Dreieich

Wo Frankfurts Müll lagert, entsteht Solarstrom

Aktualisiert am 16.04.2012
 - 19:35
Aussichtsreich: Vom Sonnenkraftwerk auf der früheren Müllkippe in Dreieich hat man Frankfurt im Blick.
In Dreieich steht Hessens größte Photovoltaikanlage. Pro Jahr sollen dort acht Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

Auf der ehemaligen Mülldeponie im Stadtteil Buchschlag ist gestern nach Angaben der Betreiber die größte frei stehende Photovoltaikanlage Hessens in Betrieb genommen worden. Die auf einer 15 Hektar großen Fläche errichtete Anlage verfügt über etwa 40.000 Solarplatten, die knapp acht Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen sollen. Der Strom wird in das Netz der Stadtwerke Dreieich eingespeist. Durch das 15 Millionen Euro teure Projekt können 2000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll dadurch im Jahr um knapp 5000 Tonnen verringert werden.

Betreiber des „Solarparks Dreieich“ ist die RMS Rhein-Main-Solarpark GmbH, an der die FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und die Stadtwerke Dreieich beteiligt sind. Da die Photovoltaikanlage am 30.Dezember 2011 fertiggestellt wurde, ist das Projekt nicht von den Kürzungen bei der Solarförderung betroffen, die der Bund beschlossen hat. Bauherr der Anlage ist die FES, die bei der Finanzierung in Vorlage getreten ist. An der Finanzierung konnten sich auch Bürger beteiligen, indem sie Anteile an der Anlage kauften.

170 Bürger gewonnen

Mit Blick auf die Frankfurter Skyline sprach der Dreieicher Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) gestern auf dem in 45Meter Höhe gelegenen Plateau der ehemaligen Mülldeponie von einem „besonderen Tag“ für seine Stadt. Auf dem ehemaligen Müllberg sei die modernste Solaranlage Hessen errichtet worden. Die Stadt, die allein ein so ehrgeiziges Projekt nicht hätte verwirklichen können, habe in der FES einen engagierten Partner gefunden. Der Frankfurter Stadtrat Stefan Majer (Die Grünen) nannte es eine „Ironie der Geschichte“, dass man dort, wo früher der Frankfurter Müll hingekippt worden sei, einen Solarpark für saubere Energie errichtet habe. Das gemeinsam mit der Stadt Dreieich verwirklichte Vorhaben sei ein Beispiel, wie wunderbar die regionale Zusammenarbeit klappen könne. Frankfurt hat die vormalige Dreieicher Kiesgrube zwischen 1968 und 1992 als Mülldeponie genutzt. Bis in 15 Meter Tiefe wurde die Deponie verfüllt. Insgesamt 15 Millionen Kubikmeter an Abfällen lagern im Deponiekörper. Nach Schließung der Deponie war die FES auf der Deponie für die Nachsorge verantwortlich und für die Rekultivierung.

FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler bezeichnete die sechswöchigen Bauarbeiten für den Solarpark als einen „Parforceritt“. Man habe die Anlage bis zum 30.Dezember vorigen Jahres fertigstellen müssen, um die Förderung in der vorgesehenen Höhe zu erhalten. Daher seien zeitweise 200 Arbeiter, die vorwiegend aus Osteuropa gekommen seien, beschäftigt worden. Die Mitarbeiter montierten am Südhang der Deponie 128 Reihen mit Solarplatten, die auf Ständern ruhen. Jede Reihe ist 40 Meter lang. Der Abstand zur nächsten Reihe beträgt vier Meter, um eine wechselseitige Beschattung zu verhindern.

Wolfgang Lammeyer, Geschäftsführer der Stadtwerke Dreieich, sagte, der Solarpark sei für sein Unternehmen eine Herausforderung. Volker Klös, Vorsitzender des Vereins „Sonneninitiative“, äußerte sich zufrieden über die Beteiligung von Bürgern an der Finanzierung der Photovoltaikanlage. Nach Angaben von Klös wurden 170 Bürger für die Beteiligung an der Finanzierung des Solarparks gewonnen. Im Durchschnitt hätten die Anteile, die von den Bürgern erworben worden seien, 20.000 Euro betragen.

Quelle: F.A.Z.
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