Ansteckungsweg unklar

39 Jahre alter Frankfurter mit Affenpocken infiziert

Von Monika Ganster
25.05.2022
, 15:05
Ihr Labor konnte das seltene Virus zweifelsfrei nachweisen: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek
Gesundheitsminister Klose beruhigt: Das Ansteckungsrisiko der Bevölkerung mit Affenpocken sei eher gering. Der Einzelfall in Frankfurt werde jedoch aufmerksam verfolgt.
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In Frankfurt hat sich ein 39 Jahre alter Mann mit Affenpocken infiziert. Wo und wie er sich infiziert hat, ist noch unklar, hat der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Peter Tinnemann, am Mittwoch mitgeteilt.

Entdeckt wurde der Fall, weil sich der Patient mit Grippesymptomen und einem unklaren Hautausschlag bei einem niedergelassenen Arzt vorgestellt hat, der die Infektion am Institut für medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt abklären ließ. Dort konnte das Labor von Virologin Sandra Ciesek das seltene Virus zweifelsfrei nachweisen.

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Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) betonte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass das allgemeine Infektionsrisiko bei dieser Erkrankung „eher als gering“ einzuschätzen sei. Dennoch sei zu diesem Zeitpunkt eine Aufklärung der Bevölkerung wichtig, um auftretenden Ängsten vorzubeugen.

Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost

Das Gesundheitsamt steht mit dem 39 Jahre alten Mann in Kontakt. Es gehe ihm, „wie man sich eben bei so einer Virusinfektion fühlt: Er hat Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost“, zählt Tinnemann die gängigen Symptome auf. Dazu kämen Hautveränderungen, die sich laut Robert-Koch-Institut vom Fleck bis zur Pustel entwickeln können, letztlich verkrusten und abfallen. Der Ausschlag konzentriert sich demnach in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen.

Der Patient müsse sich jetzt 21 Tage lang isolieren, sagte Tinnemann. So lange dauert auch maximal die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftauchen erster Symptome. Behandelt würden nur die Symptome, die in der Regel von alleine abklängen. Es gebe Hinweise darauf, dass eine Pockenimpfung zu einem leichteren Krankheitsverlauf führe. Um Missverständnisse auszuschließen, präzisierte Ciesek: „Eine Windpockenimpfung ist damit nicht gemeint, das ist ein Herpes-Virus und wieder etwas anderes.“

Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop
Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop Bild: dpa

Das Gesundheitsamt verfolgt nun die Kontakte des 39 Jahre alten Mannes, um die Verbreitung der Affenpocken rasch eindämmen zu können. Er habe keine Veranstaltungen besucht und sei auch in letzter Zeit nicht gereist, hieß es. Insofern muss das Rätsel der Ansteckung des Frankfurter Patienten noch gelöst werden.

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Das Virus, das bisher in mehr als zehn Ländern nachgewiesen worden sei, habe mit dem Coronavirus wenig gemein: Es mache weniger krank und sei weitaus weniger ansteckend, erläuterte Ciesek. Außerdem werde es nur durch direkten, längeren Hautkontakt übertragen, nicht über die Luft wie Sars-Cov2.

„Corona ist ein RNA-Virus, Affenpocken ein DNA-Virus“, beschreibt Ciesek einen weiteren Unterschied. RNA-Viren seien „mutationsfreudiger“, sie veränderten sich häufiger und vielfältiger. Insofern sei es eine gute Nachricht, dass es sich bei Affenpocken um einen DNA-Virus handele. Es lägen auch schon erste Sequenzierungen vor, also detaillierte Untersuchungen des Virus, die auf geringe Abweichungen gegenüber einem Stamm von 2018 hinwiesen. Allerdings gäbe es auch Mutationen, die zum Beispiel eine veränderte Übertragung zur Folge haben könnten „Aber das muss alles noch untersucht werden.“

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Mit dem Übergang eines Virus vom Tier auf den Menschen werde man in den nächsten Jahrzehnten noch häufiger zu tun haben, sagte die Virologin. Dafür sei der Mensch verantwortlich - Globalisierung, der Klimawandel und die Zerstörung von Lebensräumen von Wildtieren tragen dazu bei, so Ciesek. Und: je mehr Personen sich infizierten, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Virus auch verändern könne.

Nagetiere sollen bei der Übertragung auf den Menschen eine wichtige Rolle spielen. Ciesek nannte ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten: Dort infizierten sich 2003 insgesamt 70 Personen mit Affenpocken, nachdem das Virus von aus Afrika importierten Hamsterratten über Präriehunde, mit denen sie zusammen gehalten worden waren, auf den Mensch übersprang. Eine äußert seltene Verkettung. „Niemand braucht jetzt zuhause Angst vor seinem Hamster haben“, betont Ciesek.

Bislang seien nur 228 Fälle auf der Welt bekannt, dazu kämen 82 Verdachtsfälle, so Ciesek. Insbesondere die Hautveränderungen könnten anfangs mit einer Gürtelrose verwechselt werden. Derzeit können nur zwei Labore in Hessen, in Frankfurt und Marburg, das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachweisen. Das Robert-Koch-Institut informiert aktuell auf rki.de/affenpocken.

Quelle: F.A.Z.
Monika Ganster- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Monika Ganster
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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