Zirkeltraining Crossfit

Ist das noch Drill oder schon Grill?

Von Alex Westhoff
09.04.2016
, 11:02
Fit werden auf die harte Tour: „CrossfitFRA“ bietet Zirkeltraining, von dem man sich in kurzer Zeit maximal fertigmachen lässt. Und die Leute wollen es genau so.

Wenn sie die „Box“ betreten, wissen sie noch nicht, wie ihnen geschehen wird. Ein Blick auf die Tafel genügt aber, damit sie erkennen, wo es ihnen in von jetzt an ziemlich genau einer Stunde weh tut. Unter dem Titel „Workout of the Day“ haben die Trainer das Programm notiert, durch das sich die Crossfit-Jünger an diesem Abend arbeiten müssen. Das vormals von einem Farbenhändler als Lager genutzte Haus am Länderweg in Frankfurt-Sachsenhausen ist zu einer „Box“ geworden. Wo die Fitnessdisziplin Crossfit betrieben wird, spricht man von Box, nicht von Gym oder Studio.

„CrossfitFRA“, wie der Platzhirsch unter den Frankfurter Boxen heißt, ist ein Ort, an dem der innere Schweinehund nicht von der Leine gelassen, sondern ständig besiegt wird. Wo Leute sich in kurzer Zeit maximal fertigmachen lassen. Wo der Neuling sich erst mal fragt: Ist das noch Drill oder schon Grill? Wo Ringe und Taue herunterbaumeln, Klimmzugstangen hängen, Medizinbälle gestapelt und Hanteln kunstvoll geschichtet werden. Und ziemlich sicher in Gebrauch genommen werden. Dazu wird gelaufen, gerudert, gekniebeugt, geliegestützt und so weiter. Crossfit verschlagwortet: hohe Intensität, hohe Effektivität, kleine Trainingsgruppen, stets unter Aufsicht von Trainern, nicht einzelne Muskelgruppen werden isoliert trainiert, sondern das große Ganze. Funktionales Training, lautet die Crossfit-Zauberformel.

Völlig entkräftet - aber mit einem Lächeln

Der Hanauer Phil Imbusch und seine amerikanische Frau Jaime gehören hierzulande zu den Pionieren ihrer Disziplin, die seit 2o11 aus den Vereinigten Staaten herüberschwappt und sich immer größerer Beliebtheit erfreut. 300 Mitglieder zählt die Box mittlerweile, und die Betreiber sagen stolz, dass fast alle, die kamen, auch dabeigeblieben sind. Es ist dieser sportliche Spirit, den man nur in einer Gruppe Gleichgesinnter findet. Und den man hier beim gemeinsamen Leiden erfährt.

Überall verschwitzte Hemden und gerötete Gesichter. Es wird gestöhnt und gejapst, und man sieht Gestalten, die sich mit der letzten bewältigten Wiederholung einer Übung rückwärts hinplumpsen lassen, völlig entkräftet - und dabei lächeln. Ja, sie lächeln. Im Erdgeschoss bringt Jaime gerade eine Anfängergruppe auf Touren. Zum Aufwärmen gibt es 8 mal 20 Sekunden tief und korrekt ausgeführte Kniebeugen. Eine große Digitalanzeige an der Wand zählt die Sekunden herunter. Anschließend folgen Strecksprünge auf einen Kasten. „Go!“ und „fight hard!“ ruft Jaime, deren athletische Figur Crossfit schuf. Dann noch: „Genießt das Brennen in den Beinen!“ Bei „CrossfitFRA“ wird ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch gesprochen. Es trainieren fitte Leute und solche, die es mal werden wollen, gemeinsam.

Vom Sanitäter bis zum Uni-Professor seien alle dabei

Im Untergeschoss beaufsichtigt Trainer Sebastian Hochgürtel eine Gruppe Fortgeschrittener, sagt neue Übungen an und achtet auf die korrekte, gelenkschonende Ausführung. Langhanteln fallen fast im Sekundentakt klirrend zu Boden. Crossfit hat das gute, alte olympische Gewichtheben wieder salonfähig gemacht.

„Studenten, Sanitäter, Banker, Uni-Professor“, sagt Hochgürtel beim Blick durch den Raum, um zu verdeutlichen, dass Crossfit die unterschiedlichsten Menschen anzieht. Und dass sie während einer schweißtreibenden Sitzung zu peppiger Musik - bestehend aus Warm-up, Pre-Workout und Workout - eh alle gleich sind. „Die Leute pushen sich gegenseitig“, sagt der 31 Jahre alte Coach.

Ein Remix bekannter Sportarten

Viele sind des mitunter langweiligen Trainings an Kraftmaschinen in Fitnessstudios überdrüssig. In der Box gibt es keinen Fernseher, und es werden während des Trainings auch keine Handynachrichten verschickt - weil es schlicht keine Pause gibt. Es gilt, den Körper bei hoher Pulsfrequenz schnell auf volle Fahrt zu bringen. Nachhaltig werde so Fett verbrannt und Muskulatur aufgebaut, Kondition und Beweglichkeit würden optimiert. Crossfit ist ein modernes Zirkeltraining, das überall sportliche Anleihen genommen hat, nicht zuletzt vom Turnen. Da wurde quasi nichts neu erfunden, aber neu zusammengesetzt. „Wir stehen zu der Weisheit, dass harte Arbeit belohnt wird“, sagt Imbusch.

Das beste Beispiel sind Tanja und Nanno, sie Steuerberaterin, er Banker. 18 Uhr Feierabend und 18.30 Uhr in der Box ist zu ihrem lebensbestimmenden Rhythmus geworden, seitdem er Weihnachten 2015 für beide den Anfängerkurs gebucht hat. Fünf bis sechs Einheiten gibt sich das Paar nun je Woche. Beide haben erheblich abgenommen - die Box bietet neben dem Training nämlich auch noch eine Ernährungsberatung an.

„CrossfitFRA“ liegt am Länderweg 23 in Sachsenhausen und hat neben Mitgliedschaften beispielsweise auch 10er-Karten und zeitlich begrenzte Angebote im Programm sowie Personal Training. Alle 14 Tage startet ein neuer dreiwöchiger Einsteigerkurs. Mehr Infos im Internet unter: www.crossfitfra.de. In Rhein-Main gibt es Crossfit neben den Frankfurter Boxen unter anderem auch in Wiesbaden, Mainz, Neu-Isenburg, Hofheim, Offenbach und Kronberg.

Quelle: F.A.S.
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