FAZ plus ArtikelWandern auf der Römerstraße

Zweitausend Jahre unter uns

Von Stefan Nink
Aktualisiert am 26.07.2020
 - 08:38
Historisches Pflaster: der Ausoniusweg in Rheinland-Pfalz.zur Bildergalerie
Wenn man sie nicht wegasphaltiert, verschwinden alte Wege nur selten: Der Ausoniusweg führt nicht nur von Bingen nach Trier, sondern auch sehr weit zurück in die Geschichte.

Später am Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht und Zweige und Blätter das Licht in schmale Korridore auffächern, wenn sich der Luftdruck um eine Nuance verändert, die Temperatur oder irgendeine andere Komponente in der Atmosphäre – wenn man in so einem Moment auf einem passenden Abschnitt unterwegs ist, liegt sie plötzlich vor einem, die alte Straße.

Das antike Pflaster schimmert, als wolle die Sonne seine Konturen hervorheben, man erkennt die leichte Wölbung des Weges und die Gräben links wie rechts, und natürlich möchten gewisse neurologische Schaltkreise da oben im Zwischenhirn jetzt gerne wieder einen ihrer Taschenspielertricks präsentieren, das haben sie in den vergangenen Stunden schon mehrmals gemacht: Das ferne Rauschen der Bundesstraße verschwindet und nimmt den Rest der Gegenwart gleich mit. Das Blickfeld verengt sich, bis nur noch das Pflaster vor einem existiert. Die Stimmen sind ebenfalls wieder da, leise, unverständliche Gesprächsfetzen und etwas, das sich wie Pferdewiehern anhört. Und dann stehen dreißig Sekunden später und fünfzig Meter weiter die Bäume dichter, und die Gegenwart kehrt zurück. Das Licht verändert sich, die Stimmen verhallen, und über dem Pflaster liegt der Sand. Der Ausoniusweg sieht wieder aus wie ein normaler Forstweg. Und nicht wie eine Straße, die zweitausend Jahre alt ist.

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Auf Ausonius’ Spuren durch Rheinland-Pfalz

Reiseführer „Die Ausoniusstraße“ von Uwe Anhäuser (Rhein-Mosel-Verlag, 9,90 Euro) ist ein fundierter Begleiter für eine Wanderung auf der alten römischen Route. Das gerade erschienene „Handbuch für Zeitreisende“ von Kathrin Passig und Aleks Scholz (Rowohlt, 20 Euro) gibt augenzwinkernde Tipps für Mutige, die zurückliegende Epochen besuchen möchten.

Zwischenstopp Der Archäologiepark Belginum (bei Wederath an der B 50) zeigt römische Funde in einem Museum auf dem Gelände einer antiken Siedlung an der Ausoniusstraße (belginum.de).

Endpunkt Das von Ausonius gepriesene Neumagen-Dhron ist auch heute ein schönes Städtchen, in dem es neben empfehlenswertem Wein auch etliche römische Fundstücke wie einen Leugenstein gibt. Und ganz ausgezeichnetes Pistazieneis im Café gegenüber der St.-Peters-Kapelle.

Quelle: F.A.S.
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