25 Pflichtspiele

Baustelle Eintracht

EIN KOMMENTAR Von Marc Heinrich
06.08.2018
, 17:01
Trainer Adi Hütter gibt seinen Spielern die Richtung vor. Doch ist die Eintracht auf dem richtigen Weg?
Für die 25 Pflichtspiele bis zur Winterpause ist die Eintracht noch nicht ausreichend gewappnet. Wird die Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und dem internationalen Wettbewerb zu viel? Ein Kommentar.

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Die Vorbereitung der Eintracht auf das, was ihr in den nächsten Monaten mit der ungewohnten Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und internationalem Wettbewerb bevorsteht, ist nahezu abgeschlossen. Mit dem zweiten Trainingslager, das am Sonntag in Südtirol zu Ende ging, ist ein Großteil der Einstimmung auf kommende Ernstfälle bewältigt. Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Supercup gegen die Bayern, ehe es dann Schlag auf Schlag zur Sache geht. Bis zur Winterpause werden die Frankfurter 25 Pflichtspiele bestreiten. Für diese Anstrengung sind sie bislang noch nicht ausreichend gewappnet.

Erkennbar ist bei allen Beteiligten ein Bemühen, die Vorstellungen des neuen Trainers umzusetzen. Im aufgeblähten Kader, der in dieser Größe besser keinen Bestand hat, existieren keine Grüppchen aus Unzufriedenen, deren Frust sich in einen Brandherd verwandeln könnte. Alle, auch die, die unter Kovac eine untergeordnete Rolle spielten, wittern ihre Chance. Es wird darauf ankommen, wie Hütter seine Leute motiviert und den Umbruch, den er vorantreiben möchte, moderiert. Er hat sich viel vorgenommen, und das Risiko, das damit für die Eintracht verbunden ist, lässt sich nicht wegdiskutieren. Personell ist das Aufgebot im Vergleich zur Situation Mitte Mai, als mit dem Pokalsieg Klubgeschichte geschrieben wurde, schlechter geworden.

Die Eintracht zahlte einen teuren Preis des Erfolgs und verlor mit Mascarell, Boateng, Hradecky und Wolf vier Stammkräfte; zudem wurde Meier auf unredliche Art und Weise aussortiert. Denen, die an ihrer Stelle engagiert wurden, um Lücken zu schließen und neue Perspektiven aufzuzeigen, ist eins gemein: Sie kennen das Bundesligabusiness lediglich aus der Distanz und spielten zuletzt bei ihren Klubs zumeist keine großen Rollen: Paciência, Geraldes, Ndicka, Souza oder Torró müssen erst noch beweisen, dass hinter den Lobeshymnen, mit denen ihre Verpflichtung begleitet wurde, nicht Wunschdenken steckte. Die Testpartien machten deutlich, dass noch einiges an Arbeit notwendig ist, um die Neulinge so zu integrieren, dass sie das Prädikat „Verstärkung“ tatsächlich verdienen.

Besetzung der Torhüterposition ist ein Problem

Die größte Baustelle ist momentan die Besetzung der Torhüterposition: Rönnow, als Nummer eins verpflichtet, konnte wegen einer Knieverletzung viele Übungseinheiten nur eingeschränkt absolvieren; über seine Qualität lässt sich allenfalls spekulieren. Ersatzmann Wiedwald hat seit einem halben Jahr überhaupt kein Pflichtspiel bestritten, und der zweite Stellvertreter, Zimmermann, stand wegen Rückenproblemen wochenlang gar nicht zur Verfügung. Hütter wird das von ihm bevorzugte offensive System, bei dem frühes Pressing angesagt ist, nur dann umsetzen können, wenn die dafür nötige defensive Stabilität nicht durch einen Wackelkandidaten zwischen den Pfosten gefährdet ist.

Unter Kovac verbesserte sich die Eintracht jedes Jahr. Hütter weiß, dass er an seinem strahlenden Vorgänger gemessen wird – und verzichtet klugerweise auf großspurige Vorhersagen. Er möchte, dass das Team „unberechenbarer“ auftritt, sagte der Österreicher in Südtirol. Das könnte klappen. Nur eben auch ganz anders als wohl von ihm gemeint.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot