Staatshilfen

Thomas-Cook-Pleite kostet Steuerzahler 263 Millionen Euro

Von Von Falk Heunemann
Aktualisiert am 23.01.2020
 - 19:02
Thomas Cook macht Bankrott in einer Zeit, in der das Fliegen als unnötige, im Grunde schon unlautere Handlung gilt. Worüber aber wird berichtet? Über die Streichung von Flügen und steckengebliebene Urlauber.
Die Bundesregierung hat verraten, wie viel Geld der Staat an Kunden des Reiseanbieters Thomas Cook zahlen wird. Der Grund ist die Angst vor einer Prozesslawine.

Weil der insolvente Reiseanbieter Thomas Cook aus Oberursel viel zu gering versichert war, rechnet die Bundesregierung damit, dass die Pleite den Steuerzahler mehr als 263 Millionen Euro kosten wird. Das gehe aus Unterlagen für den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

In dem Betrag enthalten seien neben 225 Millionen Euro Erstattungsleistungen auch Kosten für Rechtsberatung und die Abwicklung der Zahlungen. Nur durch eine zügige Zahlung könnte eine Prozesslawine vermieden werden, teilte das Finanzministerium dem Ausschuss mit. Eine Klage sei dem Justizministerium bereits zugestellt worden.

Versicherer erstattet nur ein Sechstel

Eigentlich sind Reiseunternehmen im Fall ihrer Pleite versichert, das ist vorgeschrieben. Eine EU-Verordnung schreibt einen finanziellen Schutz von Pauschalreisenden vor, sie überlässt die genaue Regelung aber jedem Mitgliedstaat. Der Bund hatte die Versicherungssumme in Deutschland auf 110 Millionen Euro gedeckelt, damit deutsche Reiseunternehmen geringere Versicherungsbeiträge zahlen müssen.

Diese Schadenssumme hat im Fall der Insolvenz von Thomas Cook aber bei weitem nicht ausgereicht. Der Insolvenzversicherer Zurich geht von einem Schaden von 287 Millionen Euro aus. So mussten zunächst 140000 Kunden aus dem Ausland zurück nach Deutschland geflogen werden. Zudem hatten sie zum Teil ihre Hotels zunächst selbst bezahlen müssen. Das habe bereits 60 Millionen Euro gekostet, heißt es von Zurich. Zehntausenden Urlaubern, die ihre Reise noch nicht angetreten hatten, wurde von dem Versicherer mitgeteilt, dass sie gerade einmal 17,5 Prozent ihres anzahlten Betrages zurück erhalten würden.

Auch um Klagen wegen Verstoßes gegen das EU-Recht zu verhindern, hatte die Bundesregierung entschieden, die restlichen 82,5 Prozent aus Steuermitteln zu bezahlen. Wie genau die Verbraucher an das Geld vom Staat kommen sollen, ist aber weiter offen. Im Gespräch ist die Abwicklung über eine Internetseite.

Quelle: F.A.Z.
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