FAZ plus ArtikelFolgen der Pandemie

Größte Hotelkette Frankfurts schließt vier Häuser in zwei Städten

Von Patricia Andreae
20.07.2021
, 18:35
Die Kette Fleming’s betreibt allein in Frankfurt sieben Hotels. Drei davon werden nun geschlossen, dazu eins in Zürich.
Keine Messen, keine Kongresse, kaum Touristen und Geschäftsreisende: Auch Fleming’s, die nach dem 007-Autor benannte größte Hotelkette Frankfurts, leidet unter der Pandemie – und gibt fast jeden dritten Betrieb auf.
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Die Fleming’s Hotels stellen den Betrieb in drei Häusern in Frankfurt und einem in Zürich ein, das hat ein Unternehmenssprecher der Betreibergesellschaft HMG der F.A.Z. bestätigt. Geschlossen werden in Frankfurt drei der bisher acht Betriebe des Konzerns: das Fleming’s Conference Hotel Frankfurt am Industriehof im Stadtteil Hausen, das Fleming’s Hotel Frankfurt-Messe im Bahnhofsviertel und das Fleming’s Hotel Frankfurt-Hamburger Allee. Ebenfalls geschlossen wird das Fleming’s Hotel Zürich. Die Mitarbeiter der Häuser, die seit Monaten nicht geöffnet gewesen seien, habe man vergangene Woche informiert, teilte das Unternehmen mit.

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„Um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmensgruppe Fleming’s Hotels während der Corona-Pandemie und darüber hinaus zu sichern, hat die Geschäftsführung nach intensiver Prüfung die unternehmerische Entscheidung getroffen, diese Hotels zum 30. September dieses Jahres zu schließen“, heißt es zur Begründung der Entscheidung in der kurzen Mitteilung. Die durch die Pandemie bedingten „tatsächlichen Verluste im laufenden Geschäftsjahr sowie die weiterhin zu erwartenden niedrigen Umsätze in der Business- und Messehotellerie am Messestandort Frankfurt“ hätten zu dieser „Portfolioanpassung“ geführt. Neben Frankfurt und Zürich hat das Unternehmen noch Hotels in München, Wuppertal und Wien, 2023 soll ein weiteres in Hamburg dazukommen. Dazu, was mit den Häusern nach der endgültigen Schließung Ende September geschehen werde, wollte man sich bei der HMG, die von den Nachfahren des Gründerehepaars Ignaz und Nina Blodinger betrieben wird, nicht äußern.

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Immer noch 80 Prozent weniger Touristen

Die Hotels und Gastbetriebe in Frankfurt haben zuletzt etwas mehr Gäste als vor einem Jahr verzeichnet. Im Mai wurden in Frankfurt knapp 92.000 Touristen und 192.000 Übernachtungen gezählt, wie die städtische Tourismus + Congress GmbH berichtet, das seien gut 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Jeder vierte Reisende kam demnach aus dem Ausland, vor allem aus den USA, Frankreich und Italien.

Allerdings ist das ein Anstieg auf sehr niedrigem Niveau: Im Mai des Vorkrisenjahres 2019 zählte Frankfurt mehr als eine halbe Million Gäste und 930.000 Übernachtungen. Die Messe- und Flughafenstadt ist mit Abstand das wichtigste touristische Ziel des Bundeslandes: Jeder dritte Reisende, der nach Hessen kommt, besucht Frankfurt.

Der Branchenverband der Hotels und Gaststätten Dehoga hat jüngst eine Umfrage vorgelegt, wonach Beherbergungsbetriebe bundesweit im Juni im Schnitt 37 Prozent weniger Umsatz verzeichnet haben als im Juni 2019, obwohl die Lockdown-Regelungen seit einigen Wochen wieder deutlich gelockert sind. Noch stärker hat es nach den Angaben der Dehoga-Mitglieder die Catering-Unternehmen, Clubs und Diskotheken getroffen, die 72 beziehungsweise 89 Prozent weniger erlöst haben.

Die Unternehmer rechnen laut der Umfrage damit, dass erst in einem Jahr wieder normale Umsätze zu erzielen seien. Das hat auch Folgen für den Arbeitsmarkt: Keine Branche hat im vergangenen Jahr so viele Arbeitskräfte verloren wie das Gastgewerbe, viele Beschäftigte haben sich neue Jobs gesucht oder suchen müssen. Dehoga Hessen schätzt, dass rund zwölf Prozent der Mitarbeiter – also jeder achte – die Branche gewechselt haben. Vor der Corona-Krise waren im hessischen Gastgewerbe rund 82.000 Männer und Frauen beschäftigt, im Schnitt verdienten sie als Vollzeitangestellte 33.500 Euro brutto im Jahr. Im Krisenjahr 2020 hatten sie infolge von Kurzarbeit und Arbeitsausfällen durchschnittlich zwei Monatsgehälter weniger ausgezahlt bekommen.

fahe.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Andreae, Patricia (cp.)
Patricia Andreae
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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