Tod auf den Bahngleisen

Das Leben für eine Abkürzung geopfert

Von Thorsten Winter
28.04.2022
, 17:34
Unglücksort: Auf dem Bahnhof Großen-Linden nahe Gießen fanden zwei Frauen aus dem Raum Kassel den Tod
Video
Immer wieder lassen Menschen aufgrund von Leichtsinn an Bahnanlagen ihr Leben, so wie am Dienstag in Mittelhessen. Bahn und Bundespolizei wollen mit Informationskampagnen vorbeugen. Etwa mit eindringlichen Videoclips.
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Auch gut einen Tag nach dem Unglück mit zwei Toten erinnert auf dem Bahnhof Großen-Linden nichts an die schicksalhaften Minuten vom Dienstagabend. Nicht einmal Blumen liegen in Erinnerung an die Opfer an den Bahnsteigen. Der kleine Bahnhof unweit von Gießen wirkt wie immer. Nur wenige Fahrgäste warten dort auf ihren Zug. Falls Sie von dem Vorfall wissen, lassen sie sich nichts anmerken. Gegen 21.45 Uhr hatte am Dienstag ein aus Treysa in Richtung Frankfurt fahrender Regionalzug eine aus dem Raum Kassel stammende 55 Jahre alte Frau und ihre 20 Jahre alte Tochter erfasst und tödlich verletzt. Beide Frauen sowie die 19 Jahre alte Tochter hatten zuvor die Gleise betreten, um einen Zug am anderen Bahnsteig zu erreichen. Der Regionalzug fuhr mit rund 160 Kilometern in der Stunde.

Auch die Polizei in Mittelhessen muss immer wieder nach solchen Unfällen ausrücken. Zuletzt war das in der Region im August 2020 der Fall gewesen. Seinerzeit war nahe Niederweimar bei Marburg eine Schülerin hinter einem stehenden Zug auf die Gleise getreten und von einer heran rauschenden Bahn erfasst worden. Die Bundespolizei hat seit 2019 in Hessen 36 solcher Unglücke gezählt, die Leichtsinn geschuldet waren. Für 2016 hatte das Statistische Landesamt alleine 39 Unfälle mit Todesfällen an Bahnhöfen und -übergängen vermerkt, die die Bundespolizei nicht registriert.

Info-Kampagne zu Sicherheit an Gleisen

In anderen Bundesländern sind ebenfalls immer wieder solche Unglücke zu beklagen wie jenes in Großen-Linden. Angesichts dessen und um aufzuklären, hat die Deutsche Bahn in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei eine Reihe von Informationskampagnen ins Leben gerufen. Sie richten sich sowohl an Erwachsene wie an Jugendliche und Kinder, denen der kleine Basecap-Träger Oli zeigt, wie sie mit der Bahn und an Bahnhöfen sicher unterwegs sind. „Bahnanlagen sind kein Spielplatz“, lautet eine Kampagne, „Sicher drüber am Bahnübergang“ eine weitere. Die Bahn hat dazu eine Reihe kurzer lebensnaher Videos drehen lassen, die auf Youtube zu sehen sind und auf Gefahren aufmerksam machen sollen. Sie sind so kurzweilig wie eindringlich.

© Youtube

Eine Botschaft lautet: „Bitte betritt niemals die Gleise. Riskiere nicht Dein Leben für eine Abkürzung“ – mit diesem Appell endet ein gut einmütiges Video. Mit dem Clip warnt die Deutsche Bahn, vor sich schließenden Bahnschranken noch kräftig Gas zu geben. In einem anderen Video werfen sich Jugendliche über Gleise hinweg einen Rucksack zu – bis einer der jungen Leute von einem Zug erwischt wird, wie der Film suggeriert. Es erscheint naheliegend, dergleichen zu unterlassen. Jedoch missachten immer wieder Menschen solche Vorsichtsregeln – und bezahlen diese Leichtfertigkeit bisweilen mit dem Leben. Bahn und Bundespolizei haben deshalb auch besondere Präventionsteams gebildet. „Mit Ständen am Bahnhof, an Bahnanlagen oder in Unterrichtseinheiten in Schulen oder Kindertagesstätten machen sie auf gefährliche Situationen aufmerksam“, erläuterte eine Bahn-Sprecherin.

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Sie engagieren sich nicht von Ungefähr. Dutzende Todesfälle an Bahnanlagen in ganz Deutschland im Jahr bieten Anlass genug. Und: „Viele unterschätzen die Geschwindigkeit der Züge“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen und ergänzt: „Ist der Zug ganz nah, dann ist es schon zu spät.“ Denn in solchen Fällen hätten weder zu nah an Gleisen laufende Personen eine Chance noch Lokführer. Der Mann am Steuer einer Bahn könne alle Bremsen auslösen; wenn ein Zug wie am Dienstagabend 160 Kilometer in der Stunde fahre, könne er nicht rechtzeitig zum Stehen kommen, so ein Sprecher der Bundespolizei.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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