Bahn will digitaler werden

Eine App erklärt, was da vorbeizieht

Von Hans Riebsamen
Aktualisiert am 01.02.2016
 - 10:33
Künftig sollen Reisende über ihr Smartphone erklärt bekommen, warum es nicht weitergeht.
Neue Apps und Bahnhöfe mit Sensoren: Die Deutsche Bahn will digitaler und kundenfreundlicher werden. Bahnchef Rüdiger Grube stellt die Ideen vor.

Nach einem Besuch von Bahn-Managern im Silicon Valley in Kalifornien hat die Führung der Deutschen Bahn AG beschlossen, dass sie die Digitalisierung des Konzerns entschlossen in Angriff nehmen muss. Es soll eine kundenfreundliche Digitalisierung werden, wie Bahnchef Rüdiger Grube bei einem Besuch des D.Lab, eines neuen Ideen-Laboratoriums der Bahn an der Frankfurter Elbestraße, sagte: Früher habe die Bahn Neuerungen den Kunden einfach vorgesetzt, jetzt wolle sie zusammen mit dem Kunden Neuerungen entwickeln.

Zum Beispiel einen digitalen Reiseführer, der dem Fahrgast erklärt, was er durch das Zugfenster an Bergen, Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten vorbeiziehen sieht. Oder ein System, das es den Kunden erlaubt, die häufig akustisch schwer zu verstehenden Ansagen auf dem Bahnhof live auf dem Smartphone mitzuhören und mitzulesen. Gedacht ist auch an eine digitale App-Klingel, mit deren Hilfe die Reisenden sich Essen, Getränke oder eine Zeitung an ihren Sitzplatz im Zug bestellen können.

Wie die Bahn kreativer sein will

Diese Vorschläge sind von einer Jury zu den drei besten von 650 Ideen gekürt worden, die für den im November 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb „DB Bahn Ideenschmiede“ eingesandt wurden. Martin Böschen, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Oldenburger Institut Offis für Informatik, der den Vorschlag für besagte Fensterblick-App gemacht und damit den ersten Preis gewonnen hat, konnte jetzt seine Idee im D.Lab Frankfurt zusammen mit dem dort arbeitenden Team von 15 Mitarbeitern weiterentwickeln.

Die Ideenschmiede im Frankfurter Bahnhofsviertel gibt es seit April 2015. Es ist nicht das einzige Laboratorium der Bahn, in dem die Zukunft des Unternehmens erfunden werden soll. Kreative Kräfte sollen außerhalb der Alltagsroutine, aber im Verbund mit Praktikern in solchen Labs neue Ideen systematisch entwickelt und deren Anwendung für das operative Geschäft erproben. Mit der neuen Arbeitsform soll nach den Worten Grubes verhindert werden, dass gute Einfälle nicht gleich am ersten Tag nach dem Motto zertreten werden: „Das haben wir nie so gemacht.“ Ziel sei es, neue Ansätze schnell in das Tagesgeschäft zu bringen.

Die Bahnhöfe bekommen mehr Sensoren

Sechs solcher Laboratorien hat der Konzern mittlerweile eingerichtet, davon drei in Frankfurt. Neben dem D.Lab an der Elbestraße, das Innovationen für den Personenverkehr entwickeln soll, gibt es hier noch das Sky-Deck, wo IT-Lösungen für diverse Anwendungen wie etwa die Ticketkontrolle erfunden werden. Dieses Laboratorium hat seine Räume im Silberturm der früheren Dresdner Bank am Jürgen-Ponto-Platz. Ein drittes Bahn-Laboratorium in Frankfurt kümmert sich um Neuerungen im Fahrplan. Darüber hinaus existiert ein Lab in Darmstadt, dessen Aufgabe darin besteht, Ideen für eine bessere Fracht-Logistik zu entwickeln.

Unter anderem solle jetzt Schluss sein mit dem Satz: „Der Zug kommt heute in umgekehrter Wagenreihung.“ Künftig wolle die Bahn mit Sensoren bei der Ausfahrt eines Zuges aus einem Bahnhof die Anordnung der Wagen erfassen und diese elektronisch an die Anzeigetafeln der folgenden Bahnhöfe weitergeben, kündigte Grube an. Weiter wolle das Unternehmen jetzt Rolltreppen in Bahnhöfen mit Sensoren ausstatten, die der Zentrale anzeigen, dass etwas nicht in Ordnung sei. Solche Sensoren sollen zu demselben Zweck auch an mehr als 30.000 besonders wichtigen Weichen installiert werden. Dank eines solchen Vorwarnsystems sollen Reparaturen erfolgen, bevor eine Treppe oder eine Weiche nicht mehr funktioniere.

Innovationsoffensive bei der Bahn

„Die Digitalisierung eröffnet uns neue Möglichkeiten, die Qualität im Bahnverkehr zu verbessern“, sagte Grube. Wenn die Bahn mehr Kunden gewinnen wolle, müsse sie bei der Qualität ansetzen. Dafür benötige sie neben dem gezielten Einsatz von moderner digitaler Technik auch zufriedene Mitarbeiter, die Verantwortung übernähmen und mit Freude ihrer Arbeit nachgingen.

Der Bahnchef kündigte eine Innovationsoffensive seines Unternehmens an. In den nächsten fünf Jahren werde der Konzern mehr als 50 Milliarden Euro investieren, davon 40 in die Infrastruktur. 20 Milliarden werde die Bahn aus eigenen Einnahmen erbringen können.

Quelle: F.A.S.
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