Sicherheitstag der Polizei

Starke Präsenz zeigen nicht nur an Brennpunkten

Von Gregor Scheu
19.09.2021
, 00:08
Check: Im Verlauf des Sicherheitstags prüften Polizisten in Frankfurt auch E-Scooter, so wie bei einer früheren Aktion zu sehen
Das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken: Das will die Polizei mit dem Sicherheitstag. In Frankfurt konnte sie dabei einen Haftbefehl vollstrecken, Drogen einziehen und aufklären. Und dann war da noch ein kurioser Fang.
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Gleich ein Volltreffer für die Frankfurter Polizei bei der ersten Kontrolle. Der an einer Einrichtung der Drogenhilfe nach seinen Personalien befragte Mann wird per Haftbefehl gesucht. Ausweispapiere hat er keine dabei. Trotzdem läuft die Kontrolle ruhig ab. In Handschellen geht es für den Mann danach zunächst in einen Einsatzwagen, dann weiter auf die Wache. Kurze Zeit später wird er dort abgeholt und an eine Haftanstalt überstellt.

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Den Fahndern ins Netz gegangen ist der Gesuchte im Verlauf des Sicherheitstags am Freitag. Dabei handelt es sich um einen Aktionstag der Polizeikräfte mehrerer Bundesländer, darunter Hessen. Die Polizei möchte besonders an diesem Tag starke Präsenz zeigen. Und das hat sie in Frankfurt durch gezielte und großangelegte Kontrollen in Bussen und Bahnen, an bekannten Brennpunkten, am Mainufer und im Straßenverkehr getan.

Sicherheitsgefühl stärken

In ganz Hessen waren dafür mehr als 660 Polizeibeamte im Einsatz, der Großteil davon in Frankfurt. Mit dem Aktionstag wolle die Polizei das Sicherheitsgefühl der hessischen Bevölkerung bewusst stärken, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Und dieser Plan scheint aufgegangen zu sein. In kleinen Gruppen kontrollierten Polizisten am Nachmittag systematisch Straßen- und Trambahnen rund um den Hauptbahnhof. In den Bahnen nickten Fahrgäste den Beamten freundlich zu, die meisten Menschen zeigten sich gelassen.

Beamten fragten eine Reihe von Menschen nach ihren Ausweisen und nach ihrem jeweiligen Ziel. An einer Stelle wurden sie fündig: Ein junger Mann hatte sich im Wagen verdächtig verhalten. Als er an der Haltestelle schließlich durchsucht wurde, stellten die Beamten gut sechs Gramm Marihuana bei ihm sicher. Nachdem die Polizei seine Personalien erfasst hatte, durfte er gehen – ohne Drogen. Auf ihn kommt eine Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz zu.

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Aufklärung als weiteres Ziel

Am Sicherheitstag ging es der Polizei aber nicht nur um Fahndungserfolge. Sie wollte auch aufklären. Das wurde besonders am Mainufer deutlich. Dort war die Polizei mit mehreren Einsatzgruppen vertreten und hielt Fahrradfahrer und Menschen auf E-Scootern an. Auch in diesen Fällen fragten sie nach den Personalien, zudem prüften sie die Fahrtauglichkeit der Vehikel. Wer weiterfahren durfte, bekam noch ein Flugblatt in die Hand gedrückt. So erfuhren Fahrradbesitzer beispielsweise, dass sie ihr Fahrrad von der Polizei codieren lassen können. Dabei wird eine spezielle Kennung in den Rahmen des Fahrrad eingefräst, um es im Zweifelsfall wieder erkennen zu können, falls es gestohlen wird.

Auch auf E-Bikes und Pedelecs hatten die Beamten eine Auge. So schleusten sich zwei Polizisten von der Fahrradstaffel blitzschnell mit ihren eigenen Pedelecs in den Verkehr ein, um einen Fahrer auf einem verdächtigen E-Bike abzufangen. Nachdem sie den Fahrer schließlich eingeholt hatten, stellte sich heraus: Das Pedelec war frisiert worden. Die Beamten zogen das Fahrrad deshalb umgehend aus dem Verkehr. Sein Besitzer musste zu Fuß weiter.

Abends kontrollierte die Polizei auf der Mainzer Landstraße gezielt Autos und Fahrer. Auch dabei war die Stimmung entspannt. Kontrollen, die sonst nur zwei Polizisten obliegen, konnten durch das große Aufgebot von einer ganzen Gruppe übernommen werden. Das schaffte Ruhe unter den Beamten, die sich augenscheinlich auch auf die Autofahrer übertrug. Die Polizisten verhängten kleinere Bußgelder und verwarnten Verkehrsteilnehmer, wobei sie aber auf Einsicht stießen.

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Zufällig ins Fahndungsnetz

Dreißig Minuten nach Beginn der Aktion ließ der Verkehr auf dieser Ausfallstraße allerdings nach. Über soziale Netzwerke hatte sich die Aktion der Polizei herumgesprochen. Gleichwohl ging den Beamten ein Verkehrssünder ins Netz: Ein aus Polen stammender älterer Mann am Steuer interpretierte die Handbewegung eines Beamten falsch, der ihn eigentlich anwies, weiterzufahren. Stattdessen fuhr er in die Kontrollbox und wurde anschließend kontrolliert. Ein Alkoholtest ergab 1,24 Promille. Die Fahrt war für den Mann und seine Frau umgehend zu Ende; der Fahrer musste für einen Bluttest auf die Wache.

Am Mainufer beschloss die Polizei nach 22 Uhr den Sicherheitstag. Viel zu tun hatte sie dort aber nicht. Das Resümee des Einsatzleiters: „Es liegt kein Ruhm in der Prävention, aber wenn ich heute nach Hause komme und höre, dass hier niemand ausgeraubt oder verletzt worden ist, dann bin ich mit dem Sicherheitstag heute voll zufrieden.“

Quelle: F.A.Z.
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