Ausstellung in Mainz

Macht und Glanz früherer Herrscher

Von Markus Schug und Samira Schulz (Fotos)
13.09.2020
, 11:10
Alles in Gold: Details eines reich verzierten Klappstuhls aus Rülzheim
Das Landesmuseum Mainz erinnert an die Kaiser des Mittelalters und den Königsmacher Willigis. Kulturstätten in Kaub, Worms, Speyer und Gelnhausen beteiligen sich daran. Und in Mainz ist ein 1000 Jahre alter Sarg zu sehen.
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Ein zerfledderter Pontifikalschuh aus Leder, der dem 1021 im Alten Dom begrabenen Erzbischof Erkanbald zugeschrieben wird, gehört zu den wenigen vorzeigbaren Zeugnissen aus jener goldenen Zeit, in der von Mainz aus Weltpolitik gemacht wurde. Es war eine glanzvolle Epoche, die bis heute eng mit dem Namen eines Aufsteigers verbunden ist: Erzbischof Willigis. Denn ihm war es zu verdanken, dass „Aurea Moguntia“ im Hochmittelalter eine solch herausragende Stellung innerhalb des Heiligen Römischen Reiches einnahm; und noch dazu eine Krönungsstätte geworden war, an der im Jahr 1002 zunächst Heinrich II. sowie 1024 dann auch Konrad II. von Willigis beziehungsweise dessen Nachfolger Aribo zu Königen gemacht wurden. Kein Wunder also, dass die auf römischen Fundamenten errichtete älteste Kirche von Mainz, die nach den Wirren der französischen Besetzung im Jahr 1828 an die seinerzeit Räume suchende evangelische Gemeinde verkauft worden war, nun als Korrespondenzort für die Kaiser-Ausstellung genutzt wird, die seit Mittwoch im Landesmuseum zu sehen ist.

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Die Schau hat das Zeug dazu, Menschen in Rheinland-Pfalz und vor allem Besucher des Rheintals in einen „Kaiserrausch“ zu versetzen. Nicht nur wegen der fast 300 zum allergrößten Teil glänzenden Exponate, die von mehr als 80 Leihgebern stammen und unter der Überschrift „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ bis Mitte April im Haus an der Großen Bleiche gezeigt werden, sondern auch wegen der 15 sehenswerten Entdeckungsorte, die zum Gesamtkonzept gehören. Konkret beteiligen sich etwa die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub, das Kloster in Lorsch, die beiden Kaiserdom-Städte Worms und Speyer, aber auch die Pfalzen in Ingelheim und Gelnhausen aktiv daran, Interessierten rund 500 Jahre Mittelalter begreiflich zu machen – inklusive aller dazugehörigen Machtkämpfe von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa.

Beziehungsgeflechte und Netzwerke darstellen

Dabei geht es den Kuratoren nicht darum, einzelne Kaiser hervorzuheben und zu porträtieren. Vielmehr sollen das Beziehungsgeflecht und die Netzwerke jener Oberschicht aus Rittern, Fürsten und Kirchenmännern dargestellt werden, die zwischen dem achten und zwölften Jahrhundert wohl keine zehn Prozent der Bevölkerung ausgemacht haben dürften. Tagelöhner und Kleinbauern kommen in der für zwölf Euro Eintritt zu besuchenden Sonderschau zwar auch vor – ihrem Stand entsprechend allerdings nur am Rande.

Im Mittelpunkt stehen andere Personen und Dinge. So zum Beispiel die goldglänzende Willigis-Kasel, ein um 1000 nach Christus gefertigtes liturgisches Gewand byzantinischer Herkunft, das später aus dem Grab des Erzbischofs entnommen wurde. Zu den herausragenden Stücken gehören auch die erstmals nach 225 Jahren wieder nach Mainz zurückgekehrte „Goldene Bulle“, eine bei Kanalarbeiten um 1880 in der Innenstadt entdeckte Große Adlerfibel, die Heidelberger Liederhandschrift „Codex Manesse“, die Weingartner Welfenchronik, das Armreliquiar Karls des Großen und der Cappenberger Barbarossakopf sowie jede Menge goldener Prunkkelche und reich verzierter Kreuze.

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Grabungs- und Bauarbeiten in einer Kirche

Ganz anders präsentieren sich dagegen die meisten Korrespondenzorte, zu denen in Mainz auch der Isis-Tempel im Untergrund der Römerpassage sowie das Dom- und Diözesanmuseum zählen. Die immer noch von Grabungs- und Bauarbeiten geprägte Johanniskirche etwa, die bei freiem Eintritt nur in kleinen Gruppen betreten werden darf, möchte als „authentischer Ort“ wahrgenommen werden. Begleitend zur Kaiser-Ausstellung im Landesmuseum, soll die Kirche am Leichhof im Winterhalbjahr samstags von 10 bis 17 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr und dienstags von 14 bis 20 Uhr zugänglich sein.

Aus den steinernen Zeugnissen verschiedener Epochen ragt ein Objekt unverkennbar hervor: der bald 1000 Jahre alte Sarkophag des Erzbischofs Erkanbald. Seine mitten in der Kathedrale plazierte letzte Ruhestätte war von Forschern im vergangenen Sommer kurz geöffnet worden, ist inzwischen aber wieder fest verschlossen.

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Infos unter www.kaiser2020.de.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schug, Markus
Markus Schug
Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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