Eintracht Frankfurt

Ohne Meiers Tore geht’s nicht

Von Ralf Weitbrecht
01.10.2012
, 23:24
Schon in der Vorsaison war Alexander Meier für die Frankfurter Eintracht nicht zu ersetzen. Daran hat sich seit dem Aufstieg nichts geändert. „Der Junge weiß manchmal gar nicht, was er alles kann“, sagt Trainer Vah.

Die schillernde Welt scheint so gar nicht zu ihm zu passen. Doch wenn die Sprache auf Miami kommt, wird aus dem zurückhaltenden Alexander Meier ein glühender Fanatiker. Die Metropole in Florida hat es ihm angetan. Und wann immer es passt, verbringt der Fußballprofi seinen Urlaub in Miamis lässigem Ambiente. Alles andere als lässig, sondern im Gegenteil die Frucht harter Arbeit ist das, was Meier in diesen Tagen und Wochen zum Wohle der Eintracht leistet. Der jüngste Ertrag kann sich sehen lassen. Zwei Tore hat der längste Frankfurter beim 2:1 gegen den SC Freiburg beigesteuert. Zwei Tore, erzielt mit Kopf und Fuß, die der ohnehin schon prächtigen Stimmung, die rund um die Eintracht herrscht, einen nochmaligen Schub gegeben haben.

Dank des fünften Siegs im sechsten Saisonspiel haben die kessen Frankfurter ihren zweiten Tabellenplatz hinter Rekordmeister Bayern München gefestigt. Viele am Sonntag wollten dies vor allem an der Person Meier festmachen. Doch der wiegelte nur ab. „Wir gehören alle dazu. Es geht nie um Einzelne“, sagte er. Als hätte er sich mit Trainer Armin Veh abgesprochen, äußerte sich der 29 Jahre alte Niedersachse fast schon diplomatisch. „Wir wissen, was unser Ziel ist. Es geht nur darum, dass wir weiter hart arbeiten.“

Veh hört solche Sätze gerne. Wie er überhaupt eine hohe Meinung von dem torgefährlichsten offensiven Mittelfeldspieler hat, den die Eintracht in ihren Reihen weiß. „Alex ist schon früher ein sehr guter Spieler gewesen. Als ich noch Trainer beim VfB war, wollte ich ihn nach Stuttgart holen.“ Meier ist - natürlich - in Frankfurt geblieben. In der Stadt, in der er seiner professionellen Karriere den entscheidenden Kick gegeben hat. Rückblickend haben der damalige Cheftrainer Friedhelm Funkel und dessen Assistent Armin Reutershahn Gespür bewiesen, als sie den schüchtern wirkenden Meier im Sommer 2004 aus Hamburg zur Eintracht gelockt haben. Zwar schieden sich am Spiel des laufstarken und technisch beschlagenen Meier immer wieder die Geister, was gerade in sportlichen Krisenzeiten zu unsachlichen Beschimpfungen von den Zuschauerrängen führte. Doch das ist Geschichte. Das Publikum heute hat Meier längst in sein Herz geschlossen.

Sechs Spiele, vier Tore: Meier ist in blendender Verfassung. Schon in der Vorsaison gehörte der offensiv ausgerichtete Mittelfeldmann zu den herausragenden Frankfurter Kräften. Siebzehn Treffer erzielte er, und nicht nur Vorstandschef Heribert Bruchhagen reagierte erleichtert auf die wiedergefundene Torgefährlichkeit. „Ohne Meiers Tore geht es nicht.“ Gesagt, getan. Der in Frankfurt heimisch gewordene Norddeutsche war in der Aufstiegsspielzeit gemeinsam mit seinem neuen Mannschaftskollegen Olivier Occean und dem Paderborner Nick Proschwitz der beste Schütze der Liga. Friedhelm Funkel, Michael Skibbe, Christoph Daum und nun Armin Veh: Alle Trainer waren und sind von Meiers Qualitäten überzeugt. Sein aktueller Coach, angetan von dessen Repertoire, sagte nach dem 2:1 gegen Freiburg: „Der Junge weiß manchmal gar nicht, was er alles kann.“

Die Sterne vom Himmel holen kann er natürlich nicht. Doch es wirkt geradezu himmlisch, was sich derzeit um das Überraschungsteam der Liga abspielt. Auch Meier weiß dies mit dem nötigen Realismus einzuschätzen. „Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir nach sechs Spielen sechzehn Punkte haben und Zweiter sind, hätte ich entgegnet: Du hast keine Ahnung. Aber im Fußball ist ja alles möglich.“ Andererseits warnte Meier zugleich, den furiosen Start mit zu großen Hoffnungen zu verknüpfen. „Wir haben vor zwei Jahren gesehen, wie schnell alles gehen kann“, sagte er mit Blick auf den Abstieg nach einer starken Hinserie. „Deshalb sollten wir immer schön auf dem Teppich bleiben.“ Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Doch Meiers nächster Trip nach Miami kommt bestimmt.

„Der Junge weiß manchmal gar nicht, was er alles kann.“ Armin Veh über Alexander Meier

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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