FAZ plus ArtikelImpfung für Schwerbehinderte

Risikopatienten in der Warteschleife

Von Marie Lisa Kehler, Frankfurt
01.02.2021
, 07:00
Das Verwaltungsgericht Frankfurt verpflichtet die Stadt zu prüfen, ob ein schwerbehinderter junger Mann sofort geimpft werden muss. Das könnte weitreichende Folgen haben für weitere Risikopatienten.

Vincent Kast ist vor Gericht gezogen – und er hat recht bekommen. Am Freitag hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass die Stadt Frankfurt zu prüfen hat, ob der Vierundzwanzigjährige sofort geimpft werden muss. Kast ist seit einem Badeunfall halsabwärts gelähmt. Auch seine Lungenfunktion ist stark eingeschränkt. Ein Brotkrümel kann ihn das Leben kosten. Verschlucke er sich, fühle sich das jedes Mal ein bisschen nach Sterben an, sagt er. Denn um husten zu können, müsste er tief einatmen und dann mit Druck wieder ausatmen. Aber Vincent Kast kann weder das eine noch das andere. Und so muss er jedes Mal still hoffen, dass seine Assistenten, die ihn 24 Stunden am Tag begleiten, seine leise Not wahrnehmen.

Der Frankfurter ist Corona-Risikopatient. Würde er sich infizieren, müsste er mit hoher Wahrscheinlichkeit intensivmedizinisch betreut werden. Schon eine einfache Erkältung kann für ihn lebensbedrohlich sein. Eine Infektion der Atemwege sowieso. Das hat ihm sein behandelnder Arzt schon vor einigen Wochen schriftlich bestätigt. Mit dem Schreiben hoffte der Student, schneller einen Termin für seine erste Corona-Schutzimpfung zu bekommen. Lange vergebens.

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Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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