Opel macht Impf-Angebot

Sieben Mal so viele Corona-Kranke beatmet wie Anfang Oktober

Von Thorsten Winter
25.11.2020
, 14:40
Fast 200 neue Corona-Fälle weniger als vor einer Woche verzeichnet Hessen. Dagegen ist die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 abermals gestiegen. Zudem werden mehr Kranke beatmet. Opel macht derweil ein Angebot für Impfungen.

Das Corona-Infektionsgeschehen bleibt in Hessen auf einem hohen Niveau. Allerdings bleiben die Neuinfektionen deutlich unter den Spitzenwerten aus dem November. Das gilt auch für den Ballungsraum Rhein-Main, nachdem Frankfurt am Dienstag noch mit mehr als 500 gemeldeten Neuinfektionen aufgefallen war. Umgekehrt meldet das Robert-Koch-Institut einen auch im bundesweiten Vergleich auffallend hohen Wert an weiteren Corona-Opfern. Deutschland meldet einen Höchstwert.

Weiter aufwärts zeigt sich die Kurve mit Blick auf die Corona-Kranken in hessischen Kliniken und dabei auch auf die beatmeten Patienten. Nach 1628 Covid-19-Patienten vor einer Woche betreuen die Krankenhäuser nunmehr fast 100 mehr. Die Zahl der Beatmeten ist von 327 auf 371 gestiegen. Das sind gut sieben Mal so viele wie Anfang Oktober. „Derzeit gibt es 281 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, teilt das Sozialministerium der F.A.Z. Ob es auch genügend qualifiziertes Personal für diese Betten gibt, steht dahin. Vor einigen Tagen zeigte sich der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Frankfurt wegen Personalmangels besorgt.

200 neue Fälle weniger als vor einer Woche

Wie das für die Seuchenbekämpfung federführende Robert-Koch-Institut meldet, hat es über Nacht 1363 neue Fälle in Hessen verzeichnet. Das sind fast 200 weniger als am Vortag – in der Vorwoche gab es 1567 Neuinfektionen. Der bisherige Rekord datiert vom 20. November und liegt bei 2325 Neuinfektionen. Das sind 7,3 Prozent der im Bund gemeldeten Neuinfektionen, während Hessen auf einen Bevölkerungsanteil auf acht Prozent kommt. 79.260 Menschen in Hessen haben sich seit Beginn der Pandemie offiziell mit dem Coronavirus angesteckt. Nur die deutlich größeren und bevölkerungsreicheren Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg weisen höhere Zahlen auf, Niedersachsen dagegen weniger, obwohl es erheblich mehr Einwohner hat.

Die Zahl der Corona-Opfer summiert sich nach Angaben des kurz RKI genannten Bundesinstituts auf 1111. Das sind 40 mehr als am Dienstag und nicht nur für Hessen selbst ein sehr hoher Wert. Die 40 Todesopfer machen knapp ein Zehntel jener in ganz Deutschland aus. Etwa 51.400 Infektionen gelten mittlerweile als ausgestanden, 1800 mehr als am Vortag. Allerdings schätzt das Robert-Koch-Institut diese Zahlen nur. Wer nach 14 Tagen nicht ärztlich behandelt wird, gilt als genesen. Etwa 26.750 Fälle sind noch aktiv.

Offenbach bleibt Hotspot

In Frankfurt und Offenbach stagniert die sogenannte Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist verzeichneten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern, auf hohem Niveau. Schülervertreter fordern Hybrid-Unterricht mit geteilten Klassen und machen Angst vor Ansteckungen geltend. Falls ihre Forderungen nicht ernstgenommen werden, wollen sie streiken, sie es heißt.

Für Offenbach, das vom RKI zu den 15 Großstädten und Kreisen mit der bundesweit höchsten Inzidenz gezählt wird, steht ein Wert von gut 279 zu Buche, nachdem er in der jüngeren Vergangenheit schon deutlich über der Marke 300 gelegen hatte. Frankfurt kommt auf 224 und der Landkreis Offenbach auf 223. Weite Teile Hessen liegen weiter auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Ausnahme ist die Bergstraße, sie ist über Nacht unter die kritische Marke 50 gerutscht.

Für Frankfurt stehen 185 neue Fälle und weitere 13 Todesopfer zu Buche. Den steilen Anstieg der Neuinfektionen am Dienstag erklärte das Gesundheitsdezernat der F.A.Z. mit dem Umstand, dass eine große Anzahl an Testergebnissen aus den Laboren binnen kurzer Zeit habe in die Dateien eingepflegt werden müssen. Dies habe einen Stau verursacht. In Hessen liegt die Inzidenz mit gut 171 Fällen binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt von zuletzt 142.

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel möchte beim Aufbau von Corona-Impfzentren helfen und bietet zu diesem Zweck eigene Werksflächen an. Das Angebot gilt sowohl für den Stammsitz Rüsselsheim als auch für die Standorte Eisenach und Kaiserslautern. „Mit großen Werkshallen und Parkflächen sowie einer guten Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz verfügen unsere Standorte über hervorragende logistische Voraussetzungen, um den Impfprozess gezielt zu unterstützen und zu erleichtern, sobald ein Impfstoff verfügbar sein wird“, sagte Firmenchef Michael Lohscheller der dpa.

Der Kampf gegen Covid-19 sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die deutsche Peugeot-Schwester hat Platz in ihren Werken. Besonders das Stammwerk ist zu groß, wie Opel schon in der Vergangenheit mehrmals hervorgehoben hat. Jüngst stellten sich Rüsselsheimer Stadtpolitiker gegen den Plan, Flächen an Ikea weiterzureichen.

„Die 7-Tage-Inzidenz liegt in den Bundesländern Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen über der bundesweiten Gesamtinzidenz“, mahnt das RKI nach wie vor. Der zentrale Corona-Kennwert in der älteren Bevölkerung nimmt demnach weiter zu. Da ältere Menschen häufiger einen schweren Verlauf durch Covid-19 aufwiesen, steige ebenso die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen. Das RKI spricht dabei einem diffusen Infektionsgeschehen, das heißt: Klare zentrale Ausbrüche des Virus mit vielen Betroffenen sind die Ausnahme.

Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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