Lieferung aus Sellafield

Castoren rollen trotz Corona nach Biblis

Von Ewald Hetrodt
29.10.2020
, 15:56
Testfahrt: Mit einem Schienenfahrzeug prüfen Arbeiter die Beschaffenheit der Bahngleise in Biblis, bevor die Castortransport rollen
In Biblis stehen schon 102 Castoren aus dem abgeschalteten südhessischen Kernkraftwerk. Jetzt kommen sechs Behälter aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield hinzu.
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Die Castor-Transporte zum Zwischenlager im Biblis sollen nach dem Willen der Landesregierung trotz der am Mittwoch im Kampf gegen das Virus beschlossenen Einschränkungen weitergehen. „Das ist keine Sache, die man von heute auf morgen absagen kann“, erklärte die Sprecherin der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde am Donnerstag in einer Pressekonferenz des Umweltministeriums.

Wie berichtet, war der Transport ursprünglich für das Frühjahr vorgesehen. Als die Pandemie ausbrach, wurden die Vorbereitungen gestoppt. Inzwischen ist der Transport in vollem Gang. Deutschland hat sich verpflichtet, seine im Ausland wiederaufbereiteten radioaktiven Abfälle zurückzunehmen.

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Jetzt kommen sechs Behälter

Biblis ist eines der vier dafür vorgesehenen Zwischenlager. Dort stehen schon 102 Castoren aus dem abgeschalteten südhessischen Kernkraftwerk. Jetzt kommen sechs Behälter aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield hinzu. Sie befinden sich momentan auf einem Schiff, das den niedersächsischen Hafen Nordenham ansteuert.

Dort werde es „in den nächsten Tagen“ erwartet, hieß es vom Umweltministeriums. Wenn es so weit ist, wird die Öffentlichkeit informiert. Dann geht es mit der Bahn weiter bis ins Zwischenlager Biblis. Es wird allgemein erwartet, dass es auf dieser Strecke zu Protestaktionen und Behinderungen durch Atomkraftgegner kommt.

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Wegen der beschlossenen Einschränkungen für das öffentliche Leben rechnet die Bundespolizei damit, dass deutlich weniger Menschen auf den Straßen sein werden als ursprünglich erwartet. Darum könne auch das personelle Aufgebot geringer ausfallen, sagte ein Sprecher. Die Bundespolizei arbeitet mit den Kollegen aus den Ländern zusammen.

Die Gewerkschaft der Polizei und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatten angesichts der steigenden Infektionszahlen vorgeschlagen, den Transport zu verschieben. Dieses Ansinnen wiesen der Sprecher der Bundespolizei und die Sprecherin des hessischen Landeskriminalamtes zurück.

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Einzel- und Doppelzimmer gebucht

Für die Beamten gebe es Schutzkonzepte, die das Risiko einer Infektion reduzierten. Für Übernachtungen an der Strecke habe man Einzel- und Doppelzimmer gebucht, in denen man Abstand halten könne. Die Frage nach größeren Sammelunterkünften konnte die Sprecherin des Landeskriminalamtes zunächst nicht beantworten. Es würden Teams eingesetzt, die sich immer komplett abwechselten, sodass Infektionen gegebenenfalls nur begrenzt aufträten. Zu ihrer Personalstärke äußert sich die Polizei aus einsatztaktischen Gründen nicht. Die Behörden geben auch keine Auskunft über den genauen Plan für den Transport.

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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