt. Niemand hatte das bedacht. Nun kräuselt hinter den Rezeptionisten ein weißgraues Wölkchen aus dem Monte-Rosa-Schornstein.

„Es gab viele Missverständnisse“, räumt Madeleine Marx ein. Sie ist seit kurzem die neue Hoteldirektorin des Westin. Ihre Vorgängerin verließ das Haus nach nur zwei Jahren. „Wer zu uns kam, erwartete ein Fünf-Sterne-plus-Hotel mit Mobiliar in hanseatischem Barock, mit Leuchtern, Bildern an den Wänden.“ Der Bau des Konzerthauses hatte mit seinen Extravaganzen in Design, Technik und Ausstattung doch gut achthundert Millionen Euro verschlungen, zehnmal so viel wie geplant. Wie konnte die Herberge darin dann weniger sein als das, nämlich extravagant?

„Wir schauen den Leuten direkt in die Kabinen“

Das waren und sind wir aber nicht, wir wollen kein steifes Luxushotel sein“, sagt die zierliche Managerin. Die Westin-Kette, die zur Marriott-Gruppe gehört, habe sich eher dem „Wellbeing“ verschrieben. Die amerikanische Variante des Gesund-und-munter findet Wohlbefinden im Crossover aus Arbeit, Aktivität und Genuss. Leicht und locker, das ist das Credo. Wer will, kann mit einem Jogging-Concierge durch die Hafencity traben und im dreizehnhundert Quadratmeter großen Elb-Spa neben Pool, Saunen und Anwendungen auch eine private Suite mit eigenem Whirlpool und Ruhezone buchen. Man wisse aber, dass der Service für Zimmergäste und Besucher von außen gleichermaßen besser werden müsse, sagt Marx. Dafür brauche es auch mehr Mitarbeiter.

Vor allem auch, weil das Westin hinter den Kulissen kein effizient durchgestylter Betrieb ist und auch nicht sein kann. „Die Auflagen von Architekten und Denkmalschutz sind enorm“, sagt Marx, „überall gibt es lange Wege im Kaispeicher. Die Küche liegt quer ab unter der Plaza. Wir haben keine direkten Lifte fürs Essen. Das massive Treppenhaus im Innern dürfen wir nicht nutzen, überall Hindernisse und Umwege“. Es ist hier ein wenig wie in einem weitläufigen Palast aus einer vergangenen Epoche: er ist schön, aber unpraktisch.

Am Nachmittag in der „Bridge Bar“. Sie reicht um die Ecke des Gebäudes, die Aussicht, hundertachtzig Grad, ist spektakulär. „Wenn Riesenschiffe mit Tausenden Passagieren vom Kreuzfahrtterminal ablegen“, sagt Food-&-Beverage-Chef Uwe Angerbauer, „ist es, als schwebe an uns eine Stadt vorbei. Wir schauen den Leuten direkt in die Kabinen, so hoch sind die Kreuzfahrer, ein unglaubliches Gefühl.“ Dann ist die einzige Bar des Hotels pickepackevoll. Um den Captain’s Table mit dem Panoramablick rangeln die Leute. Es gibt „Elphi Spritz“ und „Hafencity Fizz“, es läuft das volle maritime Programm. Draußen drängen sich Schaulustige an den Geländern des Wind und Wetter ausgesetzten Plaza-Rundgangs.

„Wir sitzen für die Leute einfach im selben Boot“

Nicht nur Touristen, auch die Hamburger selbst lieben alles rund um ihren Hafen. Vergnügungsdampfer führen beim Ein- und Auslaufen in das Kreuzfahrtterminal zentimetergenaue Wendemanöver mitten in der Stadt durch und verlassen die Anleger oft spät am Abend wieder, immer vor großem Publikum. Danach kommen viele von außen zum Drink in die „Bridge Bar“. Angerbauer, einer der jüngeren im reformierten Westin-Team, muss dann selbst mit anpacken. „Eine große Herausforderung“, sagt er, „ist der abrupte Wechsel von ruhig zu hektisch.“ Das passiert täglich. Hat man nachmittags noch in aller Ruhe einen Hamburger Afternoon Tea mit Matjes, Rote Bete und Apple Crumble aus dem Alten Land genossen, strömen vor den Vorstellungen der Elbphilharmonie plötzlich gut gekleidete Konzertbesucher von der Plaza zu Snack und Drink herein. Eine halbe Stunde vor Beginn leert sich die Bridge wieder schlagartig. Das Gleiche passiert nach Konzertende. F&B-Mann Angerbauer hat eigens ein Dreigang-Konzertmenü im Angebot des Hotelrestaurants Saffron, das ohne große Wartezeit gereicht werden kann und den Aufbruch der Gäste um 19.30 Uhr sicherstellt.

Ebbe und Flut – wie ein Naturphänomen wechseln sich oft Kommen und Gehen im Westin ab. Was die meisten als gewaltigen Vorteil für ein Hotel sehen – die unmittelbare Nachbarschaft zu dem inzwischen weltberühmten Kulturhaus im Hafen – ist, das sieht auch Direktorin Marx, in ebensolchem Maß eine Hypothek. „Wir sitzen für die Leute einfach im selben Boot.“ Dazu gehört auch, mit den strukturellen Kontrasten umzugehen, die der Architekturentwurf mit sich brachte. Der Unterbau aus massivem Backstein, denkmalgeschützt und mit winzigen Fenstern, ist ebenso Teil des Westin wie der vollständig verglaste Aufsatz von Herzog & de Meuron. Das Spa und das Restaurant Saffron liegen im dunklen Kaispeicher, die Zimmer und Suiten im bei Sonne gleißend hellen Teil darüber.

Wer eine der Maisonette-Suiten in den obersten Stockwerken mit Elbblick bezieht, die auch das Privileg einer eigenen Frühstückslounge haben, profitiert von der einmaligen Lage am meisten. Helle Hölzer, weiße Wände, auch hier kaum dekorative Elemente, dafür verchromte Träger, die die gewölbten Fensterscheiben auf Abstand halten und das Leben draußen spiegeln – ein Vexierspiel. Das Bett im Hochparterre, auf das nachts das Lichtermeer des Industriehafens fällt. Nichts lenkt den Blick von der Alltagsshow draußen ab. Von den Frachtern und Schleppern auf der Elbe, den bis zum Horizont reichenden Kaianlagen, den Fähren, die zwischen Landungsbrücken und den Musical-Theatern am anderen Ufer hin- und herpendeln. Dazu gehört auch, dass durch die minimalistischen, ovalen und zu öffnenden Fenster ungewohnte Geräusche nach innen gelangen: Schiffshörner, das Summen der Ladekräne, das konstante Rauschen des Hamburger Westwinds – der stete Klang einer Millionenstadt, die nie schläft. Die meisten Hamburger sind längst stolz auf ihre Elphi, wie das Konzerthaus liebevoll genannt wird. Nun ist es am Westin, es ihr auch darin gleichzutun.

Großes Kino

• Das Hotel Westin Hamburg liegt direkt an der Elbe zwischen Hafencity und Landungsbrücken. Anfragen und Reservierungen telefonisch unter 040/800 01 00 oder www.westinhamburg.com.

• Die Zimmer kosten ab 200 Euro pro Nacht, Suiten ab 1300 Euro. Insgesamt hat das Hotel 195 Zimmer und 39 Suiten.

• Das Restaurant „Saffron“ (17.30 bis 22.30 Uhr) und die Bar „The Bridge“ (8 bis 1 Uhr) sind auch für Nicht-Hotelgäste offen. Besonders zu empfehlen sind der Hamburger High Tea (ab 27 Euro) und das Konzertmenü (55 Euro). Reservierungen unter Restaurant.theWestinHamburg@Westin.com.

Quelle: F.A.Z.
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