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Engadin

Heidiland? Ursliland!

Von Jan Wiele
19.10.2021
, 16:35
Über mehrere Jahre kam Alois Carigiet nach Guarda, um sich dort inspirieren zu lassen von der Geschichte, die Selina Chönz schrieb. Daraus wurde ein Klassiker. Bild: Aus „Schellen-Ursli“ von Alois Carigiet/Selina Chönz, © 1971 Orell Füssli AG, Zürich
Der Schellen-Ursli wird auch jenseits der Schweizer Grenze geliebt, generationenübergreifend. Aber gibt es seine Bilderbuchwelt wirklich? Die Suche führt ins Engadiner Dorf ­Guarda.
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Zuerst müssen wir etwas zum Vornamen Urs sagen. Er bildet, vielleicht nicht zufällig, die Anfangsbuchstaben des Wortes „Urschweizer“. Und in einem satirischen Buch des Schriftstellers Alex Capus mit dem Titel „Mein Nachbar Urs“ lautet der erste Satz: „Ich habe fünf Nachbarn, die mit Vornamen Urs heißen.“ Das will ja wohl etwas bedeuten.

Aber hier soll es ja nicht um Urs, sondern um Ursli gehen. Also um den Urschweizer en miniature. Die Miniatur an sich scheint wiederum sehr schweizerisch – das ist nicht nur ein Klischee. Ursli ist somit vielleicht der Inbegriff des Urschweizers. Wer daran Zweifel hegt, muss eine beliebige Person aus der Schweiz mit dem Namen konfrontieren. Ziemlich sicher wird sie daraufhin den Titel eines Kinderbuches ausrufen: „Ah, Schellen-Ursli!“ Für die Nichtschweizer gibt es zur Einordnung eine Hilfestellung. Ein anderer Zeitungsartikel bezeichnete Schellen-Ursli einmal als „die Engadiner Antwort auf Heidi“.

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Ursli ist allerdings, anders als zu vermuten, nicht das, sondern der Ursli. Die Versächlichung, die bei Heidi inzwischen umstritten ist, blieb dem Ursli erspart. „Das ist der Ursli, schaut ihn an, ein Bergbub wie ein kleiner Mann! Gradauf wie eine Bergesspitze steht auf dem Kopf die Zipfelmütze“, heißt es in dem Buch, das ihn berühmt gemacht hat. Und dann gibt es auch noch ein Buch über Urslis Schwester, „Flurina und das Wildvöglein“, sowie eines, in dem beide gemeinsam ein Lawinen-Abenteuer bestehen: „Der große Schnee“.

Blick von Guarda ins Inntal Bild: Jan Wiele

Die drei Bücher, die zusammen den Frühling, den Sommer und den langen Winter in einem Bergdorf umspannen und auch als „Engadiner Trilogie“ bezeichnet werden, beschwören eine Welt herauf, angesichts deren sich vielleicht schon manche gefragt haben: Gibt es sie auch wirklich irgendwo? Das möchten wir herausfinden. Wir lassen also Zürich links liegen und auch Chur, ignorieren alle Wegweiser zum Freizeitpark Heidiland, die hier die Straße säumen, und fahren über den Flüelapass nach Guarda.

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Seht Euch das Haus von nahe an

Es ist ein Dorf von besonderer Schönheit, gerade wenn es im Spätlicht liegt, fast 1700 Meter hoch über dem Inntal zwischen Piz Buin und Piz Nuna. Und es ist fast verrückt, was man hier schon auf den ersten Blick alles wiederzuerkennen glaubt, wenn man das Buch vom Schellen-Ursli vor Augen hat mit den Illustrationen von Alois Carigiet: die Fassaden, die dicken Mauern, die Holztüren, den Steinboden. Gleich die ersten Seiten zeigen ja das Dorf und das Haus von Urslis Eltern, erklärt in einem Reim: „Seht Euch das Haus von nahe an: Alt ist’s, und Bilder sind daran.“

Das „Schellenursli-Haus“ in Guarda Bild: Jan Wiele

Vor einem solchen Engadiner Haus sitzen wir jetzt mit Maria Louise Meier, die alles über das Dorf weiß, auf einer seiner typischen Holz-Sonnenbänke. Sie erzählt erst einmal etwas zur Art dieser Häuser, die verziert sind mit ornamentalen Sgraffiti, einer seit der Renaissance auch ins Engadin exportierten Kratzkunst im Kalk. Sie hebt Sinnsprüche hervor, die an das Haus geschrieben sind, hier meist im rätoromanischen Dialekt. Dazu kommen oft auch noch Darstellungen von Tieren und Fabelwesen, die zur Tugend ermahnen oder Böses abwenden sollten. Auf dem Ortsplan wird das Gebäude, vor dem wir sitzen, bezeichnet als „Schellenurslihaus“. Aber ist es so einfach mit dem Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit? Nicht ganz, erklärt Maria Meier. Alois Carigiet habe sich sozusagen ein ideales Haus zusammengemalt, hat von einem die Tür genommen, vom anderen die Fassade, vom dritten einen Erker, der ihm besonders gefiel.

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Aber wie kam er überhaupt darauf? Die Geschichte vom Schellen-Ursli war ja gar nicht seine, sondern entsprang der Phantasie von Selina Chönz, die aus dem Oberengadin stammte und in Zürich als Kindergärtnerin arbeitete. Dort schrieb sie, so erzählt Maria Meier, zunächst für eine Freundin die folgende Erzählung: Ein Junge vom Dorf bereitet sich mit den anderen Kindern auf das Ereignis des Jahres vor: den Chalandamarz. So nennt man in Graubünden den Umzug der Dorfjugend für Winteraustrieb am 1. März mit allerlei Glocken und Rasseln. Aber Ursli erwischt leider das kleinste Glöckchen, was ihn untröstlich macht. Da fällt ihm ein, dass hoch oben auf dem Maiensäss eine viel größere Glocke liegt, die er sich zu holen beschließt. Nur wird es darüber dunkel und kalt, und er muss die Nacht auf der Hütte verbringen. Die Eltern machen sich große Sorgen, aber am nächsten Morgen kehrt Ursli triumphal ins Dorf zurück und hat beim Umzug die größte Schelle.

Aus einer Zeit des Umbruchs

Selina Chönz, die 1939 den Architekten Iachen Ulrich Könz aus Guarda ge­heiratet hatte und so in das Dorf kam (ihren Namen änderte sie in „Chönz“, um das Romanische zu betonen), fasste bald den Plan, ein Bilderbuch aus der Ursli-Geschichte zu machen. Alois Carigiet kannte sie aus Zürich, er schuf dort zu­nächst Gebrauchsgrafik und Kulissen für das von ihm mitbegründete Cabaret Cornichon. Sie fragte ihn also, aber es wurde kein einfaches Unterfangen, vielleicht auch, weil Carigiet sich zu dieser Zeit im Umbruch zum Kunstmaler befand. Und weil er, während außerhalb der Schweiz der Zweite Weltkrieg tobte, der Stadt und der Moderne so wie die Autorin den Rücken kehrte und in den Bergen „zu den Wurzeln meines Seins“ zurückfinden wollte.

„Im Augenblick, ihr seht es hier, steht er vor der geschnitzten Tür“: Ursli kommt am Ende glücklich wieder nach Hause. Bild: Aus „Schellen-Ursli“ von Alois Carigiet/Selina Chönz

Jedenfalls kam Carigiet ab 1940 über mehrere Jahre immer wieder nach Guarda zu Besuch, um sich dort inspirieren zu lassen. In seinem Tagebuch notierte er Eindrücke aus seinem „winzigen Dach­stübchen“ von der Arbeit: „Das Fenster ist nur klein. Trotzdem finden in ihm alle Dächer von Guarda Platz, der Dorfbrunnen, die Sonne, eine Bergkette, ein Raubvogel, der vorüberstreicht, und wenn es sein muss, ein ganzer Schneesturm.“

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Die Freiheit zu tun, was man will

Hier klingen Motive auch schon aus den weiteren Büchern der Gemeinschaftsproduktion Chönz-Carigiet an. Aber ihnen den Weg gebahnt hat „Schellen-Ursli“: 1945 dann erschien das fertige Buch – mit deutschem Text. Den Urtext hatte Selina Chönz allerdings, auch das gehört zu dieser Schweizer Geschichte, in ihrem Dialekt des Oberengadiner Rätoromanischen verfasst, dem „Putér“. Aber ohnehin war das Buch bald so erfolgreich, dass es in viele Sprachen übersetzt wurde. Die romanische Version, deren Titelheld „Uorsin“ heißt, erschien bereits ein Jahr später.

Hinter der Tür, die Alois Carigiet inspiriert hat, liegt heute eine Ferienwohnung. Bild: Jan Wiele

Die Holztür vom Titelblatt des Buches stammt von einem Haus, das heute an Feriengäste vermietet wird. Maria Meier gibt an einem kleinen Tresor einen Zahlencode ein. Gerade, als wir schon denken, das passt aber gar nicht zu Ursli, holt sie aus dem Tresor einen alten, fast grotesk großen Eisenschlüssel, den sie uns in die Hand drückt. Und der schließt Urslis Tür auf. Wofür die Geschichte des Schellen-Ursli in ihren Augen am meisten stehe, fragen wir Maria Meier dann noch. „Für Freiheit“, sagt sie - „Freiheit, das tun zu können, was man will.“

Höchste Zeit für uns, das einmal nachzuempfinden. Guarda hat nämlich extra einen Ursli-Wanderweg eingerichtet, dessen Wegweiser mit einem kleinen Bild des Zipfelmützenbuben an den Häuserecken aus dem Dorf hinausführen. Nun muss man dazusagen: Es handelt sich bei den knapp drei Kilometern eher noch um einen Spaziergang, der vor allem für Familien gedacht ist – andererseits aber durchaus über Stock und Stein geht („nicht kinderwagentauglich“, steht auf dem Schild).

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Urslis Entschlossenheit

Nachdem der Weg von einem Weidenrand abknickt und in einer Art Graben steil nach oben verläuft, kommt man schließlich am Waldrand wieder heraus und steht plötzlich vor einer Holzbohlenbrücke, die an Drahtseilen zwischen zwei Bäumen gespannt ist. Die Schlucht, die das Buch großartig schwindelerregend darstellt, muss man sich hier dazudenken – aber es hat doch etwas für sich (ja, selbst für Erwachsene!), sich schwankend auf den Bohlen Urslis Entschlossenheit besser vorzustellen: „Schon macht er schnell sich auf den Weg / Und fürchtet weder Wald noch Steg.“ Der Weg führt dann gemütlich ins Dorf zurück, aber wer mehr will, könnte hier auch den Ursli-Trail verlassen und eine ordentliche Hüttenwanderung zur Alp Sura oder zur Alp Laret beginnen, die ein paar hundert Meter höher liegen.

Es begegnet uns jetzt eine Frau mit Hund, die wirkt, als kenne sie sich hier aus. Auch sie sprechen wir sofort auf Ursli an. Sie lächelt, ja, natürlich sei auch sie, obwohl nicht im Dorf geboren, mit der Geschichte, mit den Bilderbüchern aufgewachsen. Und der Chalandamarz sei immer noch wichtig für Kinder, bis heute. Trotzdem hat die Moderne – die ja in diese Bücher nie recht eindringt – doch einiges verändert, wenn man der Frau so zuhört.

Die Schlucht muss man sich dazudenken, aber der „Schellenursli-Weg“ rund um Guarda ist nicht nur für Kinder interessant. Bild: Jan Wiele

Sie kommt dann aber auch bald darauf zu sprechen, dass heute immer weniger Menschen im Dorf Ziegen oder überhaupt Vieh hielten. Was die Lawinengeschichte angeht, erzählt sie, gebe es heute Sprengmasten oben am Ciampatsch, die man per Fernzündung auslösen könne und damit die Schneemassen kontrollieren. Anderseits sei Mitte der Neunzigerjahre auf der anderen Seite des Inntals eine so riesige Lawine niedergegangen, dass man die Folgen am Wald noch heute sehe. Und während Ursli ja heil heimkehre, sei bei vielen Jugendlichen, die das Dorf für Schule, Ausbildung oder Studium verlassen, heute auch die Gefahr, dass sie gar nicht mehr zurückkämen.

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Die Bekanntheit des Dorfes habe auch dazu beigetragen, sagt sie dann noch, dass Häuser, wenn sie zum Verkauf stehen, an die Meistbietenden verkauft werden – und das seien oft nicht die Ansässigen, sondern Menschen von weit her, die dann vielleicht drei Wochen im Jahr in Guarda seien. Dieses Problem kennt man in der Schweiz überall, wo es wie im Bilderbuch aussieht.

„Schon macht er schnell sich auf den Weg / Und fürchtet weder Wald noch Steg“: Der Schellen-Ursli nimmt große Gefahren auf sich, um zu der größten Glocke zu gelangen. Bild: Aus „Schellen-Ursli“ von Alois Carigiet/Selina Chönz, © 1971 Orell Füssli AG, Zürich

Die Nachdenklichkeit, mit der wir ins Dorf zurückkehren, wird noch verstärkt durch eine der romanischen Inschriften, die hier viele Häuser zieren und manchmal die sie Lesenden direkt ansprechen: „Da tuot chels chi passan, chi est tü?“ („Von allen, die vorbeigehen, wer bist du?“) Als Teil des Tourismus muss man sich auch zwangsläufig die Frage stellen, wie viel davon eigentlich gut ist für so ein Dorf. Auf der Homepage von Guarda heißt es bereits: „Im Sommer bringen Autobusse täglich mehr Touristen nach Guarda, als das Dorf Einwohner hat.“ Ist das gesund, oder wird so auch Guarda zum Freizeitpark?

Dass der Tourismus für Guarda wichtig sei, sagt Maria Meier, das haben mittlerweile alle gemerkt, auch Landwirte und Handwerker. Ohne Touristen könnten ja die Landwirte ihr Fleisch gar nicht verkaufen, die Handwerker ihre Renovierungen nicht durchführen. Die Bevölkerung wolle aber als arbeitende wahrgenommen werden: „Die Einheimischen wollen hier nicht nur auf Ursli reduziert werden.“

Von Walt Disney verfilmt?

Manche in Guarda scheinen indes voll auf Ursli zu setzen. Ein Hotel hat sogar ein kleines Schellenursli-Museum mit freiem Eintritt eingerichtet, das Szenen und Gegenstände aus dem Buch noch anschaulicher macht: die niedrigen Räume des Engadinerhauses, Melkschemel, Glocken in verschiedenen Größen, die Schlafstätten. Wer jetzt denkt, es sei eigentlich gar nicht nötig, eine Fantasie so mit Realität anzureichern, hat die Rechnung ohne den Kamin mit dem großen Kessel gemacht, der hier auch zu sehen ist. An ihm sitzen Urslis Eltern verzweifelt in der Nacht, in der er nicht nach Hause kommt. Und während man so auf den Kessel starrt, füllen sich die Verse aus dem Buch mit Leben: „Die Mutter weint, es tickt die Uhr. Wo steckt ihr lieber Ursli nur? / Der Vater findet keine Ruh, schnitzt noch für Ursli eine Kuh. / Es schläft das Dorf, sie schlafen nicht / Und warten bang aufs Morgenlicht.“ Es ist auch ein Märchen über die Ängste aller Eltern. Aber zum Glück eines, das gut ausgeht.

Der Reiz dieses Märchens hat, ob einem das gefällt oder nicht, sehr zur Bekanntheit Guardas beigetragen. Bis vor Kurzem hielt sich sogar das Gerücht, Walt Disney habe in den fünfziger Jahren in Guarda den Ursli-Stoff verfilmt. Was zunächst wie aus einem Roman von Christian Kracht klingt, ist, wie eine Journalistin inzwischen herausgefunden hat, immerhin zum Teil wahr. Für Disney machte 1952/53 tatsächlich der Schweizer Regisseur Ernst A. Heiniger Aufnahmen in Guarda und besetzte auch zwei Kinder in den Rollen von Ursli und Flurina, die das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) im hohen Alter im Nachbardorf Bos-cha 2020 wieder aufspürte und interviewte. Die beiden hatten geheiratet. Aber der damals entstandene Film war kein Ursli-Film, sondern eine Art Landeskunde-Doku über die Schweiz, die im Kino im Vorprogramm von „Susi und Strolch“ gezeigt wurde.

Romanische Inschrift an einem Haus in Guarda, übersetzt: „Von allen, die vorbeigehen, wer bist Du?“ Bild: Jan Wiele

Tatsächlich zu einem Kinofilm wurde „Schellen-Ursli“ dann 2015. Der Film von Xavier Koller wurde zwar größtenteils gar nicht in Guarda gedreht, schürte aber zunächst die Ängste der Dorfbewohner, so Maria Meier, sie könnten aufgrund dessen Popularität bald regelrecht überrannt werden. Das sei aber zum Glück nicht eingetreten. Ohnehin, sagt sie, ändere sich im Tourismus ständig etwas. Zum Beispiel sei der einst sehr populäre Verkehr auf dem Höhenwanderweg durch Guarda fast ein bisschen eingeschlafen – „dafür sind jetzt die Fahrradfahrer da“. In ihrer lustigen Miene steckt die Gelassenheit, was auch kommt, hier schon schaukeln zu können: Auch das ist wohl Ursli-Mentalität.

Wie wir am nächsten Tag so in Guarda in der Sonne sitzen, behütet von den dicken Mauern und alten Sprüchen, denken wir noch einmal über Urslis Geschichte nach. Sie hat ja auch eine kritische Rezeption erfahren, weil sie einen rückwärtsgewandten „Landigeist“ verkörpere. „Heile Natur, ein Brauchtum, das als ‚uralt‘ empfunden wird, kurzum, die nationale Identität, die sich an bäuerliche Scheinidyllen klammert, hat hier geradezu ein neues Emblem erhalten“, hieß es einmal in einem Aufsatz. Daran mag auch etwas Wahres sein. Und womöglich rührt ja auch gerade daher der Eindruck, Ursli sei urschweizerisch. Seinen Freiheitsdrang könnte man womöglich auch negativer als Dickköpfigkeit deuten – oder?

Umgebungskarte von Guarda im Engadin Bild: F.A.S.

Aus kindlicher Sicht aber, und die scheint doch hier entscheidend zu sein, geht es in der Geschichte um Geborgenheit. Es geht darum, einen Kinderglauben zu bewahren: dass alles gut wird. Den kann man – und sei es auch nur durch Glück mit dem Wetter oder eine touristische Illusion – in Guarda durchaus wiedergewinnen. Im Buch zeigt er sich vor allem an der märchenhaften Schlussszene, die, so haben es manche gesehen, einen Traum darstellt. Ursli sitzt glücklich vereint mit den Eltern am Esstisch und streckt einen Finger in die Luft, das Kind ist König.

Dazu heißt es: „Der Vater ist nun auch zufrieden. Die Mutter bringt Kastanienriebel / Und obenauf geschwungnen Nidel“ – also Kastanienbrei mit Schlagsahne. Auch zu dieser Szene hatte uns Maria Meier noch etwas erzählt – nämlich, dass es in der Gegend von Guarda eigentlich gar keine Kastanien gebe. Da müsse Selina Chönz wohl eher an ihre Heimat im Oberengadin gedacht haben beim Schreiben. Oder es gibt Kastanien mit Schlagsahne vielleicht einfach nur im Märchen.

Weg nach Guarda

Anreise: Guarda erreicht man mit dem Auto von Westen über Davos, von Osten aus Tirol oder dem Vinschgau. Mit dem Zug ist zu beachten, dass vom Bahnhof Guarda bis zum Dorfkern ein steiler Fußweg von knapp zwei Kilometern zurückzulegen ist. Der Postbus verkehrt zwischen Scuol und dem Ortskern Guardas (postauto.ch).

Unterkunft: Hotel Meisser in Guarda (hotel-meisser.ch) zwischen 100 und 500 Franken pro Nacht, Hotel Guarda Lodge ab ca. 140 Franken pro Nacht (guardalodge.ch), Ferienwohnung in Guarda (chasaarpiglia.ch) ab 100 Franken pro Nacht oder um 800 Franken pro Woche (ferienwohnung-guarda.ch). Der nächste öffentliche Campingplatz befindet sich in Scuol (13. Mai bis 24. Oktober, ab 31 Franken, auch Glamping-Unterkünfte vorhanden, tcs.ch).

Wandern: Der Schellenursli-Weg rund um Guarda (ca. 3 km) ist familien-, aber nicht kinderwagentauglich. Eine längere Wanderung mit Hüttenübernachtung von Guarda aus führt zur Chamonna Tuoi CAS (tuoi.ch).

Weitere Infos unter myswitzerland.com und engadin.ch

Literatur: Die „Engadiner Trilogie“ von Selina Chönz und Alois Carigiet besteht aus den Bilderbüchern „Schellen-Ursli“, „Flurina und das Wildvöglein“ und „Der große Schnee“ (Verlag Orell Füssli).

Quelle: F.A.S.
Jan Wiele
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