Hessen sucht Covid-Testhelfer

Corona-Kennwert in zwei Kreisen nun wieder über Marke 100

Von Thorsten Winter
02.03.2021
, 18:37
Die Inzidenz steigt auch in Kassel wieder an, im Lahn-Dill-Kreis sogar über die Marke 100. In ganz Hessen aber sinkt die zentrale Corona-Kennziffer nach Tagen des Anstiegs.

Weniger neue positive Corona-Tests und deutlich weniger weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie als vor einer Woche: Die Nachrichten aus dem Robert-Koch-Institut zum Infektionsgeschehen in Hessen wirken am Dienstag ermutigend. Zumal die Inzidenz als zentrale Kennziffer erstmals seit acht Tagen über Nacht wieder merklich gesunken ist. Allerdings liegen der Lahn-Dill-Kreis und der Kreis Marburg-Biedenkopf nun wieder über der Marke 100. Derweil verbessert sich Hessen bei der Impfquote etwas, die insgesamt aber schwach bleibt und sucht Helfer für Corona-Tests in Altenheimen angesichts des zeitlich begrenzten Einsatzes der Bundeswehr.

Zwar liegt die Inzidenz höher als vor sieben Tagen, aber unter dem Niveau im Bund. Und die Richtung stimmt nun wieder, sollte sie sich in den nächsten Tagen bestätigen. Das wäre wichtig, da die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern weit oberhalb der 35 liegt. Laut Ministerpräsidenten und Kanzlerin sollen Corona-Vorgaben erst dann wieder gelockert werden, wenn der Kennwert sieben Tage unter diesem Wert liegt. Allerdings lässt Rheinland-Pfalz schon Beratung und Shoppen nach Terminvergabe im Handel zu, so wie es der Handelsverband Hessen auch vorgeschlagen hat.

Am Mittwoch treffen sich die Kanzlerin und die Länderchefs wieder, um über die vielstimmig geforderten Lockerungen zu beraten. So erwarten etwa die Gastronomen einen klaren Fahrplan, nachdem die hessische Landesregierung vergangene Woche ihren Vier-Stufen-Plan vorgestellt hatte. „Der Kessel droht zu bersten, so hoch ist der Druck“, mahnt der Fachverband. Die Moral sei am Boden. Offenbar soll es weitere Lockerungen geben, wie aus einer Beschlussvorlage für Mittwoch hervorgeht.

Kassel über der 35, Lahn-Dill über 100

Das RKI meldet für Hessen 291 neue Fälle nach 306 vor einer Woche. Hatte es vor einer Woche 42 an oder mit Covid-19 Verstorbene verzeichnet, so sind es aktuell 18. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie 188.912 Infektionen in Hessen bekannt geworden, das sind knapp drei Prozent der Landesbevölkerung. 5843 davon endeten tödlich. Rund 8900 Fälle gelten als noch nicht ausgestanden, 500 weniger als am Montag.

Die Inzidenz liegt laut RKI bei 64,7 nach 65,4 am Vortag und 60,5 vor einer Woche. Den niedrigsten Wert weist der Landkreis Kassel mit 32,1 auf. Danach folgen die Stadt Kassel, die binnen Tagesfrist von gut 29 auf 36 geklettert ist. Der Odenwald erscheint mit einem Wert von 40,3 ebenfalls orange auf der Corona-Landkarte. Gleiches gilt für den Main-Taunus und den Rhein-Taunus mit jeweils gut 43.

In Rhein-Main weist Mainz mit 28,4 weiter den niedrigsten Wert auf. In Frankfurt stagniert die Kennziffer um 75, während sie in Offenbach über Nacht von fast 100 auf gut 90 gesunken ist. Der Kreis Groß-Gerau kommt weiter auf eine Inzidenz von 96. Spitzenreiter ist der Lahn-Dill-Kreis mit fast 112 nach 84 vor einer Woche. Nach 53 neuen Fällen meldet der Kreis Marburg-Biedenkopf eine um fast zwölf Punkte gestiegene Inzidenz von 101,8.

Hessen holt bei Impfquoten etwas auf

Bis Montagabend wurden fast 439.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft nach 390.000 bis Freitagabend. Darunter sind 299.300 Erstimpfungen. Für gut 24.000 davon ist das Produkt von Astra-Zeneca zum Einsatz gekommen und damit mehr als doppelt so viele wie bis Freitagabend. Zehntausende Dosen dieses Produkts liegen aber noch bereit. Die Quote bei den Erstimpfungen beträgt 4,8. Drei Bundesländer schneiden schlechter ab, zuvor war Hessen Vorletzter. Das bezieht sich prozentual auf die hessische Bevölkerung. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 5,1 Prozent.

Bei den Zweitimpfungen liegt Hessen mit 2,2 mit Niedersachsen am Tabellenende. Gut 139.000 Hessen haben bisher die zweite Spritze gegen das Coronavirus erhalten, Rheinland-Pfalz führt mit 3,4 Prozent – der Mittelwert im Bund liegt bei 2,6. Für Thüringen weist das RKI eine 2,8 aus. In den 28 Impfzentren wären bei Auslastung insgesamt bis zu 50.000 Corona-Impfungen am Tag möglich. Die höchste Zahl der Impfungen jedoch mit der zur Verfügung stehenden Impfstoffmenge und der sich daran orientierenden Vergabe der Termine für eine Schutzimpfung ab, teilte das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Wiesbaden mit.

Vier Fünftel der Altenheimbewohner geimpft

Gut zwei Monate nach dem Start der Corona-Impfungen in Hessen zeigt sich das Innenministerium zufrieden mit der Impfquote in den Altenpflegeheimen. Mittlerweile hätten 83 Prozent der Bewohner in den Einrichtungen mindestens eine Erstimpfung erhalten, sagte ein Ministeriumssprecher der dpa.

Auch den Menschen im Alter von 80 Jahren und mehr, die zu Hause leben, könne man nun frühere Impftermine anbieten, weil mittlerweile weiterer Impfstoff in Hessen eingetroffen sei. Zahlreiche von ihnen hätten bereits ihre Termine entsprechend umgebucht. Für diese Altersgruppe kommen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie Moderna in Frage, weil der dritte von Astra-Zeneca lediglich Menschen von 18 bis 64 Jahren verabreicht werden darf.

Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) appelliert an Menschen in Hessen, Altenheime beim Testen zu unterstützen. Interessierte können sich zu diesem Zweck bei den regionalen Arbeitsagenturen melden. Die Bundesagentur für Arbeit informiert auf ihrer Website (https://www.arbeitsagentur.de/corona-testhilfe) über das Angebot, für das die Interessierten entsprechend geschult werden. Bislang haben seit dem 19. Januar rund 600 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in den Alten- und Pflegeheimen mit ihrer Arbeitskraft ausgeholfen, indem sie dort das Pflegepersonal bei den zahlreichen Nasen- und Rachenabstrichen für Schnell-Tests unterstützten. Ihr Einsatz ist aber bis Ostern befristet.

Lehrkräfte und Erzieherinnen vor Impfung

An diesem Freitag starten zudem die Impfungen für die zweite Gruppe der Berechtigten. Dazu gehören Menschen im Alter von 70 bis 79 Jahren sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, ebenso Grund- und Förderschullehrer sowie Erzieher. Wie das Regierungspräsidium Gießen der F.A.Z. mitteilte, sind bisher 3251 Bewohnerinnen und Bewohner in Senioren- und Behindertenheimen an oder mit Covid-19 gestorben. Das war der Stand vom vergangenen Freitag, also offiziell 5801 Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie seit März 2020 zu beklagen waren.

Wer zur zweiten Impfgruppe gehört

Zur zweiten Gruppe der Impfberechtigten zählen laut offizieller Verordnung Menschen „mit hoher Priorität“. Dazu zählen:

- Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben

- Personen bei denen etwa wegen Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht. Zu den Erkrankungen zählen Trisomie 21, Demenz, Krebs, bestimmte Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Leberzirrhose, chronische Nierenerkrankung oder Adipositas (Menschen mit Body-Mass-Index über 40)

- Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf besteht

- bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder von einer Schwangeren

- Personen, die in stationären oder ambulanten Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig oder psychisch behinderter Menschen tätig sind

- Personen, die in medizinischen Einrichtungen mit einem erhöhten Expositionsrisiko tätig sind

- Polizei- und Ordnungskräfte, die etwa bei Demonstrationen einem hohen Risiko ausgesetzt sind

- Soldatinnen und Soldaten, die bei Einsätzen im Ausland einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind

- Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind

- Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind (dpa)

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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