Eintracht Frankfurt

Ein Abräumer zum Abschluss

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
Aktualisiert am 02.09.2014
 - 08:30
Mit neuem Arbeitsdress am neuen Arbeitsplatz: Slobodan Medojevic ist in Frankfurt angekommen.
Der Serbe Slobodan Medojevic soll das Eintracht-Mittelfeld stabilisieren und bleibt trotz der Verletzung von Nelson Valdez der letzte Transfer dieses Sommers.

Die Mannschaft ist komplett. Slobodan Medojevic ist der letzte Fußballprofi, den die Frankfurter Eintracht in der sommerlichen Transferperiode unter Vertrag genommen hat. Der Wechsel des 23 Jahre alten Serben hatte schon rund um das Auswärtsspiel der Eintracht beim VfL Wolfsburg Kontur angenommen. Am Sonntag wurden letzte Details geklärt, am Montag saß der Mittelfeldspieler im Presseraum der Frankfurter Arena auf dem Podium. Mit dabei: Bruno Hübner. Der Sportdirektor hatte die Verpflichtung angestoßen und forciert, und lange war nicht sicher, dass es mit Medojevic und der Eintracht wirklich etwas werden würde. „Vor zwei, drei Wochen sah das noch ganz anders aus“, sagte Hübner, der erst in den vergangenen Tagen mit dem Wolfsburger Manager-Kollegen Klaus Allofs eine Einigung erzielte. Zahlen wollte Hübner naturgemäß nicht nennen, doch man kann schon davon ausgehen, dass die Frankfurter eine Ablöse von rund 1,8 Millionen Euro an die Wolfsburger überwiesen haben. Im Umkehrschluss sicherten sie sich damit für die kommenden drei Jahre die Dienste des Serben, der bei seinem ersten öffentlichen Auftritt eine sympathische Visitenkarte abgab.

Von Wolfsburg nach Frankfurter also. Das ist genau die andere Richtung, die vor kurzem erst Sebastian Jung eingeschlagen hat. Doch Medojevic hat ihn mit Bedacht gewählt. „Frankfurt hat Riesenpotential“, lobte er. „Das ist ein Verein mit einer großen Tradition.“ Besonders beeindruckt zeigte sich der gut Deutsch sprechende Mittelfeldspieler über die Unterstützung während der Spiele durch die Eintracht-Fans. „Das ist der Wahnsinn.“ Natürlich will sich der letzte Neuzugang des Sommers 2014 schnell einen Namen machen und seinen Platz in der Mannschaft erobern. Der soll vor der Abwehr auf der sogenannten Sechserposition sein. Dort, wo schon Makoto Hasebe spielt. Der Japaner, den Medojevic noch aus gemeinsamen Wolfsburger Zeiten kennt. Beide verbindet nicht nur die sportliche Vergangenheit in Niedersachsen, sondern auch die Tatsache, dass sie von ihrem damaligen Trainer Felix Magath doppelt geprägt worden sind. Nicht nur sportlich, auch abseits des Platzes hatte Magath klare Regeln aufgestellt, von denen sowohl Hasebe als auch Medojevic profitieren: Sie sprechen Deutsch. „Als ich nach Wolfsburg gekommen bin, habe ich sofort eine Lehrerin aus Bosnien gehabt. Mit ihr habe ich dreimal die Woche Unterricht gehabt.“ Ein Modell, zur Nachahmung auch bei der Eintracht für so manch sprachfaulen Profi empfohlen.

Aigner als Erster zurückerwartet

Dass Medojevic dem Werben der Eintracht erlegen ist, hat Gründe. Der Serbe setzt darauf, Stammspieler zu werden, um sich durch regelmäßige Einsätze für sein Heimatland zu empfehlen. „Ich will mich in der Nationalmannschaft durchsetzen“, sagte Medojevic. „Das ist mein Traum.“ Verwirklichen kann er ihn nur, wenn er Vereinscoach Thomas Schaaf von seinen Qualitäten überzeugt. Am Selbstbewusstsein wird der Aufstieg zur Stammkraft der serbischen A-Elf nicht scheitern. „Ich war Kapitän der U-21-Nationalmannschaft, und auch in Wolfsburg habe ich fast jedes Spiel mitgemacht.“ Für die Zukunft ist er optimistisch gestimmt. „Ich bin hundertprozentig sicher, dass ich mich hier bei der Eintracht weiterentwickeln kann“, sagte Medojevic. Angesprochen auf seine Stärken und Vorzüge, entgegnete der Serbe: „Ich spreche nicht so gerne über mich. Ich möchte es lieber auf dem Platz zeigen.“

Stichwort Platz: Dort wird als Erster aus den Reihen verletzter Eintracht-Profis Stefan Aigner zurückerwartet. „Er macht schon wieder Lauftraining“, sagte Hübner, der nach Schließung des Transferfensters weiter an der Zukunft der Mannschaft bastelt. In ihr spielt Aigner weiterhin eine wichtige Rolle. „Wir wollen mit Stefan verlängern“, verriet Hübner kein Geheimnis. „Die Vertragsgespräche sind auf einem guten Weg.“ Weil Hübner und auch Trainer Schaaf davon überzeugt sind, dass der ehrgeizige Aigner nach seinem Eingriff am Knie mit großem Ehrgeiz zurück in die Mannschaft drängt, haben sie von einem weiteren Transfer als Ersatz für den ausgefallenen Nelson Valdez Abstand genommen. „Medojevic war der letzte Transfer. Wir haben uns das reiflich überlegt. Wir vertrauen dem Personal, das wir haben“, sagte Hübner.

Zudem: Der Eintracht bieten sich auf der rechten offensiven Seite mehrere Alternativen. Nicht nur Aigner kennt sich dort bestens aus. „Auch Alexander Meier kann dort spielen“, sagte Hübner. Und spätestens seit dem 2:2 von Wolfsburg weiß man, dass auch Aleksandar Ignjovski ein variabler und flexibel einsetzbarer Fußballspieler ist, der nicht nur verteidigen, sondern das Spiel auch offensiv antreiben kann. Bestes Beispiel war seine Maßflanke zum Ausgleichstreffer durch Vaclav Kadlec. Dass Medojevic bei der Eintracht angekommen ist, freut auch Ignjovski: Beide kommen aus Serbien.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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