Corona in Hessen

Zwei weitere Kreise vor Ende der nächtlichen Ausgangssperre

Von Thorsten Winter
09.05.2021
, 10:27
Weniger neue Corona-Fälle und eine sinkende Inzidenz meldet das RKI für Hessen. Außer in der Wetterau liegt die zentrale Kennziffer nun in zwei weiteren Kreisen unter 100. Das bedeutet mehr Freiheit.

Eher erfreuliche Nachrichten zum Infektionsgeschehen in Hessen kommen am Sonntag aus dem Robert Koch-Institut in Berlin. Die Gesundheitsämter haben ihm abermals weniger über Nacht verzeichnete neue Corona-Fälle gemeldet sowie weniger weitere Tote im Zusammenhang mit Covid-19. Die Inzidenz als zentrale Kennziffer sinkt weiter. Allerdings gibt es in Hessen weiter mehr binnen Wochenfrist registrierte bestätigte positive Corona-Tests als im Durchschnitt auf Bundesebene. Hessen kommt auf den Wert 121, ganz Deutschland auf 119. Außer der Wetterau rangieren nun zwei weitere Landkreise unter der Inzidenzmarke 100 und stehen damit vor dem Ende der nächtlichen Ausgangssperre.

Aktuell weisen nur fünf Bundesländer eine höhere Inzidenz als Hessen auf: Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Am besten steht Schleswig-Holstein da mit 50. Auch ist die zentrale Kennziffer in Hessen noch viel zu weit weg von wirklich beruhigenden Zonen (siehe auch Kasten unten). Nicht zuletzt bleibt das zentral gelegene Bundesland beim Impferfolg unter dem Durchschnitt in Deutschland.

Wieder mehr aktive Fälle

Das RKI meldet 1113 neue positive PCR-Tests nach 1205 vor eine Woche. Seit Beginn der Pandemie haben sich offiziell 272.926 Personen in Hessen mit dem Coronavirus angesteckt, das entspricht gut vier Prozent der Landesbevölkerung. Zehn weitere Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 gilt es zu betrauern nach 15 vor einer Woche. Alles in allem sind bisher 7053 Personen an oder mit Covid-19 gestorben. Etwa die Hälfte davon waren Bewohner von Altenheimen. Rund 22.800 Infektionen gelten als noch aktiv, also als nicht ausgestanden. Das sind 200 mehr als am Vortag gemeldet.

Fünf Tage unter der Inzidenzmarke 100 sind nun ausweislich des RKI und der Daten des hessischen Sozialministeriums auch der Hochtaunus und der Vogelsberg. Am Samstag hatte schon die Wetterau diese Schwelle überschritten, die ein Ende der nächtlichen Ausgangssperren bedeutet. Von Montag 0.00 Uhr fällt diese Einschränkung und die Menschen in diesem Landkreis können sich nachts wieder frei bewegen. Fortan gelten wieder die einschlägigen Regeln des Landes.

Die höchste Inzidenz weist Offenbach mit gut 216 auf bei ebenfalls sinkender Tendenz. Es folgen der Odenwald mit 163,4 und der Landkreis Fulda mit 163,1. Unter der Marke 100, aber noch keine fünf Tage, rangieren auch die Bergstraße, der Kreis Darmstadt-Dieburg, die Stadt Darmstadt, der Rheingau-Taunus und der Werra-Meißner-Kreis. Frankfurt kommt auf 134.

Fast 32 Prozent der Hessen mit erster Impfung

Bei der Erstimpfquote lässt Hessen nach einem Zwischenspurt mittlerweile eine Handvoll Länder hinter sich, darunter Schleswig-Holstein und den Nachbarn Thüringen. 31,7 Prozent der Menschen in Hessen haben laut RKI die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Das sind 1,996 Millionen. Der Durchschnitt im Bund beträgt aber 32,3 Prozent. Spitzenreiter ist jetzt das Saarland mit 36,6, Rheinland-Pfalz kommt auf 31,2. Auch bei den durchgeimpften Personen hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund hinterher. Hessen kommt auf 8,4 Prozent, das sind sieben Zehntel unter dem Durchschnitt nach drei Zehntel zur Wochenmitte. Die Schere öffnet sich also wieder.

Die Folgen der „Notbremse“ im Alltag

Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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