Deutlich mehr Beatmete

Corona-Krankenstationen in Hessen füllen sich rasch

Von Thorsten Winter
16.09.2021
, 16:51
Umsorgt: 157 Patientinnen und Patienten liegen auf Covid-19 Intensivstationen in Hessen.
Der Anstieg der Inzidenz ließ es erwarten: Binnen vier Wochen hat sich die Zahl der Covid-Patienten in Hessen mehr als verdoppelt. Zudem müssen derzeit fast dreimal so viele Corona-Kranke beatmet werden.
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Der Anstieg der Inzidenz auch und gerade in Hessen zieht immer mehr stationär betreute Corona-Kranke nach sich. Die Kliniken in diesem Bundesland verzeichnen sowohl mehr Covid-Patienten auf Normal- wie auf Intensivstationen. Auch müssen zunehmend Covid-19-Kranke beatmet werden. Dies folgt aus Zahlen des Sozialministeriums und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

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In den Krankenhäusern liegen derzeit 317 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19-Infektion auf Normalstation, weiterhin bestehen 71 Verdachtsfälle. Das teilt das Sozialministerium der F.A.Z. mit. Vor zwei Wochen waren es 237 Corona-Kranke und 54 Verdachtsfälle. 157 Patientinnen und Patienten liegen auf der Covid-19-Intensivstation nach 99 zuvor. Davon sind 137 Menschen beatmet, das sind 50 mehr als vor 14 Tagen. 72 der 137 müssen laut Divi invasiv beatmet werden, die anderen bekommen auf andere Weise zusätzlich Sauerstoff, um die Lunge zu unterstützen.

Besonders deutlich wird der Anstieg der Krankenzahlen im Vier-Wochen-Vergleich: Vor einem Monat hatte das Ministerium noch 149 Patienten auf Normalstationen, 66 auf Intensivstationen und 50 Beatmete gemeldet. Mithin liegen nun mehr als doppelt so viele Kranke auf Normalstationen als vor vier Wochen. Die Zahl der Beatmeten hat sich fast verdreifacht.

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Hospitalisierungsinzidenz neuer Leitwert

Derzeit gebe es 245 freie Intensivbetten nach 255 vor zwei Wochen, von denen entsprechend der Prognose und nach den Vorgaben des Planungsstabs stationär 41 Intensivbetten für Covid-Patienten mindestens vorgehalten werden müssten.

Derweil richtet das Land Hessen seine Corona-Politik an neuen Werten aus, wobei die herkömmliche Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist verzeichneten positiven Tests unter 100.000 Einwohnern, in den Hintergrund tritt. Dies geschieht ungeachtet der Aussage etwa der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek, nach der die Inzidenz „der früheste Parameter für die Pandemiebeurteilung“ bleibe, da steigende Werte erfahrungsgemäß mit einigen Wochen Verzug mehr Kranke in den Kliniken nach sich zögen.

Neu ist nun die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz. Diesen Wert weist das Sozialministerium erstmals an diesem Freitag aus. Die Hospitalisierungsinzidenz gibt an, wie viele Personen je 100.000 Einwohner in einer Woche mit Covid-19 in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) nannte am Dienstag den Wert 2,5. Steigt er über acht oder liegt die Zahl der Intensivpatienten über 200, tritt die erste Stufe des neuen Eskalationskonzeptes in Kraft. Dann soll ein Testnachweis nur noch mittels PCR-Test möglich sein und die 3-G-Regel ausgeweitet werden. Dies könnte gemessen am Tempo der Zunahme von Kranken in den Kliniken bald erreicht sein. Stufe zwei tritt ein, wenn der Richtwert auf mehr als 15 ansteigt oder 400 Covid-Patienten auf Intensivstationen liegen.

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Die Inzidenz ist derweil nach mehr als 110 vor einer Woche auf gut 90 gesunken. Alle fünf Großstädte liegen aber weiter über der Marke 100.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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