Weg von der Straße

Frankfurt und ich, Folge 5: Ex-Obdachloser Thomas Adam, 11.11.2017



„Mädels, wenn ich zehn Jahre trocken bin, lasse ich mir so ein Kleeblatt auf den Hals tätowieren“. Jahr für Jahr, Tag für Tag war literweise Schnaps durch diesen Hals geflossen. Der damals noch alkoholabhängige und obdachlose Thomas Adam bekam von den Krankenschwestern des Bürger-Hospitals nach der Entgiftung ein Kleeblatt geschenkt, in der Hoffnung, dass er den Sprung zurück ins Leben schaffen würde.

Video: F.A.Z.

Adam hat es geschafft. Weg von der Straße. Weg vom Alkohol. An den Tag, an dem er entschied, dass es so nicht mehr weitergehen konnte, kann er sich noch gut erinnern. Er saß in der Straßenbahn, ein Junge rief seiner Mutter zu, dass er sich auf keinen Fall zu diesem „Penner“ setzen wolle, so ekelhaft wie der stinke. Da, so sagt er heute, sei ihm klar geworden, dass er sich noch einen Versuch schuldig sei, „aus der Nummer rauszukommen“.

Die Lieblingsorte

Adam nahm in der Folge jede angebotene Hilfe an, von der Stadt, der Kirche, anderen Institutionen, und kämpfte sich zurück. Nicht immer ohne Probleme. Aber er blieb dran. Heute, mehr als zehn Jahre später, sitzt er zufrieden in seiner eigenen Wohnung im Stadtteil Oberrad. Auf Stadtführungen durch das Bahnhofsviertel und sein ehemaliges „Bettelgebiet“ rund um den Römer erzählt er interessierten Menschen seine Geschichte. Geschichten von der Straße, vom Hinfallen und Wiederaustehen.

Lieblingsplatz: Eiserner Steg


Idee & Konzept: Andreas Krobok
Redaktion: Matthias Alexander, Andreas Krobok
Video: Daniel Blum, Andreas Brand, Kathrin Jakob, Johannes Krenzer
Multimedia: Carsten Feig

15.11.2017
Quelle: FAZ.NET